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Bürokratie-Irrsinn: Photovoltaik-Anlage - So kompliziert ist der Weg zum Umbau zu Hause

Fürs Klima: Herr Habeck, bitte bauen Sie die Bürokratie-Hürden ab!

Bürokratie-Irrsinn: Wie mich unsere neue Photovoltaik-Anlage fast in den Wahnsinn trieb...

 Fotovoltaik / Solaranlage auf Hausdach - Symbolbilder  Solardach auf einem Wohnhaus bei sonnigem Wetter, Deutschland solar roof on a single-family house at sunny weather, Germany BLWS653143 *** Solar roof on a single family house at sunny weather, G
Die Installation einer Photovoltaik-Anlage kann Nerven kosten.
www.imago-images.de, imago images/blickwinkel, McPHOTO/B. Leitner via www.imago-images.de

von Esther Kusch

Woran hapert es in Deutschland bei der Energiewende? Am Bürokratie-Wahnsinn! Diese Erfahrung musste unsere Autorin machen, als sie sich entschied, eine Photovoltaik-Anlage bei sich auf dem Dach zu installieren. In einem Brief an den Wirtschafts- und Klima-Minister Robert Habeck macht sie ihrem Frust Luft.

Sehr geehrter Herr Habeck – oder darf ich "lieber Robert" sagen?

 15. Bundestagssitzung und Debatte Aktuell,28.01.2022 Berlin, Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck Gruene im Portrait bei Rede zum Tagesordnungspunkt Regierungserklaerung Jahreswirtschaftsbericht 2022,Jahresgutachten 2021/22 des Sachverstaend
Robert Habeck (Grüne)
www.imago-images.de, imago images/Political-Moments, via www.imago-images.de

Sie müssen mich nicht überzeugen – ich bin Team „Erneuerbare Energien“. Seit ich mein erstes Geld verdiene, beziehe ich Ökostrom, beim Anblick von riesigen Kohlebaggern im rheinischen Revier zieht sich mein Magen übel zusammen. Und spätestens als im Sommer die Fluten durchs Ahrtal rauschten, war für mich klar: Ich muss und möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass der Klimawandel gestoppt wird oder zumindest ein bisschen gebremst wird. Meine ganz persönliche Lösung für dieses Dilemma: Wir bauen eine Photovoltaik-Anlage auf unser Dach.

Aber, lieber Herr Habeck, dass mich und sicher diverse andere Willige die Politik, die Verwaltung, die Bürokratie in diesem Land wirklich zur Verzweiflung trieb, das sollte auf Ihrem To-Do-Zettel landen.

Für mein Schicksal können Sie natürlich nichts. Als ich mich durch die Formulare quälte, standen Sie noch auf den Marktplätzen der Republik und machten Wahlkampf. Ich mache Ihnen daher keinen Vorwurf, aber formuliere hiermit einen dringenden Wunsch für die nächsten vier Jahre: Warum machen wir es uns im Land so schwer? Wollen wir die Energiewende? Dann muss es unkomplizierter werden. Sonst kriegen wir die Haderer oder die Unentschlossenen nie. Und das ist jetzt Ihr Job! Don’t fail it!

Auftrag erteilen, Handwerker mit Kaffee versorgen, Anlage anmelden, fertig!  

Gefühlt habe ich im letzten halben Jahr mehr Formulare unterschrieben oder Unterlagen ausgefüllt, als es für den gesamten Hausbau vor knapp 10 Jahren nötig war. Möglicherweise ist meine Erinnerung von damals schön gefärbt, aber der Aufwand diesmal war unglaublich.

Ich telefonierte mit überforderten Bankberatern, die die KfW-Regeln selbst nicht richtig verstanden.

Zeitweise bekam ich mehrere E-Mails am Tag von unserer Elektro-Firma, die mir unter anderem Zugänge zu Portalen einrichteten, die ich brav im E-Mail-Ordner ablegte und bestimmt irgendwann mal verzweifelt suche, weil ich sie dann brauche und vermutlich nicht mehr finde. Und die durchaus frustrierte Finanzbeamtin, mit der ich ebenfalls sehr regelmäßig telefonierte, um die nicht gerade unkomplizierte Steuerfrage zu besprechen, steckte mir irgendwann: „Ich hasse Photovoltaik-Anlagen“. Sie müsse bei quasi jedem Antrag hinterher telefonieren, weil die Leute die Anträge nicht richtig ausfüllen.

Ich sage: Das ist pure Hilflosigkeit. Ganz im Ernst: Wie soll ich VOR Inbetriebnahme einer Solaranlage wissen, wie viel Strom ich davon am Ende selbst verbrauche oder einspeise? 70 Prozent? 80 Prozent? Oder sind wir am Ende viel autarker, als ich glaube? Scheint die Sonne oft oder regnet es? Ich habe weder Steuerrecht studiert, noch bin ich Energieberaterin.

Zu Weihnachten hat mir mein Mann mit Augenzwinkern einen University-Abschluss-Hut gebastelt mit der Aufschrift „Frau Dr. Photovoltaik“. Das war zugegeben süß, aber ganz ehrlich, Herr Habeck: Lieber wäre mir wirklich, es wäre alles etwas einfacher gewesen. Auftrag erteilen, die Handwerker mit ordentlich Kaffee versorgen, Anlage anmelden, fertig.

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Mit Sekt stoßen wir auf unsere Energiewende an - mit Schnaps spülen wir den Bürokratie-Frust herunter

Photovoltaik
Während dieser Text entstanden ist, produzierte die Solar-Anlage ausreichend Sonnen-Strom für den Computer. Jetzt wo, alles läuft, fühlt es sich auch richtig gut an.
privat

Verstehen wir uns nicht falsch: Ich bin immer noch „Team Erneuerbare“: Ich finde es faszinierend, was so eine Anlage selbst im dunklen Januar produziert. Die Strom-Fluss-App hat mindestens so viel Suchtfaktor wie Instagram. Und es fühlt sich richtig gut an, wenn ich mir die eingesparte CO2-Menge im Bäume-Vergleich anschaue. Zwei Bäume habe ich quasi schon gepflanzt in vier Wochen Betrieb. Wohoo. Richtig gut! Aber ich sage Ihnen auch ganz ehrlich: Wäre ich nicht so überzeugt gewesen, und hätte ich nicht eine Nachbar-Familie gehabt, die den gleichen Weg zeitgleich gegangen ist: Vermutlich wäre ich auf unser noch nicht solargedecktes Dach geklettert und hätte mich melodramatisch heruntergestürzt. Oder zumindest den Auftrag wieder gecancelt.

Mit der Nachbar-Familie sind wir übrigens bald zu einer kleinen Feier verabredet: Wir werden mit Sekt auf unsere persönliche Energiewende anstoßen und mit Schnaps den Bürokratie-Ärger herunter spülen. Dazu läuft die gut gefüllte Playlist mit allen Songs, die das Wort „Sonne“ enthalten. Sie sind übrigens herzlich eingeladen. Ob SIE dann lieber Schnaps oder Sekt trinken wollen, können wir ja dann noch besprechen.

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