Maschinen abgestellt - Eltern in tiefer Trauer

Archie Battersbee (†12) ist tot: „Es ist absolut barbarisch“

Archies Mutter Hollie: "Er hat bis zum Ende gekämpft" 12-Jähriger stirbt nach Mutprobe im Internet
01:32 min
12-Jähriger stirbt nach Mutprobe im Internet
Archies Mutter Hollie: "Er hat bis zum Ende gekämpft"

30 weitere Videos

von Madeline Jäger, Vera Dünnwald und Katharina Delling

Archie Battersbee ist tot (†12). Die Ärzte des Jungen beendeten am 6. August 2022 um 11 Uhr deutscher Zeit die lebenserhaltenden Maßnahmen. Seine Eltern hatten mehrfach vor verschiedenen Gerichten versucht, dieses Szenario zu verhindern. Jetzt bereiten sie die Beisetzung ihres geliebten Kindes vor. Der hochemotionale Fall bewegte und beschäftigte Archies Familie, Gerichte und die Öffentlichkeit über Wochen hinweg.

Lese-Tipp: Wie Ärzte die komplexe Diagnose stellen: Hirntod: Was bedeutet das eigentlich - und kann man sich davon erholen?

Mutter gibt vor Krankenhaus Statement ab: „Wir hoffen, dass keine Familie das durchmachen muss“

Wie das Online-Nachrichtenportal „sky news“ am Samstagnachmittag (6. August 2022) aktuell berichtet, sind die Medikamentengabe abgesetzt und die Maschinen abgestellt worden und Archie schließlich verstorben. Die Mutter Hollie Dance sagte laut dem britischen „Mirror“ am Samstagnachmittag vor dem Krankenhaus im Osten Londons, dass Archie „bis zum Schluss gekämpft“ habe und sie „so stolz darauf“ sei, „seine Mutter zu sein“. Nach Angaben seiner Familie wurden Archies Medikamente um 10 Uhr (Ortszeit) abgesetzt, ehe zwei Stunden später die Beatmungsgeräte entfernt wurden. Nach Aussage seiner Mutter sei er am Samstag um 12:15 Uhr (Ortszeit) gestorben.

„Seine Werte blieben bis zwei Stunden später stabil“, sagte seine Schwägerin Ella Carter der Presse. „Es ist absolut nichts Würdevolles, einem Familienmitglied oder einem Kind beim Ersticken zuzusehen. Wir hoffen, dass keine Familie das durchmachen muss, was wir durchgemacht haben. Es ist barbarisch.“ Kerzen, Nachrichten und ein Teddy für Archie wurden bereits vor Krankenhaus abgelegt.

Hollie Dance (zweite von links), umgeben von Familie und Freunden, spricht vor dem Royal London Hospital in Whitechapel, East London, zu den Medien nach dem Tod ihres 12-jährigen Sohnes Archie Battersbee.
Hollie Dance (zweite von links), umgeben von Familie und Freunden, spricht vor dem Royal London Hospital in Whitechapel, East London, zu den Medien nach dem Tod ihres 12-jährigen Sohnes Archie Battersbee.
Aaron Chown, picture alliance, dpa

Ihre Meinung ist uns wichtig: Haben Sie bis zuletzt auf ein Wunder gehofft?

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Archies Familie zog immer wieder vor Gericht - erfolglos

Für die Ärzte des Royal London Hospitals, die Archie Battersbee behandelt haben, war schon lange klar: Weitere Behandlungen, die den Jungen künstlich am Leben gelassen hätten, wären nicht in seinem Interesse gewesen.

Eigentlich sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen am 1. August 2022 eingestellt werden. Die Eltern des 12-Jährigen, Paul Battersbee und Hollie Dance, hielten diese Entscheidung jedoch für verfrüht und kämpften weiter um ihren Sohn. Nach Interventionen der Regierung und der UNO fand eine weitere Anhörung vor dem Berufungsgericht statt. Doch auch das Berufungsgericht fällte die Entscheidung, dass die Maschinen abgestellt werden dürfen.

Der Familienanwalt der Battersbees durfte sich noch einmal an das höchste Gericht, den Supreme Court, wenden. Doch auch das Oberste Britische Gericht in London hatte am Dienstag (2. August 2022) einen Antrag auf Berufung abgelehnt, mit dem die Eltern die Fortführung lebenserhaltender Maßnahmen erwirken wollten.

Die Geräte, die den Jungen am Leben hielten, sollten dann am Mittwoch, den 3. August, abgestellt werden. Doch wenige Stunden vor der geplanten Abschaltung reichten die Anwälte der Familie einen Antrag beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein, wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete. Doch auch mit diesem Antrag hatte die Familie keinen Erfolg.

Zu guter Letzt hatten die Eltern beim High Court darum gebeten, ihren unheilbar kranken Jungen zum Sterben in ein Hospiz bringen zu lassen. Die Anhörung beim High Court am Donnerstagmorgen sollte klären, ob der Familie erlaubt wird, Archie in ein Hospiz zu bringen. Doch auch dieser Wunsch der Familie wurde abgelehnt. Die Begründung: Archie sei nicht transportfähig. Auch dazu gingen Mutter Hollie Dance und Vater Paul Battersbee in Berufung – erfolglos.

Am späten Freitagabend (5. August 2022) gab die Organisation „Christian Concern“, die die Familie vertritt, auf RTL-Anfrage das wohl Unvermeidliche bekannt. Es seien alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft und der Termin zur Abschaltung der Maschinen stehe fest.

Im Kampf um das Leben ihres Sohnes sind Archies Eltern in allen gerichtlichen Instanzen gescheitert. Die Maschinen des Zwölfjährigen wurden am Samstag um 10 Uhr britischer Zeit abgestellt. Lesen Sie hier die Einschätzung von Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht zum Fall Archie Battersbee .

Lese-Tipp: Hirntod: Was bedeutet das eigentlich - und kann man sich davon erholen?

Der Fall Archie Battersbee (†12)

Warum genau Archie Battersbee am 7. April ins Koma fiel, weiß niemand genau. Seine Mutter fand ihn mit einer um den Hals gewickelten Binde. Sie vermutet, dass der Junge an einer Online-Challenge teilgenommen und sich, unbeabsichtigt, selbst verletzt habe.

Seine Eltern kämpften seitdem vor Gericht für ihn: Nach einem Gerichtsurteil des britischen High Court Mitte Juli sollten die Maschinen, die ihn am Leben hielten, erstmals abgestellt werden. Hollie Dance und Paul Battersbee zogen jedoch vor das Londoner Berufungsgericht, um Einspruch einzulegen – ohne Erfolg. Erst Ende Juli hatten drei Berufungsrichter ihr finales Urteil abgegeben und entschieden, dass die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen des hirntoten Jungen rechtmäßig beenden dürfen.