Mit dem Navi durch die LungeLungenkrebs-Früherkennung: Robotertechnik macht Thoraxzentrum Ruhrgebiet zum europaweiten Vorreiter
Ab dem 01. April 2026 gibt es bundesweit ein Modellprogramm zur Früherkennung von Lungenkrebs: Starke Raucher ab 55 Jahren können sich künftig regelmäßig mit einer speziellen Computertomographie untersuchen lassen. Ziel ist, Tumore in der Lunge früher zu erkennen – und dabei unnötige Eingriffe zu vermeiden. Im Thoraxzentrum Ruhrgebiet am Evangelischen Krankenhaus Herne-Eickel steht seit Kurzem ein Gerät im Mittelpunkt, das dieses Ziel mit modernster Technik unterstützt: der Roboter „Ion“.
Präzise Navigation durch das Lungenlabyrinth
„Ion“ stammt von einem US-Hersteller und funktioniert wie ein Navigationssystem für die Lunge. Er führt eine hauchdünne Kamera- und Biopsiesonde millimetergenau an verdächtige Stellen – auch in hinterste Lungensegmente, die bisher oft unerreichbar waren. „Man kann das System vergleichen mit einem GPS im Auto“, erklärt Prof. Dr. Santiago Ewig, Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde. „Das CT zeigt nicht nur den Tumor, sondern bereitet auch den Weg dorthin auf. So wissen wir genau, wo wir abbiegen und an welcher Stelle wir das Ziel sicher erreichen.“
Früher Klarheit, weniger Risiko
Für viele Patienten bedeutet das ein Ende der belastenden Ungewissheit. So auch für die 67-jährige Anke Laake. Bei ihr war eine Auffälligkeit im CT-Bild entdeckt worden, die sich zunächst nicht eindeutig abklären ließ. Erst der Einsatz des neuen Roboters ermöglichte eine gezielte Gewebeentnahme. Das Ergebnis: Der Befund war bösartig – aber der Krebs wurde in einem frühen Stadium festgestellt, noch bevor er gestreut hatte. „Ich hatte mich innerlich schon darauf vorbereitet“, sagt Laake ruhig. „Wichtig ist jetzt, dass man etwas tun kann.“ Genau darum geht es dem Herner Ärzteteam: um frühe, präzise Diagnosen. Bislang musste bei unklaren CT-Befunden häufig operiert werden, ohne sicher zu wissen, ob tatsächlich Krebs vorlag. „Das Risiko solcher Eingriffe ist erheblich“, betont Ewig. Mit dem robotischen System lasse sich diese Unsicherheit deutlich verringern.
Moderne Technik, bessere Heilungschancen
Auch Dr. Melanie Oggiano, leitende Oberärztin der Thoraxchirurgie, sieht darin einen Quantensprung: „Wir erreichen mit ‚Ion‘ eine deutlich höhere Treffsicherheit – und können Patienten oft schon im Frühstadium therapieren, wenn sie noch operabel sind.“ Für die anschließende minimalinvasive Tumoroperation steht im Herner Thoraxzentrum schon ein weiterer High-Tech-Assistent bereit: der Operationsroboter „Da Vinci“. Mit der neuen Screening-Regelung und der robotergestützten Diagnostik will Herne zu einem bundesweiten Vorreiter in der Lungenkrebsfrüherkennung werden. Gerade für langjährige Raucher wie Anke Laake könnte das bedeuten: mehr Sicherheit, weniger Ungewissheit – und im besten Fall die rechtzeitige Heilung.

































