Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert

Hunderttausende rufen Kinderzuschlag nicht ab – sind auch Sie berechtigt?

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Möglicherweise könnten auch Sie den Kinderzuschuss, zusätzlich zum Kindergeld bekommen.
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Eigentlich ist der Kinderzuschlag ein alter Schuh. Bereits im Jahr 2005 ist er im Zuge der Hartz-IV-Reform eingeführt worden. Und dennoch wissen offenbar zu wenige Anspruchsberechtigte davon. Und dass, obwohl noch hunderttausende Familien den Kindergeldzuschuss bekommen könnten, wie der Chef der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit nun in einem Interview mit der „Welt“ sagte. Sie könnten dort noch 300 Millionen Euro mehr an Familien auszahlen, so Karsten Bunk in diesem Interview.

Sind Sie vielleicht auch berechtigt und wissen es vielleicht gar nicht? Sie verschenken möglicherweise bis zu 229 Euro pro Monat und pro Kind. Wir sagen Ihnen, wer Anspruch auf dieses Geld hat.

Unkomplizierte Beantragung mit wichtigen Zwischenschritten

Schon seit Juli ist der Kinderzuschlag von bis zu 209 Euro auf bis zu 229 Euro pro Monat und Kind gestiegen. Noch nie davon gehört? Dann aufgepasst, weil hunderttausende Bürger diesen Zuschuss gar nicht erst abrufen, obwohl sie Anspruch hätten.

Lese-Tipp: Kindersofortzuschlag ab 1. Juli - Gesetz soll nächste Woche auf den Weg gebracht werden

So viel vorweg: Allzu kompliziert ist die Beantragung nicht. Man muss nur wissen, wo man den Antrag stellen muss. Deshalb folgen die wichtigsten Antworten zu den Fragen rund um den Kinderzuschlag.

Entlastungspakete der Ampelregierung: Was bleibt einer Durchschnittsfamilie?

Um die Bürger zu entlasten, gab es insgesamt drei Entlastungspakete. Doch vieles ist sehr kompliziert, kein Wunder, dass viele Menschen das Gefühl haben: Da kommt doch gar nichts an! Wir haben nachgerechnet.

Was haben die Entlastungen der Ampel-Regierung gebracht? Vieles bleibt sehr abstrakt
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Vieles bleibt sehr abstrakt
Was haben die Entlastungen der Ampel-Regierung gebracht?

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Wer bekommt den Kinderzuschlag?

Bevor der Antrag auf Kinderzuschlag überhaupt gestellt werden kann, muss die eigene finanzielle Situation geprüft werden. Die im Volksmund auch als „Kindergeldzuschuss“ bekannte Entlastung, kann nicht jede Familie erhalten. Es ist eine Leistung, die zusätzlich zum Kindergeld ausgezahlt wird.

Der Kinderzuschlag soll sich schließlich hauptsächlich an Familien bzw. alleinerziehende Eltern richten, bei denen das Familieneinkommen nicht für alle reicht. Das heißt, dass das monatliche Bruttoeinkommen der Empfänger die Mindesteinkommensgrenze erreicht oder sogar unterschreitet. Berechnet wird auf Basis des Bruttoeinkommens, aber auch Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld oder aber Elterngeld werden eingerechnet. Eine weitere Voraussetzung für den Erhalt, ist das Alter des Kindes (es darf nicht älter als 25 Jahre sein) und der Wohnort (das Kind muss im selben Haushalt wohnen). Zudem müssen die Kinder ledig sein.

Lese-Tipp: Kinderzuschlag ab 1. Juli: So viel Geld soll es für ärmere Familien geben

Wie hoch der Zuschlag letztlich ausfällt, hängt vom eigenen Vermögen, Einkommen oder aber der finanziellen Situation des Partners ab. Der Zuschlag wird pro Kind gezahlt und beträgt im Maximalfall 229 Euro. Bei mehreren Kindern wird ein Gesamtbetrag ausgezahlt.

Beispiel-Rechnungen: Wer hat Anspruch auf den Zuschuss?

Ob und in welcher Höhe der Zuschlag (KiZ) gezahlt wird, hängt zum Beispiel auch davon ab, welche Kosten für die Miete anfallen, wie groß die Familie ist, wie alt die Kinder sind. Daher lässt sich hier keine allgemeingültige Aussage treffen, ab welchem Einkommen oder bis zu welchem Einkommen der Zuschuss und wieviel Zuschuss gezahlt wird. Aber um eine grobe Vorstellung zu bekommen, hat die Agentur für Arbeit Beispiele auf ihrer Webseite veröffentlicht, die Anhaltspunkte liefern können:

Beispiel 1: Alleinerziehend, 1 Kind

Zahlt ein alleinerziehendes Elternteil von einem Kind circa 490 Euro Warmmiete, kann der KiZ bezogen werden, wenn der Verdienst bei rund 1.200 Euro bis etwa 1.800 Euro brutto liegt (Kind: 6 Jahre, Unterhalt: 396 Euro).
Bei einer Warmmiete von circa 790 Euro, darf das Bruttogehalt bei zwei Kindern rund 1.100 bis rund 2.100 Euro betragen. (Kinder: 6 und 8 Jahre, Unterhalt: 396 Euro und 455 Euro).

Beispiel 2: Paar mit zwei Kindern

Bei einer Familie mit 2 Kindern und einer Warmmiete von etwa 690 Euro darf das gemeinsame Bruttoeinkommen rund 1.900 Euro (Alleinverdiener) bis etwa 4.100 Euro (Doppelverdiener) betragen (Kinder: 6 und 8 Jahre).
Bei einer Warmmiete von etwa 990 Euro, darf das Bruttogehalt rund 2.200 Euro (Alleinverdiener) bis etwa 4.500 Euro (Doppelverdiener) betragen (Kinder: 6 und 8 Jahre).

Beispiel 3: Paar mit drei Kindern

Zahlt eine Familie mit 3 Kindern eine Warmmiete von etwa 990 Euro, darf sie rund 2.100 Euro (Alleinverdiener) bis etwa 5.200 Euro (Doppelverdiener) brutto verdienen (Kinder: 6, 8 und 10 Jahre).

Ich habe Anspruch, wie bekomme ich den Zuschlag?

Sind die oben genannten Vorgaben erfüllt, kann der Antrag auf Kinderzuschlag sogar online bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Ein Bewilligungs- oder Ablehnungsbescheid wird anschließend zugestellt. Zuvor sollte aber geprüft werden, in welcher Höhe ein Anspruch auf den Kindergeldzuschuss besteht. Vorsicht: Diese Berechnung übernimmt nicht das Arbeitsamt. Hierfür müssen sich künftige Antragsteller direkt an die Familienkasse wenden.

Lese-Tipp: Mehr Kinderzuschlag für Familien mit geringem Einkommen

Wurden letztlich alle Anträge bewilligt, erfolgen die Auszahlung des Kindergeldes sowie des Kinderzuschlags sogar am selben Überweisungstag. Die genauen Auszahlungstermine lassen sich online einsehen.

Hohe Heizkosten? Anspruch prüfen!

Ganz neu ist dieser Zuschuss eigentlich nicht, nur wissen bisher scheinbar noch zu wenige Eltern vom Kinderzuschlag. Denn allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Familienkasse knapp 300.000 Familien mit bezuschusst. Das Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden Euro teilte sich somit auf rund 730.000 Kinder in Deutschland auf.

Lese-Tipp: Diese Tipps helfen, um unnötige Heizkosten zu sparen

Im Zuge der aktuellen Energiekrise erweitert sich der Kreis der Anspruchsberechtigten. Wer eine überhöhte Energiekostenabrechnung vorweisen kann, hat mitunter ebenfalls Anspruch auf den Kinderzuschlag – vorausgesetzt, die oben genannten Bedingung sind erfüllt. (rdr)

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