Prozessauftakt gegen Youtuber "Drachenlord"

Zoff zwischen "Drachenlord" und seinen Gegnern terrorisiert ein ganzes Dorf

21. Oktober 2021 - 18:41 Uhr

Polizei spricht von "terrorähnlichen Zuständen"

Seit Jahren tobt in einem kleinen Dorf in Bayern ein bizarrer Streit: Die Polizei spricht sogar von "terrorähnlichen Zuständen". Auslöser ist Youtuber Rainer W. (32), der sich "Drachenlord" nennt. Der ganze Ort leidet massiv unter der verfahrenen Situation. Jetzt ist die Sache in Nürnberg vor Gericht gelandet. Im Prozess geht es um gefährliche Körperverletzung und andere Straftaten.

"Drachenlord" nennt in einem Youtube-Video seine vollständige Adresse

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem vor, einen Mann mit einer Taschenlampe auf die Stirn geschlagen und verletzt zu haben. Einen anderen soll er mit einem Backstein beworfen haben. Der Angeklagte räumte die Taten weitestgehend ein und kündigte Konsequenzen an. Am ersten Verhandlungstag sollten mehrere Zeugen aussagen. Das Urteil fiel noch am selben Tag.

Der 32-Jährige, der sich selbst "Drachenlord" nennt, streitet sich seit Jahren mit seinen Gegnern, die sich Hater nennen – und das nicht nur im Internet. Zunächst veröffentlicht er nur Videos, in denen er tanzt, Videospiele spielt oder Essen zubereitet. 2014 aber macht der Youtuber einen Fehler, der ihm bis heute zum Verhängnis wird. Weil jemand seine Schwester mit einer Computerstimme angerufen und belästigt haben soll, verliert Rainer W. die Fassung. Er nennt in einem Video seine vollständige Adresse und brüllt: "Traut euch, kommt zu mir und legt euch mit mir an!" Seitdem ist es mit der Dorfidylle vorbei. Regelmäßig tauchen die Hater des Youtubers vor seinem Haus in dem mittelfränkischen Dorf Altschauerberg auf. Der Youtuber und seine Hater provozieren sich dann oft gegenseitig. Die Polizei muss deshalb eigenen Angaben zufolge oft mehrmals täglich ausrücken.

"Drachenlord"-Prozess lockt Neugierige nach Nürnberg

20.08.2018, Bayern, EmTeilnehmer einer Hass-Demo gegen den Youtuber "Drachenlord". skirchen. Teilnehmer einer Hass-Demo gegen den Youtuber «Drachenlord». Trotz eines Versammlungsverbots waren mehrere Hundert Menschen zu der Demonstration gekommen. In
Teilnehmer einer Hass-Demo gegen den Youtuber "Drachenlord".
© dpa, David Oßwald, kne

Der Prozess lockte am Donnerstag viele Neugierige vor das Strafjustizzentrum in Nürnberg. Dorthin hatte das zuständige Amtsgericht Neustadt an der Aisch die Hauptverhandlung aus Sicherheitsgründen verlegt.

Es ist bereits das zweite Mal, dass sich der Videoblogger wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten muss. Im September 2019 wurde er wegen einer Pfefferspray-Attacke zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt.

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Youtuber sieht sich als Mobbingopfer

Viele der Kommentare unter den Videos des "Drachenlords" sind negativ. Andere User geben dem Bayern Ratschläge, damit sich die bizarre Situation entspannt. "Wenn du aufhörst bist du […] der Gewinner, weil dann viel weniger Leute zu dir kommen werden". Und eine andere Zuschauerin schreibt: "Nur du selbst kannst diesen Teufelskreis durchbrechen […]" Der Youtuber sieht sich laut eigener Aussage allerdings als Mobbingopfer und will seine Aktivitäten im Internet so lange fortsetzen, bis keine Besucher mehr kommen.

Psychologin: Er ist sehr verhaltensauffällig

Aber was ist der "Drachenlord" für ein Mensch, der ein ganzes Dorf in Unruhe versetzt? Die erfahrene Psychologin Dr. Katharina Ohana findet klare Worte zu dem bizarren Fall. "Prinzipiell ist er jemand, der schon sehr verhaltensauffällig ist. […] Da hat jemand offensichtlich ein psychologisches Problem." Ihrer Meinung nach könne der Youtuber mit seinen Mitmenschen nur noch auf eine negative Weise in Kontakt treten. "Das sind oft Menschen, die sehr einsam sind, die keine stabilen Beziehungen haben", erzählt sie uns im Interview.

Der "Drachenlord" suche den Fehler nicht bei sich und durch seine Aktivitäten im Internet schaukele sich die Situation immer mehr hoch. Damit im Dorf endlich wieder Ruhe einkehrt, müsse der "Drachenlord" "aus der Gemeinschaft rausgenommen und irgendwo zwangsversetzt werden." Unsere Anfrage per Mail lässt Deutschlands wohl umstrittenster Youtuber unbeantwortet. Und als wir Rainer W. bei unserem Dreh vor Ort um ein Interview bitten, muss einmal mehr die örtliche Polizei ausrücken. (mst/dpa)