Onkel ringt bei Trauerzug für ermordeten Jungen in Sinsheim um Worte

Bewegender Marsch für Sinan (✝13): "Der Familie wurde das Herz rausgerissen"

04. März 2021 - 8:47 Uhr

Sinans Onkel versucht, Unbeschreibliches zu beschreiben

Sinan ist tot. Der kleine Junge aus dem Sinsheimer Stadtteil Eschelbach wurde erstochen, gerade einmal 13 Jahre alt war er. Wenn es für Außenstehende schon nahezu unbegreiflich erscheint, wie schwer muss es erst für seine Familie sein? Sinans Onkel Idris Toptik versucht zu beschreiben, was eigentlich nicht in Worte zu fassen ist.

Sinan aus Sinsheim "war im Inneren noch ein Baby“

Sinans Onkel Idris Toptik
Sinans Onkel Idris Toptik

Wir sprechen mit ihm am Rande des bewegenden Trauerzuges in Sinsheim. Etwa 700 Menschen sind gekommen. Nachbarn, Freunde, Schulkinder. Viele halten ein Foto des Jungen in der Hand. Fast alle weinen. Sinan war der Sonnenschein der Familie, sagt sein Onkel. "Super fröhlich, er war höflich und aufmerksam. Er war im Inneren noch ein Baby", zeichnet er das Bild eines Jungen, den nicht nur seine Familie einfach gern haben musste.

Während er über seinen Neffen spricht, sagt Idris Toptik auch: "In Worte kann man das nicht fassen." Er versucht es trotzdem: "Der Familie wurde das Herz rausgerissen, der Atem wurde genommen, das Augenlicht wurde genommen." Alle Empfindungen seien ausgeschaltet, es bleibe nur "einfach nur Schmerz."

Sinans Onkel: "Er würde sich freuen, dass so viele gekommen sind"

MarschEtwa 700 Menschen nahmen an dem Marsch in Sinsheim teil.
Etwa 700 Menschen nahmen an dem Marsch in Sinsheim teil.

Kein Elternpaar auf der Welt sollte das eigene Kind zu Grabe tragen müssen, sagt er weiter. Schon gar nicht, wenn der Grund dafür ein Verbrechen ist. "Diese Tat war unnötig." Sinan wurde wohl aus Eifersucht erstochen. Von einem Jungen, der selbst noch Kind ist. In die Falle gelockt, von einem Mädchen, auch sie noch minderjährig.

Wie die Familie das Geschehen verarbeiten soll, vermag Idris Toptik nicht zu sagen. Es gebe keinerlei Beschreibung oder Rezept dafür. Er selbst nimmt sich vor: "Wir müssen den Eltern und besonders den Geschwistern beistehen. Immer ein, besser zwei Ohren für sie haben, immer wachsam sein für ihren Schmerz."

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Dann blickt der Bruder von Sinans Vater auf die Trauernden, die sich versammelt haben. "So wie wir uns freuen, dass so viele Menschen heute gekommen sind, so würde Sinan sich auch freuen", sagt er um Fassung ringend. "Sie sind gekommen, um zu sehen welche Wegstrecke er gegangen, ist,ohne überhaupt zu wissen, wohin er geht", meint Idris Toptik leise und weint.