Insasse verhöhnt die Justiz in JVA Köln

Skandal-Video! Häftling prahlt mit Waffe und Munition in seiner Zelle

09. Dezember 2020 - 19:21 Uhr

Video aus JVA-Köln sorgt für Skandal

Wie kann das sein? Ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Köln dreht in seiner Einzelzelle ein Video und zeigt, wie er dort eine Schusswaffe, Munition, Geld und weißes Pulver aufbewahrt. Dann ist er noch so dreist, das Video unter dem Namen "Pulverteufel" in den sozialen Medien zu veröffentlichen. Ein Justiz-Skandal, der viele Fragen aufwirft.

Häftling soll Schusswaffe in JVA Köln versteckt haben

Bei dem Häftling soll es sich laut dem "Kölner Stadt-Anzeiger" um Markus T. handeln. Der 50-Jährige befindet sich derzeit in Sicherungshaft. Bekanntheit erlangte der Elektriker im April 2018, als er am Kölner Landgericht einen Großeinsatz der Polizei auslöste. Damals hatte er eine undefinierte Substanz mit ins Gerichtsgebäude gebracht, woraufhin er von einigen Medien als "Pulverteufel" bezeichnet wurde, heißt es in dem Bericht.

Unter einem Profil mit gleichem Namen taucht am Sonntag ein dreiminütiges Video aus der JVA Köln mit dem Titel "Waffen, Munition, Drogen und Geld in der JVA Köln" auf Twitter auf. "Wichtig ist immer, dass man genügend Kohle hat, sonst ist das nicht ganz so hübsch hier", sagt der Häftling mit leiser Stimme gleich zu Beginn der Aufnahme. Dann macht er einen Rundgang durch seine Einzelzelle. Er zeigt das Bett, die verschlossene Tür, das Waschbecken und die Toilette. Dann geht er zu einem Tisch, auf dem mehrere Geldscheine zu sehen sind, kurz darauf dreht er die Kamera zu einem Holzschrank, holt eine schwarze Schusswaffen heraus und versteckt sie unter ein Handtuch, auch Munition ist zu sehen. "Die Waffe ist versteckt, da sind die ein bisschen allergisch", sagt er und ergänzt: "Mit Kohle kann man viel erreichen." Wen er genau meint, sagt er nicht.

Auf dem Tisch befindet sich außerdem eine Linie aus weißem Pulver, der Häftling spricht von "Näschen ziehen". Am Ende des Videos bedeckt er die Schusswaffen und die Geldscheine mit einem Handtuch.

Anwalt fordert: Justiz-Skandal muss aufgeklärt werden

Markus T. sitzt seit Juli in der JVA im Kölner Stadtteil Ossendorf. Gegen ihn laufen derzeit mehrere Verfahren, unter anderem wegen Vortäuschung einer Straftat. Zuletzt sei er wegen Stalkings zu rund zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Am Mittwoch stand er erneut vor Gericht. RTL-Reporter Valerio Magno hat dort mit seinem Verteidiger Uwe Friedrichs über das Video, auf dem sein Mandat zu sehen sein soll, gesprochen. "Der Angeklagte ist ein sehr sehr schwieriger Mensch", sagt der Anwalt, "er provoziert gerne." T. habe sehr viele Konflikte mit der Polizei und Staatsanwaltschaft.

"Das Video sehe ich als eine große Provokation", erklärt er. Eine Straftat habe er wohl nicht geplant, da er diese vermutlich durchgeführt und nicht vorher angekündigt hätte. Er habe vermutlich durch seine langjährige Hafterfahrung Kontakte zur kriminelle Szene und sich so "entsprechende Materialien" besorgen können. Außerdem habe er Mängel in der Justiz aufdecken und diese bloßstellen wollen.

So etwas dürfe einfach nicht passieren, sagt Friedrichs. "Solche Mängel müssen schonungslos aufgedeckt werden." Der Anwalt vermutet, dass mehrere Menschen daran beteiligt gewesen sein müssen, vermutlich auch Beamte. "Dieser Ort muss sicher und geschützt sein", sagt er. Es sei ein "Skandal".

Der Angeklagte habe sich zum Video bislang nicht äußern wollen. Auch die Waffe sein nicht gefunden worden. Ihm droht nun ein Verfahren wegen Waffenbesitzes und Gefängnismeuterei, so der Verteidiger. Es sei zu vermuten, dass das Video nicht aktuell sei.