Hämorrhoiden, Verstopfung und das falsche Klopapier

Stuhlgang: Fünf Fehler beim Gang zur Toilette

Woman using toilet in morning
Woman using toilet in morning
© Getty Images/iStockphoto, gpointstudio

11. Mai 2021 - 22:44 Uhr

Was Sie über den Gang zur Toilette wissen sollten

Schwimmer oder Sinker? Hell, dunkel oder vielleicht sogar grün? Stuhlgang kann durch Farbe und Beschaffenheit so einiges verraten. Außerdem kann man einiges falsch machen bei der Darmentleerung. So zum Beispiel die Sitzposition: Oder wussten Sie, dass Rücken und Oberschenkel beim großen Geschäft bestenfalls einen Winkel von 35 Grad bilden sollten? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über den Gang zur Toilette wissen sollten.

Ratgeber zu Stuhlgang & Co.

"Darm mit Charme": Diesen unterhaltsamen Titel trägt der Spiegel-Bestseller von Giulia Enders. In ihrem Buch setzt sich die junge Ärztin mit Tabuthemen wie Stuhlgang, Kot & Co. sehr unterhaltsam auseinander und gibt gleichzeitig wertvolle Tipps. Auf Basis des Buches stellen wir Ihnen die fünf größten Fehler bei der Darmentleerung vor.

Fehler Nr. 1 beim Stuhlgang: Die falsche Sitzposition 

Unser Darmverschluss-Apparat ist nicht so gebaut, dass sich beim Sitzen auf der Toilette der Darm vollständig entleert. Das tut er nur in der Hocke, wie in freier Natur. In einem Experiment haben Wissenschaftler den Toilettengang von zwei Gruppen miteinander verglichen: Die eine Gruppe saß so, wie wir es gewohnt sind, auf der Toilette - und die andere Gruppe hockte beim Stuhlgang. Während die Toiletten-Sitzer rund 130 Sekunden brauchten, um ihr Geschäft zu erledigen, waren die Hocker nach 50 Sekunden fertig. Außerdem entleerte sich deren Darm vollständig, während die Toilettensitzer dieses Gefühl nicht hatten.

Daraus schlossen die Mediziner, dass unser Darmapparat nicht für das Sitzen auf der Toilette geschaffen ist. Es gibt nämlich einen Muskel, der in der Sitzhaltung und im Stehen den Darm so umgreift, dass ein Knick entsteht, der den Darm an der vollständigen Entleerung hindert. Das sieht ungefähr so aus wie ein Gartenschlauch, der kein oder nur wenig Wasser durchlässt, wenn er geknickt ist. Kein Wunder, denn die Hocke war ja auch Jahrhunderte lang unsere natürliche Position für den Stuhlgang. Deshalb gibt es unter anderem in Frankreich noch so viele "Hock-Toiletten" mit Löchern im Boden, die sogenannten Plumpsklos.

Enders Tipp lautet: Schieben Sie einen Hocker unter Ihre Füße und senken Sie den Oberkörper nach unten, wenn Sie "groß" müssen. Das kommt an das Hocken sehr nahe heran.

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Fehler Nr. 2 beim Stuhlgang: Pressen, um den Stuhlgang zu erzwingen

Wer beim Stuhlgang presst, der riskiert ein Hämorrhoiden-Leiden. Hämorrhoiden sind so etwas wie "Gefäßpolster", die dem Feinverschluss des Afters dienen. Die meisten sprechen von Hämorrhoiden, wenn diese vergrößert sind oder tief hängen, beziehungsweise heraustreten und daher Beschwerden wie Blutungen, Juckreiz oder Stuhlschmieren verursachen.

Darmkrankheiten wie Hämorrhoiden oder Verstopfung gibt es fast nur in Gesellschaften, in denen es Toilettenschüsseln gibt. Klar liegt es auch oft an der Ernährung, ob man unter Verstopfung leidet oder nicht, aber eben auch an der Sitzposition auf der Toilette. Hinzu kommt, dass sehr viele Menschen – ohne es zu bemerken – im Alltag ihren Bauch anspannen, besonders bei Stress. So wächst der Druck auf den Darm, den die Hämorrhoiden ausgleichen wollen. Daher treten sie hervor.

Das allgemein verbreitete Gerücht, zu schlaffes Gewebe ließe ein Hämorrhoiden-Leiden aufkommen, stimmt nicht. Es ist der Druckausgleich und vor allem auch das jahrelange Pressen, welches diese Beschwerden verursacht. Diese kann man übrigens mit Salben lindern, aber eine Heilung garantiert nur eine Operation.

Video: Was tun bei Hämorrhoiden?

Fehler Nr. 3 beim Stuhlgang: Verstopfungen sofort mit Medikamenten bekämpfen

Als Parameter für Verstopfungen gilt nicht nur die Häufigkeit des Stuhlgangs, sondern vor allem die Beschaffenheit des Kots. Als Faustformel gilt: Wer nur harten "Kügelchen-Kot" hat, der leidet an einer Verstopfung. Der Griff zu Abführmitteln liegt da sehr nahe. Doch Vorsicht! Dies kann den Darm träge machen und künftig noch mehr Verstopfungen provozieren. Mit diesen fünf Tipps lassen sich Verstopfungen beseitigen:

  1. Essen Sie Ballaststoffe! Ideal sind Flohsamen oder Pflaumen, die Wasser in den Darm holen und den Kot schon im Darm geschmeidiger machen.
  2. Trinken Sie viel! Wer wenig trinkt, dem entzieht der Darm die nötige Flüssigkeit aus der Nahrung. Die Folge: ein noch beschwerlicherer Stuhlgang.
  3. Den Drang niemals unterdrücken! Gehen Sie stets zur Toilette, wenn Sie müssen, verschieben Sie nichts auf später!
  4. Präbiotika und Probiotika helfen beim Stuhlgang! Lebende, gute Bakterien hauchen dem trägen Darm wieder Leben ein.
  5. Verdauungsspaziergänge nützen nichts, sie sind ein Mythos: Nur Extremsport führt zu messbar positiven Einflüssen auf den Darm.

Ansonsten gilt: Wenn Sie auf der Toilette sitzen, dann beugen Sie den Oberkörper weit nach vorne, bis zu den Oberschenkeln, und dann wieder zurück. Das sollten Sie so oft wie möglich wiederholen. Falls die Verstopfung ungewöhnlich lange dauert und keiner dieser Tipps hilft, sollten Sie den Arzt aufsuchen. Denn möglicherweise verbirgt sich dahinter Diabetes oder ein Schilddrüsenproblem.

Fehler Nr. 4 beim Stuhlgang: Das falsche Toilettenpapier

Die wenigsten Menschen machen sich Gedanken über das Toilettenpapier, das sie benutzen. Dabei kann sehr raues Toilettenpapier zu winzigen Hautverletzungen führen, die wiederum bakterielle und virale Infektionen begünstigen. Je weicher also das Toilettenpapier, desto unwahrscheinlicher auch das Infektionsrisiko.

Fehler Nr. 5 nach dem Stuhlgang: Das falsche Abwischen danach

Dieser Tipp ist für Frauen: Wischen Sie sich stets von vorne nach hinten ab. So können Sie verhindern, dass Darmbakterien in Scheide oder Harnröhre eindringen und Infektionen verursachen. Falsches Abwischen nach dem Stuhlgang ist oftmals der Grund für eine Blasenentzündung.

Stuhlgang: Was sagt die Farbe über meine Gesundheit aus?

Die Farbe des Stuhlgangs kann je nach dem, was wir gegessen haben, variieren. Doch manchmal weist die veränderte Farbe des Kots auf mögliche Krankheiten hin. Das sollten Sie wissen:

  • Mittelbrauner Stuhlgang: Kot ist in der Regel braun. Wenn er ein gesundes Mittelbraun hat und auch die Konsistenz weder zu hart noch zu weich ist, ist alles in Ordnung.
  • Dunkelbrauner Stuhlgang: Sehr dunkler Stuhlgang kann auf Blutungen im oberen Darmbereich hinweisen.
  • Rötlicher Stuhlgang: Rötlicher Stuhl kann auf Blut im Stuhl hinweisen. Eine hellrote Schicht auf dem Stuhl deutet auf frisches Blut hin. Aber Achtung: Auch Rote Beete kann dazu führen, dass der Stuhl eine rotbraune Farbe annimmt. In diesem Fall ist die ungewöhnliche Färbung kein Grund zur Sorge.
  • Dunkelgrüner Stuhlgang: Haben Sie vor Kurzem viel Salat oder Spinat zu sich genommen? Dann kann dies der Grund für einen grünlichen Stuhlgang sein. Sollten Sie allerdings außerdem unter starkem Durchfall leiden, kann das ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion sein. Mehr zu grünem Stuhlgang erfahren Sie im Video oben.
  • Weißer Stuhlgang: Sogenannter acholischer Stuhlgang kann auftreten, wenn die Stoffe, die aus der Gallenblase kommen, nicht zum Verdauungsbrei gelangen. Hierfür können Gallensteine oder Tumore verantwortlich sein.
  • Sehr heller Stuhlgang kann auch auf die Ernährung zurückzuführen sein und ist, wenn er nur kurzzeitig auftritt, in der Regel kein Grund zur Sorge.
  • Gelblicher/Ockerfarbener Stuhlgang: Wenn der Stuhlgang gelblich ist, kann das auf einen Fettstuhl hinweisen. Hier gelangen unverdaute Fette in den Stuhl. Das kann bei Nahrungsunverträglichkeiten und Problemen mit der Bauchspeicheldrüse auftreten.

Wichtig: Sollte der Stuhl über einen längeren Zeitraum eine ungewöhnliche Färbung annehmen, sollten Sie auf jeden Fall ein Arzt aufsuchen, um mögliche Krankheiten abklären zu lassen.

Video: Woher kommt gelber Stuhlgang?

Die Konsistenz des Stuhlgangs

Die perfekte Konsistenz von Stuhlgang ist eine wohlgeformte, nicht zu harte Wurst. Doch gibt es auch viele andere Konsistenzen, die darauf hinweisen können, dass Sie etwas an Ihrer Ernährung ändern sollten:

  • Rissig, hart und wurstförmig: Sollte der Kot so aussehen, ist das ein Zeichen dafür, dass zu wenig Flüssigkeit im Verdauungstrakt ist. Nehmen Sie mehr Wasser zu sich, dann sollte das Problem bald behoben sein.
  • Hart und klumpig: Auch hier sollten Sie mehr Flüssigkeit und Ballaststoffe zu sich nehmen. Obst, Gemüse und Nüsse können helfen die Verdauung wieder in Ordnung zu bringen.
  • Weich und klumpig: Weiche Köttel treten oft bei Menschen auf, die häufiger am Tag ihren Stuhlgang verrichten.
  • Weich und schmierig: Ist der Stuhl sehr klebrig und riecht streng, kann das auf Fette im Stuhl hinweisen. Hier können Galle, Bauchspeicheldrüse oder auch eine Glutenunverträglichkeit verantwortlich sein.
  • Weich und formlos/Durchfall: Sollte der Stuhl sehr weich oder gar flüssig sein, handelt es sich um leichten Durchfall. Der kann auftreten, wenn Sie etwas sehr Scharfes oder Falsches gegessen haben. Aber auch verschiedene Magen-Darm-Infekte können sich auf die Konsistenz des Stuhlgangs auswirken.

Video: Schleim im Stuhl - ist das normal?

Warum schwimmt der Stuhlgang?

Der Stuhl schwimmt in der Regel dann, wenn zu viele Gase im Kot enthalten sind. Das kann durch die Aufnahme bestimmter Lebensmittel passieren. In der Regel normalisiert sich der Stuhlgang von alleine wieder. Auch Menschen mit Laktoseintoleranz haben nach der Aufnahme von Laktose oft schwimmenden Stuhl.

Sollte Ihr Stuhl länger als zwei Wochen schwimmen, ist ein Besuch beim Arzt notwendig. Erkrankungen, die mit schwimmendem Stuhl einhergehen, sind zum Beispiel Glutenunverträglichkeit, Mukoviszidose oder das Kurzdarmsyndrom.

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