Impfkommission-Chef Mertens

Die Kimmich-Debatte ist "grenzenloser Unfug"

26. Oktober 2021 - 10:44 Uhr

Impf-Chef: Debatte ist überzogen!

Die Debatte um den nicht geimpften Nationalspieler und Bayern-Star Joshua Kimmich beschäftigt Deutschland. Nun hat sich erneut der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, in die Debatte eingeschaltet. Er hält die öffentliche, teils erhitzte, Diskussion über den Fußballer und seinen Impfstatus für überzogen.

Eine persönliche Entscheidung

 Gegen Corona und Grippe impfen 2021-10-06, Deutschland, Berlin - Bundespressekonferenz: Der Bundesgesundheitsminister, der Präsident des Robert Koch-Instituts und Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO, informieren
Thomas Mertens.
© imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Hier geht es zu unserem Pro und Contra rund um das Thema Kimmich.

"Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich, und die soll es auch bleiben! Die Debatte um Kimmich ist ein grenzenloser Unfug", sagte Mertens (71) der "Bild". Man würde niemals über private medizinische Entscheidungen von Kimmich diskutieren, "wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert", erklärte der Stiko-Vorsitzende. Das 18-köpfige Expertengremium spricht die Empfehlungen für die Anwendung von Impfstoffen in Deutschland aus.

Bayern-Profi Kimmich hatte am Samstag eingeräumt, bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein und damit für eine emotionale Debatte gesorgt. Er habe "persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht", hatte Kimmich erklärt. Er sage nicht kategorisch, dass er sich "überhaupt nicht impfen lasse". Es sei "auch sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse", betonte Kimmich.

Lesen Sie hier: Warum die Impf-Debatte so eskaliert

Nebenwirkungen nur kurze Zeit nach der Impfung

Die Bedenken Kimmichs hatte Mertens zurückgewiesen und unter Verweis auf Zulassungsstudien erklärt, dass es bisher nur "zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind."

In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien. "Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar", hatte Mertens gesagt.

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Hoeneß schießt gegen Medien

Auch Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hält die Kimmich-Debatte für übertrieben. Am Rande einer Premierenfeier in München äußerte sich der 69-Jährige zu der Rolle der Medien. Die sieht er als Triebfeder der Impf-Debatte. "Sie sind doch verantwortlich für den Tsunami", sagte Hoeneß, der Kimmichs Entscheidung nicht weiter kommentieren wollte. Zwar habe er eine Meinung dazu, doch "der einzige, mit dem ich in diesem Zusammenhang rede, ist der Joshua selbst". (msc/dpa)