Experten mahnen zur Vorsicht

Lockerungen zu Pfingsten: Ist das zu riskant?

Bald geht es wieder los! Restaurants und Cafés stehen in den Startlöchern und auch die Besucher sind bereit.
Bald geht es wieder los! Restaurants und Cafés stehen in den Startlöchern und auch die Besucher sind bereit.
© dpa, Bodo Schackow, fdt

22. Mai 2021 - 13:16 Uhr

Lockerungen sorgen für ein vielversprechendes Pfingsten: Aber wie riskant ist das?

Seit Anfang letzten Jahres sehen besondere Anlässe und Feiertage anders aus: Weihnachten und Ostern feierten wir im kleinen Kreis, Hochzeiten wurden teilweise über Zoom und Co. übertragen. Und auch große Geburtstagspartys mussten ausfallen. All das ist der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown geschuldet.

Wie sieht es jetzt zu Pfingsten aus?

Pünktlich zu Pfingsten stehen die Zeichen gut: Fallzahlen und Inzidenzen sind deutlich gesunken und viele Menschen sind mittlerweile geimpft. In einigen deutschen Städten und Kreisen wurden die Corona-Maßnahmen gelockert, teilweise sogar komplett aufgehoben.

In Berlin geht es nach monatelangem Warten endlich wieder los: Straßencafés werden geöffnet, in Biergärten darf wieder das Bier fließen. Bei den bevorstehenden Feiertagen ist es erstmals nicht mehr unmöglich, einige Familienmitglieder endlich mal wieder zu sehen. Sogar Ausflüge und Kurztrips, ja sogar Urlaube sind wieder möglich!

Aber Moment: Ist das auch alles richtig so? Sind die Ideen gut oder eigentlich viel zu riskant? Experten mahnen zur Vorsicht.

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Droht uns der Jo-Jo-Effekt?

Aktuell schwanken die Infektionszahlen, die Inzidenzen sind von Region zu Region unterschiedlich. Dennoch lässt sich deutlich erkennen, dass die Zahlen immer weiter sinken. Auch die Anzahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen und in den Krankenhäusern geht weiterhin nach unten.

Wenn die Menschen die Pandemie jetzt allerdings nicht mehr ernst nehmen, könnten die Zahlen wieder hochschnellen, warnt das Robert Koch-Institut (RKI). Denn: Auch wenn mittlerweile viele Deutsche geimpft sind, gibt es immer noch einen hohen Anteil an Ungeimpften, die es weiterhin zu schützen gilt. Voreilige Öffnungsschritte könnten daher einen Rückfall und eine Art Jo-Jo-Effekt verursachen.

Lockerungen besser Stück für Stück

Außerdem sollte man zukünftig vorsichtig sein, da die Corona-Mutanten, wie zum Beispiel die indische Varianten mit einem sehr hohen Infektionsrisiko, weiterhin präsent sind. Eine vierte Welle könnte also schneller im Anmarsch sein, als die Gastronomen ihre Tische vor ihr Restaurant stellen können. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte auf dpa-Anfrage, dass es gut sei, dass die Maßnahmen nur nach und nach gelockert werden.

Physikerin Viola Priesemann stimmte zu: "Wir müssen also genau überlegen, welche Freiheiten wir schon jetzt nehmen." Obwohl auch sie für den Sommer guter Dinge sei, bleibe aus wissenschaftlicher Sicht trotzdem ein gewisses Risiko bestehen.

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Jens Spahn mahnt zur Vorsicht an Pfingsten

"Genießen wir die Feiertage, aber bleiben wir dabei vorsichtig!" Diesen Appell hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den deutschen Bürgern am Freitag in Berlin mitgegeben. Trotz sinkender Corona-Zahlen ist Spahn wichtig, dass an Pfingsten nicht alle Anti-Corona-Maßnahmen über Bord geworfen werden: Es gelte, sich vor allem draußen zu treffen und sich regelmäßig testen zu lassen – auch wenn die Infektionszahlen weiter runtergehen.

Damit es aber auch genau dabei bleibt, sollten die Bundesbürger weiter aufpassen, "dann haben wir Aussicht auf einen guten Sommer", so Spahn weiter. "Es geht jetzt um Wochen, nicht um Monate."

Lese-Tipp: Spahn freut sich über Corona-Zahlen: "Die dritte Welle ist gebrochen"

RKI: „Die Gefahr ist noch nicht gebannt“

Das RKI ist trotz der sinkenden Pandemie-Fallzahlen ebenfalls skeptisch. "Die Gefahr ist noch nicht gebannt", sagte Präsident Lothar Wieler ebenfalls am Freitag.

Der bevorstehende Sommer sollte dafür genutzt werden, die Virusausbreitung weiterhin einzudämmen, "damit wir gut durch Herbst und Winter kommen." Damit schließt das RKI auch die Pfingstfeiertage ein, an denen die ersten Lockerungen und Öffnungen winken. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen", so Wieler.

Dennoch hatte er auch positive Nachrichten: Die Inzidenzen in allen Bundesländern und Altersgruppen gingen zurück. "Glücklicherweise im Moment deutlich auch bei den Jüngeren", sagte Wieler. Es würden weniger Ausbrüche in Schulen und Kitas gemeldet. Diese seien insgesamt auch kleiner. Zudem gebe es einen Rückgang der Patientenzahlen in Kliniken. (dpa/vdü)

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