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Lügde-Prozess - Urteil gefallen: Lange Haftstrafen für Andreas V. & Mario S. - anschließende Sicherungsverwahrung

Urteil im Lügde-Prozess

Angeklagte müssen 12 und 13 Jahre in Haft - anschließende Sicherungsverwahrung

Darum müssen Verurteilte in Sicherungsverwahrung RTL-Reporter erklärt das Lügde-Urteil
00:55 min
RTL-Reporter erklärt das Lügde-Urteil
Darum müssen Verurteilte in Sicherungsverwahrung

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Gutachterin attestierte volle Schuldfähigkeit

Im Prozess um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde wurde heute am Landgericht Detmold das Urteil verkündet. Der 56-jährige Dauercamper Andreas V. wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, der 34-jährige Mitangeklagte Mario S. muss 12 Jahre ins Gefängnis - beide bekommen anschließende Sicherungsverwahrung. Eine Gutachterin hatte den Angeklagten zuvor volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Im Video erklärt RTL-Reporter Ulrich Klose, warum die Angeklagten in Sicherungsverwahrung müssen.

Die Kindheit der Opfer zerstört

Mario S. betrat den Gerichtssaal, ohne sich zu verstecken. Andreas V. hielt sich einen Aktenordner vors Gesicht. RTL-Reporter Uli Klose war bei der Verlesung des Urteils im Saal. V. habe der Richterin in die Augen gesehen, als er zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde. Mario S. habe die ganze Zeit auf die Tischkante gestarrt. Beide Angeklagten nahmen das Urteil regungslos hin.

"Wir haben im Prozess Kinder kennengelernt und wir haben alle ganz schlimme Bilder der Taten im Kopf", begründete die Richterin ihr Urteil. "Sie haben die Kindheit und die Jugend von diesen Opfern wahrscheinlich zerstört. Und das ist alleine ihre Schuld." Im Laufe des Prozesses hätte sie den Eindruck gewonnen, dass den Tätern nicht "ansatzweise bewusst geworden ist", welche schweren Taten Mario S. und Andreas V. begangen hätten.

Lügde -Opfer erlitten schwere Traumata

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurden 34 Mädchen und Jungen immer wieder Opfer schwerer sexueller Gewalt . Einige sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Angeklagt sind hunderte Einzeltaten - auch Vergewaltigungen. Am Rande des Prozesses, der aus Opferschutzgründen in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten gesprochen. Von zerstörten Kindheiten und unsagbarem Leid.

Urteil im Lügde-Prozess Vor dem Landgericht Detmold
00:48 min
Vor dem Landgericht Detmold
Urteil im Lügde-Prozess

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Andreas V. habe eine tief verwurzelte Neigung für Kindesmissbrauch

Andreas V. werden fast 300 Missbrauchstaten zur Last gelegt. Der Tatort soll meist die heruntergekommene Unterkunft auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde nahe der niedersächsischen Grenze gewesen sein. Zu den Opfern des Dauercampers zählte laut Anklage auch ein Mädchen, das als Pflegetochter bei ihm einzog und als Lockvogel diente, um an weitere Opfer zu kommen. Eine Psychiaterin hatte Andreas V. im Prozess als manipulativ, narzisstisch und antisozial beschrieben, mit einer tief verwurzelten Neigung für Kindesmissbrauch.

Mario S. soll sich laut Vorwurf der Anklage in 159 Fällen an Mädchen und Jungen vergangen haben - seit 1999 war er dazu immer wieder zu Gast auf dem Campingplatz, aber auch seine Wohnung in Steinheim soll Tatort gewesen sein. Beide Männer filmten ihre Taten, bei beiden stellte die Polizei insgesamt Tausende Bild- und Videodateien sicher, die sexuelle Gewalt gegen Kinder- und Jugendliche zeigen.

Das Strafverfahren gegen einen dritten Mitangeklagten war frühzeitig abgetrennt worden, weil die vorgeworfenen Taten deutlich weniger schwer wogen: Ein 49-jähriger aus Stade in Niedersachsen war bereits am 17. Juli zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er wiederholt an Webcam-Übertragungen teilgenommen hatte, bei denen ein Kind auf dem Campingplatz sexuell missbraucht wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe gefordert und hat Revision eingelegt.

"Das Grauen von Lügde" bei TVNOW

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Verteidigung hatte Staatsanwaltschaft wenig entgegenzusetzen

Alle Ermittlungsakten nebeneinander haben eine Länge von 25 Metern - vergleichbar mit einer Strecke von einer Schwimmbad-Bahn. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 56-jährigen Andreas V. für eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, für den 34-jährigen Mario S. von zwölf Jahren und sechs Monaten plädiert - danach für beide Sicherungsverwahrung.

Auch die Verteidigung hatte dem wenig entgegenzusetzen. In ihren Plädoyers beantragte der Verteidiger von Andreas V. zwölf Jahre Freiheitsstrafe, der Verteidiger von Mario S. ein "möglichst großes vertretbares Entgegenkommen" für seinen Mandanten. Beide verwiesen dabei am letzten Verhandlungstag auf die frühen Geständnisse ihrer Mandanten. Den Opfern sei damit in dem Verfahren vieles erspart geblieben.