Sie flehte ihn an: „Hör auf!“

Stuttgart: Diese Mutter wollte den Schwert-Mörder stoppen

2. August 2019 - 8:14 Uhr

28-Jähriger in Untersuchungshaft

Ansari I. wollte eigentlich einkaufen gehen, als es passierte. Vor ihrem Haus in Stuttgart erstach ein 28-Jähriger einen anderen Mann mit einem Schwert. Gegen den Mann wurde inzwischen Haftbefehl wegen Mordes erlassen, er hat die Tat eingeräumt. Ansari I. musste alles mitansehen und versuchte sogar, den Täter aufzuhalten. Im Video erzählt sie, was sie beobachtet hat.

Ansari I. musste alles mitansehen

Schwert-Mord in Stuttgart
Der 36-Jährige wurde mitten auf der Straße mit einem Schwert erstochen.
© dpa, Sven Kohls, bwe skm

"Bis jetzt zittert mein ganzer Körper", erzählt die Augenzeugin im RTL-Interview. Sie habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. "Bitte, hör auf! Hör auf, habe ich geschrien." Doch der Mann habe sie gar nicht beachtet. "Er hat mich gar nicht gesehen und bestimmt auch nicht gehört, denn er war beschäftigt mit Stechen."

Ansari I. kannte den Mann aus der Nachbarschaft vom Sehen. Er hatte sie im Supermarkt einmal angesprochen und gefragt, ob sie auch Arabisch spreche. Darum versuchte sie auch, den Täter zu stoppen und schrie ihn auf Arabisch an. Aber der Täter war nicht zu stoppen. "Er hat nicht aufgehört, bis das Opfer tot war", erzählt die Augenzeugin.

Augenzeugin zog ihren Sohn vom Tatort weg

Ihr Sohn habe sie auf der Straße schreien gehört und kam aus dem Haus gelaufen. Sie habe ihn dann zwar schnell vom Tatort weggezogen und wieder ins Haus geschickt. Trotzdem habe auch er das blutende Opfer auf der Straße liegen gesehen.

Auch die anderen Nachbarn in Stuttgart-Fasanenhof sind geschockt nach der Bluttat. Täter und Opfer kannten sich laut Polizei. Sie hatten zusammen in einer WG gewohnt. Im Dezember 2018 sei der 28-Jährige allerdings ausgezogen, berichtet der Ehemann von Ansari I.

Schwert-Angriff in Stuttgart
Das Opfer wollte sich in ein Auto einer unbeteiligten Frau retten, doch der Täter ließ ihm keine Chance. Ein Nachbar machte das Foto von der Tat. (Foto: Silvia Weiß)
© RTL, Silvia Weiß

Warum der Mann mit einem Schwert auf seinen ehemaligen Mitbewohner losging, ist unklar. Das Opfer wollte gerade zu Fuß weggehen, als der 28-Jährige angriff. Der 36-Jährige versuchte noch, sich in ein Auto, das zufälligerweise in der Nähe war, zu flüchten. Doch das schaffte er nicht mehr.

Täter und Opfer kannten sich

Nachdem der 36-Jährige zu Boden gegangen war, flüchtete der Täter mit dem Schwert in der Hand. Die Polizei fasste den Tatverdächtigen wenig später. Inzwischen hat er die Tat gestanden. Der Mann sei syrischer Staatsbürger und seit 2015 in Deutschland. Die Polizei geht davon aus, dass der 28-Jährige aus privaten Motiven zustach. "Es gibt keinerlei Erkenntnisse auf einen islamistischen oder politischen Hintergrund", erklärten die Ermittler in einer Pressemeldung.

"So ein Mensch macht das Bild der Syrer in Deutschland kaputt", meint Mohamad Markabi. Auch er ist aus Syrien geflüchtet und wohnt jetzt in der Nachbarschaft, in der sich die Tat ereignete. Es sei wirklich schlimm, was da passiert sei.