Kriminalstatistik 2020

Neue Zahlen! Die Wahrheit über Verbrechen in Deutschland

15. April 2021 - 18:47 Uhr

Kindesmissbrauch, Übergriffe auf Polizeibeamte, Verstöße gegen Corona-Regeln - So kriminell ist Deutschland

Zunächst die gute Nachricht: Die Zahl der erfassten Straftaten ist im vierten Jahr in Folge gesunken. Deutschland ist laut der polizeilichen Kriminalstatistik für 2020 sicherer geworden – auf den ersten Blick zumindest. Denn die Corona-Pandemie hat die Kriminalität hierzulande verändert. Taschendiebe und Einbrecher hatten es in den vergangenen Monaten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen schwer, Opfer zu finden. Gleichzeitig wussten Betrüger die Pandemie für ihre skrupellosen Machenschaften zu nutzen. Wir haben zusammengefasst, wie die Coronakrise die Kriminalität in unserem Land verändert hat – im Video.

Harte Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2020

Bundespressekonferenz, Vorstellung der Kriminalstatistik Aktuell, 15.04.2021, Berlin,Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Horst Seehofer zeigt den neuen Bericht bei der Bundespressekonferenz zum Thema Vorstellung der Polizeilichen Kriminalst
Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Kriminalstatistik am Donnerstag in Berlin vorgestellt.
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Insgesamt sank die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 2,3 Prozent auf rund 5,31 Millionen Fälle. Auch der Langzeittrend deutet in die gleiche Richtung. Im Vergleich zum Jahr 2006 ging die Zahl der erfassten Straftaten laut BKA sogar um mehr als 15 Prozent zurück. 58,4 Prozent der Fälle konnten 2020 aufgeklärt werden, nach 57,5 Prozent im Vorjahr.

Bei Tötungsdelikten, Sozialleistungsbetrug und Schwarzfahren war die Aufklärungsquote am höchsten. Bei Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstahl besonders niedrig.

Das dringendste Problem: Kindesmissbrauch

RTL hat mit der Sondersendung "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können" Anfang März in die Abgründe unserer Gesellschaft geschaut und der Polizei geholfen, mutmaßliche Sexualstraftäter hinter Gitter zu bringen. Wie ernst das Problem ist, zeigt auch die aktuelle Kriminalstatistik: 6,8 Prozent mehr gemeldete Fälle im Jahr 2020, insgesamt 14.594. Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärt die Zunahme teilweise mit den über die Internet-Recherche zu Missbrauchsbildern aus den USA gemeldeten Fällen, bei denen der Tatort in Deutschland liegt. Außerdem seien nach den großen Missbrauchsverfahren in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster die Ermittlungen intensiviert worden.

Dass trotz Pandemie und Kontraktbeschränkungen mehr Fälle von sexuellem Missbrauch aufgedeckt wurden, ist für die Polizei ein Erfolg. Denn ein Missbrauch bleibt oft, wenn er in den heimischen vier Wänden stattfindet, unentdeckt.

Stark angestiegen sind zudem Straftaten in Zusammenhang mit pornografischen Darstellungen von Kindern und Jugendlichen. Um 54 Prozent auf 29.739 Fälle. Dabei spielt laut BKA auch der Trend eine Rolle, dass Kinder und Jugendliche - teilweise ohne zu wissen, dass dies eine Straftat ist - solche Bilder in Gruppenchats teilen und damit verbreiten, etwa über Whatsapp, Instagram oder Snapchat.

In der RTL-Sondersendung berichteten Eltern, wie ihre Kinder in solche perfide Fallen getappt sind und was sie unternommen haben, um sie zu schützen.

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Mehr Morde, Vergewaltigungen und Sexualdelikte

Die Gewaltkriminalität nahm zwar insgesamt um 2,4 Prozent ab auf 176.672 Straftaten. Bei den Unterkategorien Mord, Totschlag, Vergewaltigung und anderen Sexualdelikten verzeichnete die Polizei allerdings eine Zunahme von jeweils mehr als drei Prozent.

Schlechte Zeiten für Diebe

Dass die Zahl der Wohnungseinbrüche 2020 um 13,9 Prozent gesunken ist, überrascht nicht. Schließlich haben viele Menschen wegen Distanzunterricht und Homeoffice viel mehr Zeit Zuhause verbracht. Dadurch gab es für Einbrecher deutlich weniger Gelegenheiten, unbemerkt in Wohnungen und Häuser einzusteigen. Das galt auch für Taschendiebe, die im öffentlichen Raum – wie in Fußgängerzonen oder auf Bahnhöfen - nicht so viele potenzielle Opfer vorfanden wie sonst, der Polizei wurden 11 Prozent weniger Straftaten gemeldet. Auch aus den Läden wurde weniger gestohlen, die Zahl ging um 7 Prozent auf 283.000 Fälle zurück.

Aber auf ein Ende der Pandemie haben Einbrecher offenbar nicht gewartet. Laut BKA konzentrierten sich die Kriminellen mangels anderer Tatgelegenheiten auf Einbrüche in Keller, Waschräume und Speicher. Hier registrierte die Polizei eine Zunahme der Fälle um 10,6 Prozent.

Das BKA vermutet außerdem einen Zusammenhang zwischen den verstärkten Grenzkontrollen und dem Rückgang der Diebstahlskriminalität.

Corona-Frust! Mehr Angriffe auf Polizeibeamte

Die Polizei selbst hatte im vergangenen Jahr offenbar ziemlich mit dem Corona-Frust vieler Menschen zu kämpfen. Körperliche Attacken auf Polizisten und andere Ordnungskräfte sind um 5,9 Prozent auf fast 15.800 Fälle gestiegen. Angehörige der sogenannten Querdenker-Bewegung hätten sich bei Kundgebungen in Stuttgart, Berlin und Kassel mehrfach "vollkommen unverantwortlich verhalten", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), am Donnerstag. "Eine der wesentlichen Ursachen" für den Anstieg bei den Attacken auf Polizisten sei die Polarisierung durch die Corona-Pandemie, sagt BKA-Präsident Holger Münch.

Die Beamten seien damit besonders konfrontiert, weil sie Protestkundgebungen begleiten und Infektionsschutzmaßnahmen durchsetzen müssten. "Meine Kolleginnen und Kollegen erleben fast täglich Situationen, in denen ihnen unvermittelt Brutalität entgegenschlägt", sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff.

RTL blickt am Donnerstagabend mit Schauspieler Henning Baum hinter die Kulissen der Polizeiarbeit. 20 Tage lang hat er sächsische Beamte begleitet. "Einsatz für Henning Baum - Hinter den Kulissen der Polizei" läuft heute um 20:15 Uhr bei RTL.

Corona-Betrüger auf dem Vormarsch

6.779 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz wurden von der Polizei 2020 erfasst. Allerdings sind nicht alle Verstöße gegen die jeweils vor Ort geltenden Corona-Schutzbestimmungen Straftaten. Bei den meisten Verstößen handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Bußgeld geahndet werden.

In Zeiten der Pandemie wittern vor allem Wirtschaftskriminelle und Cyber-Betrüger ihre Chance. Die Zahl der Straftaten in der Wirtschaftskriminalität ist um 21,5 Prozent auf 49.174 Fälle gestiegen. Cyberkriminalität um 6,5 auf 130.611 Straftaten. Dabei machten die Kriminellen vor allem mit Phishing-Mails, Fake-Websiten oder Malware-Spam Kasse. Mehrere Anzeigen seien vor allem wegen Betrügereien bei Corona-Soforthilfen eingegangen, wo die Schäden in Millionenhöhe liegen. Wie hoch genau, ermittelt aktuell die Staatsanwaltschaft.