Ausscheidungsweg, über den der Harn nach außen abgegeben wird

Gesundheitslexikon: Urethra (Harnröhre)

17. Dezember 2019 - 9:42 Uhr

Urethra: Die Harnröhre ist bei Frau und Mann verschieden

Der Begriff Urethra stammt aus dem Griechischen und bezeichnet den Ausscheidungskanal, über welchen Harn aus der Blase nach außen geleitet wird. Alle Säugetiere, mit Ausnahme der Kloakentiere, verfügen über eine Harnröhre. Die männliche Harnröhre unterscheidet sich in Aufbau und Funktion von der weiblichen. Am häufigsten erkrankt die Harnröhre an einer Schleimhautentzündung (Urethritis). Außerdem werden viele Krankheitserreger über die Harnröhre weitergegeben. Moderner Intimschmuck kann ebenfalls dazu beitragen, dass Infektionen in oder Verletzungen an der Urethra entstehen.

Was ist die Urethra?

Die Urethra ist der letzte Abschnitt der ableitenden Harnwege, über welchen Urin aus dem Körper ausgeschieden wird. Die Harnröhre der männlichen Säugetiere erfüllt noch den Zweck des Weiterleitens des Spermas durch Samenerguss bei der Begattung. Daher wird die männliche Urethra auch Harn-Samen-Röhre genannt. Es ist jedoch nicht möglich, dass sowohl Urin als auch Sperma gleichzeitig befördert werden. Die Muskulatur des Harnblasenhalses verschließt bei der Ejakulation die Harnblase, sodass weder Sperma zurückfließen noch Urin austreten kann. Über die Harnröhre können außerdem leicht Geschlechtskrankheiten und Infektionen verbreitet werden.

Anatomie einer Harnröhre

Die zwischen drei und fünf Zentimeter lange Harnröhre der Frau beginnt am Blasenhals und endet am Scheidenvorhof unterhalb der Klitoris. Sie besteht aus verschiedenen Gewebe- und Muskelschichten, durch welche Nerven sowie Blutgefäße laufen. Die Struktur wird durch Längsfalten entlang der Urethra bestimmt. Die Harnröhre des Mannes kann zwischen 20 und sogar 25 Zentimeter lang sein. Die männliche Harnröhrenwand gleicht im Aufbau der weiblichen. Im Gegensatz dazu verläuft die männliche Urethra jedoch durch die Prostata, durch den Penis und endet schließlich an der Eichel. Sie ist insgesamt zwei Mal gekrümmt und verfügt im Penis über spezielle Drüsen, die den Säurehaushalt regulieren.

Funktion der Harnröhre

Die Urethra der Frau dient lediglich dazu, den Urin aus der Harnblase und aus dem Körper zu scheiden. Der Harnfluss wird von einem Geflecht aus Venen unterhalb der Schleimhaut kontrolliert. Es ähnelt einem Schwellkörper, der die Längsfalten der Urethra zusammenpresst und dadurch die Harnröhre nach dem Wasserlassen verschließt. Die männliche Harnröhre erfüllt die gleiche Funktion. Zusätzlich dient die Urethra des Mannes dazu, bei der Ejakulation den Samen zu befördern. Somit ist sie gleichzeitig Teil des Fortpflanzungsorgans. Die etwa erbsengroßen sogenannten Cowperdrüsen neutralisieren durch ihr schwach alkalisches Sekret, das vor der Ejakulation abgegeben wird, das saure Milieu in der Harnröhre.

Wichtigste Erkrankungen der Harnröhre

Bakterien, Pilze und Viren können leicht beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Da die weibliche Urethra viel kürzer ist als die männliche, ist sie häufiger anfällig für Infektionen. Die Harnröhre des Mannes ist aufgrund ihrer Länge dafür anfälliger für Harnsteine. Beim Mann kommen häufiger als bei der Frau Fehlbildungen der Harnröhre vor. Nach Verletzungen beim Geschlechtsverkehr oder nach Unfällen kann die Harnröhre ein- oder sogar abreißen. Auch Krebserkrankungen können an der Urethra vorkommen (Urethrakarzinom). Des Weiteren kann es zu Problemen beim Halten des Harns (Harninkontinenz) oder zu Schwierigkeiten bei der Harnentleerung (Harnverhalt) kommen. Im letzten Fall ist das Legen eines Katheters notwendig.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.