Wie (un)gesund ist das? Dr. Specht klärt auf

Alles wird vorgekaut: Mutter füttert Baby wie ein Vögelchen

06. August 2021 - 13:23 Uhr

Erst abbeißen, dann ausspucken, dann in Babys Mund

Ob das wohl gesund ist? Die 21-jährige Alice Bender aus dem US-Staat Arizona sorgt mit einem TikTok-Video für Aufsehen, in dem sie zeigt, mit welcher ungewöhnlichen Methode sie ihr Baby füttert. Das macht sie nämlich, indem sie ihrem kleinen Jungen vorgekaute Lebensmittel gibt. In einem Video zeigt sie, wie sie kleine Stücke von einem Apfel abbeißt und dann vor ihrem Sohn wieder ausspuckt. Für Baby Fern scheint das ganz normal zu sein. Er schiebt sich die Apfelstückchen genüsslich in den Mund.

Die ungewöhnlichen Bilder der Vogelfütterung fürs Baby sehen Sie im Video.

Beikost vorkauen: Wie (un)gesund ist das? Das sagt Dr. Specht

"Warum schneidest du die Stücke nicht einfach ab? Mit einem Messer?", fragt ein Tiktok-Nutzer die US-Mutter in den Kommentaren des Videos und spricht damit aus, was sich sicherlich viele fragen, die die Vögelchen-Fütterung fürs Baby eher befremdlich finden. Und mal abgesehen von der Zweckmäßigkeit dieser Methode: Ist sowas überhaupt gesund – oder vielleicht doch eher unhygienisch?

Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht gibt zu bedenken, dass unser Ekel vor solchen Bildern kulturell angelernt ist. In einigen Regionen der Welt – zum Beispiel in Teilen Papua-Neuguineas – sei das Vorkauen der Nahrung für Kinder bis heute ganz normale Praxis. "Das liegt vor allem daran, dass es keine Babybreis in diesen Ländern gibt und die entsprechende Nahrung – zum Beispiel Obst – irgendwie zerkleinert werden muss." Aus kultureller Tradition werde dafür eben bis heute noch der Mund statt anderer Werkzeuge genutzt. "Das hat auch den Vorteil, dass man durch den Speichel schon eine gewisse Andauung hat."

Eine medizinische Notwendigkeit des Vorkauens der Beikost sieht Dr. Specht hierzulande jedoch nicht. "Fast jeder von uns hat eine Küche und kann mit allen möglichen Werkzeugen Essen unter hygienischen Bedingungen zerkleinern, selbst wenn man keinen fertigen Babybrei verfüttern will." Zudem könnten durch den Speichel der Mutter Bakterien – wie etwa Kariesbakterien – an die Kleinen weitergegeben werden, gibt Dr. Specht zu bedenken. (jdr/dhe)