Dürfen wir mit weiteren Entlastungen rechnen?

Rentenerhöhung, Wohngeld und mehr: Das ändert sich 2023

2023 bringt viele Neuerungen.
2023 bringt viele Neuerungen.
Picture Alliance, Michael Bihlmayer / CHROMORANGE

2022 war ein Jahr, das uns allen sicher als ziemlich belastendes und auch ziemlich teures Jahr in Erinnerung bleiben wird. Die Ampel-Koalition hat einige Reformen auf den Weg gebracht, die 2023 greifen. Aus Hartz IV wird das Bürgergeld, die Rente steigt, und ein beliebtes Ticket kehrt (verteuert) zurück.

Zahlreiche Änderungen kommen auf die Bürgerinnen und Bürger im neuen Jahr zu. Was wird teurer, was wird billiger, und was ändert sich komplett?

Ein Überblick:

Strom- und Gaspreisbremsen

Viele Gas- und Stromkunden können ab März mit einer Entlastung rechnen: Dann sollen die geplanten Preisbremsen starten. So sollen Gasverbraucher für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs einen Bruttopreis von 12 Cent pro Kilowattstunde garantiert bekommen. Analog sind beim Strom 40 Cent je Kilowattstunde geplant. Die Vergünstigungen sollen nach dem Start rückwirkend auch für Januar und Februar greifen.

Lese-Tipp: So viel Ersparnis steckt bei Ihrem Verbrauch in der Gas-und Strompreisbremse drin

Bürgergeld

Das Bürgergeld löst im Januar das Hartz-IV-System ab. Die Bezüge in der Grundsicherung steigen um mehr als 50 Euro. Alleinstehende erhalten künftig 502 Euro. Wesentliche Teile der Reform treten zum 1. Juli in Kraft. Die Jobcenter sollen sich stärker um Arbeitslose kümmern können. Besser als bisher soll die Vermittlung in dauerhafte Arbeit anstatt in einfache Helferjobs gelingen.

Lese-Tipp: Was sich beim Bürgergeld im Detail im Vergleich zu Hartz IV ändert – in der Übersicht.

Lese-Tipp: Die Bürgergeld-Auszahlungstermine: Dann ist das Geld auf Ihrem Konto!

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Kindergeld

Das Kindergeld soll zum 1. Januar auf einheitlich 250 Euro pro Monat und Kind steigen. Das bedeutet für das erste und zweite Kind ein Plus von 31 Euro und für das dritte Kind ein Plus von 25 Euro im Monat.

Alternativ zum Kinder­geld steht Eltern der Kinder­frei­betrag zu. Auch er steigt 2023 pro Kind und Eltern­teil von 2.810 Euro auf 3.012 Euro.

Lese-Tipp: Haben Sie zusätzlich zum Kindergeld auch Anspruch auf Kinderzuschuss?

Rentenerhöhung

Rentnerinnen und Rentner können im kommenden Jahr voraussichtlich mit mehr Geld rechnen. In Westdeutschland sollen die Renten im Juli um rund 3,5 Prozent steigen und in Ostdeutschland um gut 4,2 Prozent. Die Daten sind vorläufig, Klarheit gibt es im Frühjahr.

VIDEO: Grünen-Chef Nouripour erwägt neue Entlastungen 2023

Nouripour erwägt neue Entlastungen 2023 RTL/ntv Frühstart
06:16 min
RTL/ntv Frühstart
Nouripour erwägt neue Entlastungen 2023

Einkommensteuer

Der steuerliche Grundfreibetrag - also das Einkommen, bis zu dem keine Steuer gezahlt werden muss - steigt um 561 Euro auf 10.908 Euro. Bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern beträgt er das Doppelte, also 21.816 Euro.

Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent, der im Moment ab einem zu versteuernden Einkommen von 58 597 Euro greift, ist im kommenden Jahr ab 62 810 Euro fällig.

Der Pausch­betrag fürs Sparen von Erträgen aus Zinsen, Dividenden oder Wertpapierverkäufen steigt von 801 Euro auf 1 000 Euro und auf 2 000 Euro für Verheiratete.

Höhere Homeoffice-Pauschale

Künftig können statt 600 bis zu 1.000 Euro Homeoffice-Pauschale bei der Steuererklärung angesetzt werden. Die Pauschale zählt zu den Werbungskosten, für die allen Steuerzahlern ohnehin 1200 Euro angerechnet werden. Nur wer mit Homeoffice-Pauschale und anderen Ausgaben über diesen Betrag kommt, profitiert.

Wohngeld

Mehr Haushalte sollen ab Januar mit einem staatlichen Mietzuschuss entlastet werden: Zu den bisher 600.000 Wohngeld-Haushalten sollen bis zu 1,4 Millionen weitere dazukommen. Das Wohngeld soll außerdem um durchschnittlich 190 Euro im Monat aufgestockt werden. Damit erhalten die berechtigten Haushalte im Schnitt rund 370 Euro monatlich. Wohngeld können Haushalte beantragen, die zwar keine Sozialleistungen beziehen, trotzdem aber wenig Geld haben.

Lese-Tipp: Wer hat Anspruch auf Wohngeld?

49-Euro-Ticket

Im öffentlichen Personennahverkehr soll man im neuen Jahr für 49 Euro im Monat deutschlandweit unterwegs sein können. Wann der Nachfolger des 9-Euro-Tickets startet, ist noch unklar. Ursprünglich sollte es Anfang 2023 losgehen. Inzwischen streben die Länder aber einen Start zum 1. April an.

Lese-Tipp: Kommentar zur Verzögerung des Tickets: „Feige Bummelei“

Steigende Krankenkassenbeiträge

Alle Krankenkassen verlangen einen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Hinzu kommt noch ein individueller Zusatzbeitrag. Hierfür wird jährlich ein durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz als Richtwert neu festgelegt; für 2023 wird er erhöht und beträgt dann 1,6 Prozent statt wie bisher 1,3 Prozent. Om Durchschnitt werden insgesamt also 16,2 Prozent fällig. Die Krankenkassen sind aber nicht verpflichtet, ihre Beiträge dementsprechend zu erhöhen – das hängt vielmehr von ihrer eigenen finanziellen Lage ab.

Lese-Tipp: Diese Krankenkassen werden 2023 teurer

Die Beitragsbemessungsgrenze steigt ebenfalls, und zwar auf 59.850 Euro im Jahr (monatlich 4.987,50 Euro). Alles über diesem Einkommen ist beitragsfrei. Die Versicherungspflichtgrenze steigt auf jährlich 66.600 Euro (monatlich 5.550 Euro) – ab dieser Einkommenshöhe kann man sich privat krankenversichern lassen.

Änderungen bei Midi-Jobs

Bei sogenannten Midi-Jobs steigt die Verdienstgrenze. Arbeitnehmer dieser Gruppe dürfen künftig 2.000 Euro statt 1.600 Euro verdienen. Bis zu dieser Grenze gilt, dass Beschäftigte geringere Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen.

Mehrwegpflicht

Restaurants, Bistros und Cafés müssen künftig Getränke und Speisen für unterwegs auch in Mehrwegbehältern anbieten. Dies gilt auch für Bringdienste. Dabei darf das Essen oder das Getränk in einer wiederverwendbaren Verpackung nicht teurer sein als das gleiche Produkt in einer Einwegverpackung; die Anbieter dürfen aber jeweils Pfand darauf erheben.

Ausgenommen von dieser Pflicht sind Kioske, Spätkauf-Geschäfte sowie Imbisse mit weniger als fünf Beschäftigten und weniger als 80 Quadratmeter Ladenfläche. Dafür sind diese verpflichtet, Mehrwegbehälter zu füllen, die von Kund:innen mitgebracht werden.

Bahn-Entschädigung/EU-Fahrgastrechte

Ab Juni 2023 gelten laut Finanztest neue EU-Fahrgastrechte. Ab diesem Datum muss die Deutsche Bahn bei außergewöhnlichen wetterbedingten Verspätungen oder Ausfällen keine Entschädigung mehr zahlen, etwa bei extremen Stürmen.

Auch wenn der Bahnverkehr durch andere Fälle höherer Gewalt, etwa Pandemien oder der Suizid eines Menschen, beein­trächtigt wird, wäre die Bahn dann nicht mehr zu einer Ausgleichs­zahlung verpflichtet.

Weitere Änderungen in den neuen Fahrgastrechten beinhalten unter anderem, dass Bahnunternehmen künftig verpflichtet sind, Durchgangsfahrkarten anzubieten, wenn Anschlusszüge von einem Eisenbahn-oder einem Tochterunternehmen betrieben werden - etwa bei der Verbindung zwischen Regional- und Fernzug. Außerdem werden die Rechte von Fahrgästen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität auf Unterstützung beim Ein- und Aussteigen gestärkt. Jeder Fahrgast soll außerdem das Recht haben, ein Fahrrad in Fern- und Regionalzügen mitzunehmen.

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Arbeitgeber sind von 2023 an verpflichtet, am Meldeverfahren zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) teilzunehmen. Kranke Arbeitnehmer, die gesetzlich versichert sind, müssen ihrem Arbeitgeber dann keine AU-Bescheinigung mehr auf Papier vorlegen, bekommen aber in der Praxis einen Ausdruck für ihre Unterlagen.

Mehr zur Umstellung auf die eAU erfahren Sie hier.

Elektronische Patientenakte/E-Rezept

In der elektronischen Patientenakte können Patientinnen und Patienten Informationen zu Vorerkrankungen, Medikamenten, bereits erfolgte Untersuchungen, Behandlungen und mehr abspeichern lassen, damit darauf schnell gebündelt zurückgegriffen werden kann. 2023 startet laut Finanztest die nächste Ausbaustufe: Dann sollen auch Kranken­haus-Entlassungs­briefe, Laborwerte und noch vieles mehr darin verwaltet werden können.

Im Sommer 2023 soll dann auch das E-Rezept digital mit der elektronischen Gesund­heits­karte (eGK) in der Apotheke eingelöst werden können, also ohne die klassische Zettelwirtschaft. Bisher ist dafür noch eine eigene App nötig.

Energiepauschale für Studierende

Studierende und Fachschüler sollen eine Pauschale von 200 Euro zur Milderung der gestiegenen Kosten erhalten. Antragsberechtigt sind etwa 2,95 Millionen Studierende, die zum 1. Dezember an einer Hochschule in Deutschland immatrikuliert waren. Bund und Länder arbeiten noch an einer zentralen Antragsplattform, ausgezahlt werden soll das Geld voraussichtlich Anfang des Jahres.

Führerschein umtauschen

Um Führerscheine fälschungssicherer zu machen, müssen in Deutschland in den nächsten Jahren Millionen davon umgetauscht werden. Der Prozess läuft gestaffelt nach Geburtsjahren ab. 2023 sind die Jahrgänge 1959 bis 1964 dran: Bis zum 19. Januar 2023 müssen sie ihre Papierführerscheine gegen solche im Scheckkartenformat eingetauscht haben.

Wer in diesen Jahren geboren wurde, aber nach 2013 bereits einen Führerschein im Kartenformat bekommen hat, muss diesen nicht umtauschen.

Eine genaue Übersicht aller Jahrgänge und Umtauschfristen finden Sie hier.

Laserbehandlung

Ab dem 1.1.2023 gilt für die Laserentfernung von Haaren, Training mit Elektrostimulation und ähnliche Anwendungen eine neue Regelung: Wer sie gewerblich anbietet, etwa in einem Kosmetik- oder Fitnessstudio, muss entweder Arzt oder Ärztin sein oder die entsprechende Fachkunde nachweisen können, zum Beispiel durch ein Zertifikat oder Schulungsnachweise. Hintergrund ist die sogenannte „Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen“, kurz: NiSV.

Tabaksteuer

Die Steuern auf Zigaretten, Zigarillos und Tabak steigen. Packungen mit 20 Zigaretten kosten künftig durchschnittlich 18 Cent mehr.

Förderung von E-Autos

Käufer von Plug-in-Hybridfahrzeugen bekommen ab 2023 keine Förderung durch den Bund mehr. Zudem sinken die Prämien für reine Stromfahrzeuge. Bis zu einem Kaufpreis von 40 000 Euro beträgt sie statt 6.000 Euro nur noch 4500 Euro (plus 2250 Euro voraus­sicht­lichem Herstel­lernach­lass), bis zu 65.000 Euro sind es statt 5.000 Euro nur noch 3.000 Euro (plus 1.500 Euro voraus­sicht­licher Herstel­lernach­lass). Zum 1. September wird die Förderung auf Privatpersonen beschränkt.

Klimaabgabe fürs Heizen

Vermieter müssen sich ab Januar in vielen Fällen an der Klimaabgabe ihrer Mieter fürs Heizen beteiligen. Der sogenannte CO2-Preis wird nach einem Stufenmodell zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt. Je weniger klimafreundlich das Haus ist, desto mehr muss der Vermieter übernehmen. Bislang müssen Mieter die Abgabe zahlen, die helfen soll, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß zu senken.

Frist für Grundsteuererklärung

Haus- und Wohnungsbesitzer müssen ihre Grundsteuererklärung bis Ende Januar abgeben. Ursprünglich war als Frist Ende Oktober gesetzt. Wegen des schleppenden Eingangs wurde sie verlängert.

Atomausstieg

Mitte April gehen die letzten deutschen Atommeiler vom Netz. Die Kraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland hätten im Zuge des Atomausstiegs eigentlich zum Jahreswechsel abgeschaltet werden sollen, die Laufzeit wurde wegen der Energiekrise aber verlängert.

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Steuervergünstigung für Autogas

Wer sein Fahrzeug mit Autogas, auch bekannt als LPG, betankt, muss ab 2023 tiefer in die Tasche greifen. Eine Steuervergünstigung läuft aus, und der reguläre Steuersatz von 409 Euro je Tonne greift. Allerdings sind die Steuern laut ADAC günstiger als für Benzin oder Diesel.

Photovoltaikanlagen

ARCHIV - 13.10.2021, Baden-Württemberg, Stuttgart: Mitarbeiter der Firma Sontec GmbH montieren Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses. (zu dpa: «Solarpflicht in Baden-Württemberg bietet große Potenziale») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bil
Montage einer Photovoltaikanlage.
mut rwi, dpa, Marijan Murat

Für Besitzer von Solaranlagen gibt es im neuen Jahr Vereinfachungen. So entfällt für einige Anlagen die Pflicht, einen besonderen Erzeugerstromzähler installieren zu lassen. Einige Regelungen des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2023 greifen bereits.

Lkw-Maut

Die Lastwagen-Maut auf Deutschlands Fernstraßen wird 2023 angehoben. Bei der Berechnung der Sätze werden die Kosten für Lärmbelastung und Luftverschmutzung stärker berücksichtigt.

Lieferkettengesetz

Ab 2023 gilt für Unternehmen mit mehr als 3.000 Angestellten das Lieferkettengesetz, Ziel ist der Schutz der Menschenrechte in internationalen Lieferketten. Es verpflichtet die Firmen, auf Missstände beim Einkauf von Material aus dem Ausland zu reagieren. Hilfsorganisationen und Gewerkschaften bekommen die Möglichkeit, bei Verstößen Betroffene vor deutschen Gerichten zu vertreten. (dpa/eku/rka)

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