Europaweite Aktion in acht Ländern

Harmloser Spaß oder ernstgemeinter Protest? Klimaschützer lassen Luft aus SUV-Reifen

Klimaaktivisten haben Luft aus SUV-Reifen gelassen. Diese Foto-Collage zeigen sie auf ihrer Internet-Seite.
Klimaaktivisten haben Luft aus SUV-Reifen gelassen. Diese Foto-Collage zeigen sie auf ihrer Internet-Seite.
www.Tyre Extinguishers.com

Sie nennen sich selbst Tyre Extinguishers, also Reifenlöscher - und genau das ist auch ihre Masche: Sie lassen die Luft aus SUV-Reifen in Großstädten, damit die Autos nicht mehr fahrbereit sind. Sind das die neuen Klima-Kleber? Und wie legal ist das Ganze?

Lese-Tipp: Klima-Aktivisten "Letzte Generation" kleben sich in Elbphilharmonie in Hamburg fest

Aktion richtet sich europaweit gegen 900 SUVs

An der Windschutzscheibe wurde das Bekennerschreiben befestigt.
An der Windschutzscheibe wurde das Bekennerschreiben befestigt.
www.Tyre Extinguishers.com

„Sie werden wütend sein, aber nehmen Sie es nicht persönlich. Es liegt nicht an Ihnen, sondern an Ihrem Auto.“ Dies sind die ersten Sätze des Bekennerschreibens der Klimagruppe Tyre Extinguishers. Die Schreiben hinterlassen die Aktivisten an den SUVs in Hannover, an denen sie in der Nacht zu Dienstag (29.11) die Luft aus den Reifen lassen. Mindestens sieben Geländewagen waren Ziel des Protests in Hannover, bestätigt die Polizei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), die zuerst über den Vorfall berichtet. Der Protest war Teil einer großangelegten, europaweiten Aktion, schreiben die Aktivisten auf einer Internetseite: „Letzte Nacht ließen wir in acht Ländern die Luft aus Reifen raus, von fast 900 umweltschädlichen SUVs.“ Dies sei nach eigenen Angaben die größte globale Aktion gegen Fahrzeuge dieser Art – und es sollen noch weitere folgen.

Berlin: unterschiedliche Fahrzeugtypen betroffen

Auch in Berlin sind die Tyre Extinguishers in der Nacht von Montag auf Dienstag aktiv gewesen. Im Gespräch mit RTL sagt Martin Halweg von der Polizeipressestelle Berlin, dass auch in der Hauptstadt vereinzelt Fälle festgestellt wurden: Autos mit herausgelassener Luft und Bekenner-Schreiben der Klima-Aktionsgruppe waren im gesamten Stadtgebiet zu finden. Bei den Fahrzeugen handelt es sich laut Polizei um ganz unterschiedliche Fahrzeugtypen.

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Klimaschützer: SUVs verursachen Klimawandel

Die Aktion der Umweltschützer richtet sich gegen SUVs, weil die Fahrzeuge eine Katastrophe für das Klima seien. „Nach Angaben der UNO sterben bereits Millionen Menschen an den Folgen des Klimawandels“, schreibt die Klimagruppe. Und weiter: „SUVs sind die zweitgrößte Ursache für den weltweiten Anstieg der Kohlendioxidemissionen in den letzten zehn Jahren – mehr als die gesamte Luftfahrtindustrie.“

Ermittlungsverfahren gegen die Reifenlöscher

Doch wie legal oder illegal ist es, die Luft aus Autoreifen zu lassen? Laut Polizei Hannover bestehe immer der Anfangsverdacht einer Sachbeschädigung. Seien die Reifen total platt, könne man von einem Vergehen sprechen, so die Ermittler. Fehle hingegen nur ein wenig Luft in den Reifen, sei die Aktion aber nicht strafbar. Von einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr könne man nicht sprechen. Denn die Umweltaktivisten wiesen in ihrem Bekennerschreiben auf ihre Taten hin.

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Mehrheit hat kein Verständnis für Protestformen der Klima-Aktivisten

dpatopbilder - 03.11.2022, Bayern, München: Ein Klimaaktivist sitzt am Karlsplatz in der Münchner Innenstadt auf der Fahrbahn und blockiert die Straße. Foto: Lennart Preiss/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Klimaaktivisten kleben sich auf Straße fest.
lp jat, dpa, Lennart Preiss

Aktionen wie die der Tyre Extinguishers polarisieren. Auch die Blockade des Flughafens BER durch Klima-Aktivisten der Gruppe Letzte Generation hat vergangene Woche für erhitzte Gemüter gesorgt. Dem aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer zufolge zeigen 82 Prozent der Befragten kein Verständnis für diese Form des Protests. Auch unter den Anhängern der Grünen hat eine Mehrheit von 59 Prozent kein Verständnis für die Protestformen der Klima-Aktivisten.

43 Prozent der Befragten sehen zudem die Gefahr, dass die Proteste künftig auch in einen gewalttätigen Kampf gegen Personen münden könnten. 55 Prozent teilen diese Befürchtung dagegen nicht.

Informationen zur Forsa-Umfrage

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL und n-tv zwischen dem 25. und 28. November 2022 erhoben.

Datenbasis: 1004 Befragte

Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zu Forsa

Forsa-Umfragen im Auftrag von RTL Deutschland

(mtu/lmi)