Depressionen können die Folge sein

Schulverweigerung: Oft ist Schulangst die Ursache

14. Februar 2020 - 15:06 Uhr

Schulangst kann viele Gesichter haben

Zwischen 500 und 3.000 Kinder in Deutschland bleiben dem Unterricht regelmäßig fern. Die Ursache: Schulangst. Denn Schwänzen ist nicht gleich Schwänzen: Während es Kinder gibt, die sich aus Unlust, Langeweile oder auch aufgrund einer Störung des Sozialverhaltens weigern, zur Schule zu gehen, gibt es auch Schüler, die durch den Schulbesuch regelrechte Angststörungen entwickeln. Etwa 3,5 Prozent der rund 11 Millionen Schulkinder in Deutschland sind laut DAK-Kinder- und Jugendreport 2018 von Schulangst und Schulphobie betroffen - Jungen etwas häufiger als Mädchen. Doch wie können Eltern "normale Schulverweigerung" von einer Schulangst unterscheiden? Und wie können sie ihren Kindern helfen?

Im Video erfahren Sie, an welchen Symptomen Sie eine Schulangst erkennen und warum für viele Kinder laut Experteneinschätzung eine Homeschooling-Möglichkeit sinnvoll wäre.

Was ist eine Schulangst?

Kopfschmerzen, Übelkeit, Aggressivität, aber auch Depressionen - Schulangst hat viele Gesichter. Die Angst, in die Schule zu gehen, entsteht häufig aufgrund von negativen Erfahrungen, die Kinder in der Schule gemacht haben: Mobbing (oder Cyber-Mobbing), Probleme mit den Lehrern, Notendruck oder Prüfungsstress können solche Ängste hervorrufen. Betroffene Kinder reagieren mit großem seelischen Stress auf die Herausforderungen des Schulalltags. Die Folge: Die Schüler vermeiden es, in die Schule zu gehen. 

Dadurch entwickelt sich häufig ein Teufelskreis: Je häufiger das Kind die Schule meidet, desto schwieriger wird es, den Anschluss an Lernstoff und Schulgemeinschaft zu finden. Das Kind bekommt noch mehr Angst vor der Schule und bleibt dem Unterricht noch häufiger fern.

Schulverweigerung kann teuer werden

Aber auch viele Eltern haben Schwierigkeiten mit einem Bildungssystem, das den Schulbesuch zwingend vorgibt. Für sie ist Homeschooling - das bedeutet, die Kinder zu Hause zu unterrichten- der richtige Weg, Doch dieser Kampf für die eigene Bildungsüberzeugung kann teuer werden.

Denn: In Deutschland müssen Kinder zur Schule gehen. Seit 1919 gilt in Deutschland die allgemeine Schulpflicht. Das bedeutet, Kinder und Heranwachsende sind dazu verpflichtet, bis zu einem bestimmten Alter die Schule zu besuchen. Tun sie das nicht, drohen Bußgelder. In einigen Bundesländern wie in Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland können die Schüler sogar strafrechtlich verfolgt werden.

Was kann ich tun, wenn mein Kind den Schulbesuch verweigert?

Leidet Ihr Kind unter Schulangst, ist es in erster Linie wichtig, Ihr Kind und seine Ängste ernst zu nehmen. Wichtig ist es dabei, herausfinden, woher die Angst rührt. Hängt sie direkt mit der Schule zusammen? Fühlt sich ein Kind dort überfordert, nicht anerkannt, von Mitschülern oder Lehrern nicht geschätzt? Nur wenn Sie mehr über die Ursachen für die Schulangst Ihres Kindes wissen, können Sie gezielt helfen. Körperliche Beschwerden Ihres Kindes sollten Sie zwar ernst nehmen, dennoch sollten Sie als Eltern dem Wunsch des Kindes, dem Unterricht fern zu bleiben, nicht zu schnell nachkommen. Stattdessen ist es wichtig, das Kind zum Schulbesuch zu motivieren.

Häufig ist dieser emotionale Spagat für Sie allein nur schwer leistbar. Deshalb sollten betroffene Eltern möglichst schnell Experten mit ins Boot holen. Hilfreich ist es, wenn das Kind einen Lehrer hat, dem es vertraut und an den es sich mit seinen Problemen wenden kann. Auch Gespräche mit einem Schulpsychologen sind sinnvoll. Zusätzliche Unterstützung bieten Beratungsstellen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten an.