Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung

Youtuber "Drachenlord" muss in den Knast! Rainer W. (32) zu zwei Jahren Haft verurteilt

Youtuber "Drachenlord" vor Gericht.
Youtuber "Drachenlord" vor Gericht.
© dpa, Daniel Karmann, dka bsc

22. Oktober 2021 - 10:59 Uhr

Youtuber „Drachenlord“ (32) gestand Gewalt-Ausbruch vor Gericht

Seit Jahren streiten sich der "Drachenlord" und seine Hater - und das längst nicht mehr nur im Internet. Regelmäßig tauchen Schaulustige vor dem Haus des Videobloggers in dem mittelfränkischen Dorf Altschauerberg auf, um einen Blick auf ihn zu erhaschen, Selfies zu machen - und um ihn zu provozieren. Weil er in mehreren Fällen nach gegenseitigen Beschimpfungen handgreiflich wurde, hat ihn das Gericht in Nürnberg nun verurteilt. Rainer W. (32) wandert für zwei Jahre in den Knast.

Richterin: Trauriges Beispiel für Hass und Mobbing im Internet

Der "Drachelord" wurde vom Gericht in Nürnberg unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und Verleumdung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. "Es tut mir Leid für die ganzen Umstände", sagte W. vor Gericht.

Die Richterin sprach am Donnerstag von einem traurigen Beispiel für Hass und Mobbing im Internet. W. sei Täter und Opfer zugleich. "Es kann nicht angehen, dass Leute sich ergötzen, jemand anderen psychisch so fertig zu mache, mit dem Ziel, ihn in den Knast zu bringen und sich hinterher damit zu brüsten, man würde es für das Gemeinwohl machen", sagte die Richterin, und urteilte: "Das finde ich ekelhaft."

"Drachenlord" nennt in einem Youtube-Video seine vollständige Adresse

Der Angeklagte blickt beim Prozessauftakt am Donnerstag einfach weiter geradeaus, als die Kameras auf ihn gerichtet sind. Er hält sich nicht – wie oft vor Gericht üblich - einen Aktenordner vors Gesicht, um dieses zu verbergen. Wie er aussieht, wissen schließlich Tausende: groß, übergewichtig und mit einer Vorliebe für T-Shirts von Metal-Bands.

Dem Youtuber "Drachenlord" folgen mehr als 150.000 Menschen. Viele davon aber nicht, weil sie ihn besonders toll finden. Sie sind seine Hater. Mit ihnen streitet er sich seit Jahren.

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Weil er mal in einem Video aus Wut seine vollständige Adresse verraten hat, tauchen regelmäßig Hater vor seinem Haus auf. Immer wieder kommt es zum Gerangel. Die Polizei muss deshalb eigenen Angaben zufolge mehrmals täglich anrücken.

So soll er laut Staatsanwaltschaft unter anderem einen Mann mit einer Taschenlampe geschlagen und an der Stirn verletzt haben. Einen anderen habe er mit einem Backstein beworfen. Vor Gericht räumte er die Taten ein. Dafür wurde er jetzt verurteilt.

Hasskriminalität im Netz ist ein großes Problem

Hasskriminalität in den sozialen Medien ist ein bekanntes Problem - und beschäftigt schon länger Polizei und Justiz in Deutschland. Auch kommt es mitunter vor, dass aus einem Streit im Netz reale Gewalt wird. So trafen sich im März 2019 rund 400 Jugendliche auf dem Berliner Alexanderplatz zu einer Massenschlägerei, nachdem zwei im Clinch liegende Influencer ihre Fans dazu aufgerufen hatten.

Nichts davon sei aber vergleichbar mit dem "Drachenlord"-Phänomen, sagt der Medienwissenschaftler Christian Gürtler von der Universität in Erlangen. "Das ist ein absolut herausragendes Beispiel von Hass im Netz, weil dieser auch offline weitergeht." Normalerweise hielten Influencer ihre privaten Adressen geheim - und sollten diese doch bekannt werden, zögen sie meist um.

Doch nicht der "Drachenlord". Konflikte scheint er nicht zu scheuen - im Gegenteil. In seinen Videos über sich und sein Leben gibt er oft extreme Ansichten von sich. Seine Hater beschimpfen ihn dafür, aber machen sich auch über sein Aussehen, sein Gewicht und seinen Dialekt lustig. Sein zweifelhafter Ruhm scheint ihm zu nutzen. Zumindest kann er offenbar davon einigermaßen leben. (dpa/mor)