Wer soll das bezahlen?

Preiserhöhungen an allen Ecken: So hart trifft es Geringverdiener

04. April 2022 - 15:53 Uhr

Überall steigen die Preise und laut Experten ist kein Ende in Sicht. Deswegen müssen sich viele Deutsche einschränken, aber vor allem für Geringverdiener ist das eine echte Herausforderung. Auch die Tafeln bekommen immer weniger Nachschub. Unser Reporter Torsten Misler hat die alleinerziehende Mutter Nicole Merkel getroffen. Sie bekommt den Mindestlohn und muss jetzt noch genauer darauf achten, wofür sie ihr Geld ausgibt und was sie sich noch leisten kann. Wie ihr Alltag aussieht und wie der zuständige Bundesminister Cem Özdemir auf kritische Fragen zu der Situation reagiert, sehen Sie im Video.

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Nicole Merkel friert aus Angst vor einer zu hohen Nebenkostenabrechnung

Jeder fünfte Vollzeit-Beschäftigte in Deutschland gilt als Geringverdiener. Das bedeutet, dass er oder sie weniger als 2.280 Euro monatlichen Bruttolohn bekommt. Preiserhöhungen machen sich somit sofort bemerkbar und die gibt es derzeit überall. In Leipzig kostet das Straßenbahnticket zum Beispiel mit drei Euro 30 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Das ist fast schon ein geringer Anstieg. Auf dem Wochenmarkt kosten Stiefmütterchen 90 Cent, ein Plus von 30 Prozent innerhalb eines Jahres und auch das Eis wird immer teurer. Wo man letztes Jahr noch 1,50 Euro pro Bällchen bezahlt hat, sind es jetzt 1,70 Euro.

Auch Nicole Merkel weiß immer genau, wie viel sie für ihren Einkauf bezahlt. Die alleinerziehende Mutter arbeitet 30 Stunden pro Woche für den Mindestlohn im Housekeeping eines Hotels und muss auf jeden Cent achten. So kritisch wie jetzt war die Situation aber noch nie. Beim Einkaufen schaut Nicole Merkel nach Sonderangeboten, macht mehrmals kleine Einkäufe in der Woche statt eines großen. So will sie vermeiden, schnell Verderbliches wegwerfen zu müssen. Auch beim Heizen geht die 35-Jährige Kompromisse ein. "Der Heizkörper steht immer zwischen zwei und drei. Das reicht im Normalfall aus. Ich habe einfach Angst davor, dass ich zu viel nachzahlen muss und da friere ich lieber, anstatt jetzt groß die Heizung aufzudrehen", so Nicole Merkel gegenüber unserem Reporter.

Durchschnittlich geben private Haushalte in Deutschland 15 Prozent ihres Budgets für Nahrungsmittel aus

Ein Einkaufswagen mit verschiedenen Lebensmitteln wie Eier, Bananen, Orangen, Nutella, Cornflakes, Rapsöl und Toastbrot.
Aufgrund der Folgen des Ukraine Krieges, steigen die Preise immer weiter an. Vor allem für Geringverdiener ist das ein Problem.
© dpa, Julian Stratenschulte

Kann das wirklich sein? Ist es da nicht Aufgabe der Politik einzuschreiten? Immerhin, für die hohen Preise beim Tanken und Heizen hat die Bundesregierung bereits einen Zuschuss beschlossen – 300 Euro bekommt jeder, der Steuern zahlt. Außerdem gibt es für jedes Kind in diesem Jahr 100 Euro Bonus. Aber: "Wäre ein Lebensmittelzuschuss analog zum Energiezuschuss eine Möglichkeit Geringverdiener zu entlasten?"

Diese Frage stellt Reporterin Anne Schneemelcher Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, der darauf antwortet, dass die beschlossene Energiepauschale von 300 Euro erst mal ausreichend sei. "Wie sie die nachher verwenden obliegt ja jedem und jeder selbst. Die kann man natürlich auch für Lebensmittel benutzen. Also ich denke, dass das alles ein Paket ist, aber natürlich müssen wir uns vorbehalten [...], dass wir gegebenenfalls nochmal nachsteuern", so Özdemir.

Das bedeutet, dass Geringverdiener vorerst nicht mehr Geld bekommen. Dabei sind sich Experten sicher, dass die bisher beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Preissteigerungen auszugleichen.

Eine Anlaufstelle ist daher für viele Menschen die Tafel. Auch wenn hier die Lebensmittel knapp werden, sind zumindest die Preise seit acht Jahren stabil. Erwachsene zahlen für Lebensmittel zwei Euro, Kinder 50 Cent. Eigentlich müsste auch die Tafel die Preise erhöhen, aber genau das wollen sie den Menschen, die auf die Unterstützung angewiesen sind, in dieser eh schon schwierigen Zeit nicht zumuten. (kko)