Psychologin über die fatalen Folgen

Grausamer TikTok-Trend: Eltern sperren Kinder mit Horrorvideo ein - und filmen sie!

Eltern sperren Kinder mit Horrorvideo ein - und filmen sie! Gruseltrend auf TikTok!
01:51 min
Gruseltrend auf TikTok!
Eltern sperren Kinder mit Horrorvideo ein - und filmen sie!

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von Kerstin Ligendza, Jessica Bürger und Niklas Ullrich

Den nächsten Trend auf der Plattform TikTok lostreten und dabei möglichst viele Nachahmerinnen und Nachahmer finden – viele Menschen träumen vom großen Social-Media-Erfolg. Dabei scheinen immer weniger User auf dem Schirm zu haben, dass hinter diesen vermeintlichen Trends große Gefahren lauern können.

Mutproben können tödlich enden

Ein erschreckendes Beispiel dafür ist der 12-jährige Archie Battersbee aus England, der sich wohl bei einer TikTok-Challenge strangulierte und schließlich an den dramatischen Folgen starb.

Aktuell sorgt ein neuer Trend für Aufregung im Social-Media-Kosmos, wobei einmal mehr mit Kindern ein mieses Spiel gespielt wird. Hintergrund: Eltern und Geschwister oder sonstige Familienangehörige filmen sich dabei, wie sie den Kleinen ein gruseliges Video mit einer noch gruseligeren Lache anmachen, daraufhin schnell aus dem Zimmer rennen, das Licht ausmachen und die Tür verschließen.

Eltern machen sich über Kinder lustig

Zurück bleibt ein verängstigtes Kind, das nicht weiß, wie ihm geschieht. Die Panik wächst verständlicherweise, weil die Bezugsperson genau in jenem Moment verschwindet, in dem das kleine Mädchen oder der kleine Junge eigentlich den größten Halt braucht.

Schauen Sie oben das Video und bilden Sie sich selbst eine Meinung. Aber Achtung: Nicht zur Nachahmung geeignet!

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Psychologin warnt vor psychischen Schäden

Für RTL schätzt Psychologin Rüya Kocalevent die Videos ein und analysiert, welche Auswirkungen solche Aktionen auf Kinder haben können.

Rüya Kocalevent: Der Trend irritiert mich. Normalerweise haben Eltern eine Schutzfunktion und in gewisser Weise Angst, dass ihre Kinder in den sozialen Medien gemobbt werden, scheinbar treten sie jetzt aber selbst in diese Mobber-Rolle ein. Aber auch wenn es inszeniert und gar nicht echt ist, muss man bei solchen Inszenierungen aufpassen, dass das nicht andere inspiriert, das Kind wirklich zu beschämen oder einem starken Gefühl von Entsetzen auszusetzen.

RTL: Wie schätzen Sie das Verhalten der Eltern ein?

Rüya Kocalevent: Geht man harmlos an die Sache, wird hier vielleicht das Spiel- und Spaßbedürfnis der Eltern befriedigt. Aber auch das finde ich schwierig, denn dann würden ja die Bedürfnisse der Eltern über den kindlichen Bedürfnissen nach Sicherheit, Schutz, Orientierung und Kontrolle stehen. Es kann natürlich auch sein, dass es ein Bedürfnis nach Anerkennung ist, bis hin zum Geschäftsmodell. Es gibt ja auch die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen.

Psychologin Rüya Kocalevent
Im Gespräch mit RTL formuliert Psychologin Rüya Kocalevent ihre klaren Ansichten zu dem neuen TikTok-Trend.
RTL

Ähnlich einer posttraumatischen Belastungsstörung

RTL: Wie gefährlich ist so ein Erlebnis für Kinder?

Rüya Kocalevent: Es ist gefährlich in dem Sinne, als dass das Bindungsverhältnis gestört werden kann - von einem sicheren Bindungsverhalten zu den Eltern möglicherweise zu einem unsicheren. Das Kind kann sich durch Symptome, die auch einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnlich sind, belastet fühlen. Das kann zu Albträumen führen, Konzentrationsschwierigkeiten und zu emotionaler Taubheit.

Für Geld gehen Menschen hohes Risiko ein

RTL: Was würden Sie den Familien raten, die trotzdem unbedingt bei diesem Trend mitmachen wollen?

Rüya Kocalevent: Mein Tipp für die Eltern wäre: Holt euch das Einverständnis der Kinder. Inszeniert es lieber, also entscheidet euch gemeinsam dafür, damit nicht solche psychischen Schäden davongetragen werden.

Generell gilt: Alle Aktivitäten im Internet sollten kritisch hinterfragt werden und dahingehend beurteilt werden, welche Konsequenzen sie nach sich ziehen könnten.