Kurzfristig blieben alle Flieger am Boden

"Letzte Generation" stürmt Flughafen BER - Flugverkehr wieder aufgenommen

ARCHIV - 04.11.2020, Brandenburg, Schönefeld: Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Eurowings rollt zum Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER). Die Lufthansa-Tochter stockt ihr Angebot am Hauptstadtflughafen B
Eurowings
ppl exa bf vco, dpa, Patrick Pleul

Zeitweise verließ kein Flieger mehr den Hauptstadtflughafen BER. Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ hatten das Flughafengelände gestürmt. Jetzt wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Protest auf Twitter und Youtube gestreamt

Die Aktivisten seien offenbar an zwei Stellen auf das Flughafengelände gekommen, sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite. Daher seien nun beide Pisten gesperrt. Zunächst hatte der Flughafen keine Einschränkungen für den Flugbetrieb gemeldet. Die Lage vor Ort habe sich aber inzwischen geändert, so ein Sprecher des Flughafens am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Bundespolizei bestätigte, dass mehrere Personen auf dem Flughafengelände seien. Genauere Informationen gab es nicht, der Einsatz laufe noch.

Ein Flughafensprecher teilte RTL mit, dass keine aktuelle Gefährdungslage vor lag. Für den BER ist dieser Protest der erste seiner Art. Vor einigen Tagen hatten Demonstranten schon im Flughafen protestiert, allerdings in einem öffentlich zugänglichen Teil der Anlage. „Wir stehen aktuell in engem Austausch mit der Polizei“, sagte der Sprecher zu RTL. Auf dem Gelände seien zwei kleine Gruppen unterwegs. Von einer „handvoll“ Menschen sei die Rede.

Demonstranten fordern Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets

Die Protestierer streamten ihre Aktion unter anderem auf Twitter und Youtube. Dort war zu sehen, wie sie kurz nach 16.00 Uhr einen Zaun durchknipsten und das Flughafengelände betraten. Anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Es war auch zu sehen, wie sich Aktivisten mutmaßlich am Boden festklebten. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion war im Livestream Blaulicht zu erkennen, wenig später waren auch Polizisten zu hören.

In einer Pressemitteilung erklärten die Demonstranten ihr Anliegen: „Das Flugzeug ist kein Verkehrsmittel für Normalbürger:innen. Die meisten Menschen – etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung – sind noch nie in ihrem Leben geflogen. Ein wohlhabendes Prozent der Bevölkerung verursacht allein etwa die Hälfte der flugbedingten Treibhausgasemissionen. Die Regierung fördert den Flugverkehr jährlich mit Milliarden-Subventionen.“

Lese-Tipp: Klima-Aktivisten kleben sich in Elbphilharmonie fest

Stattdessen sollte Geld besser in den ÖPNV fließen, vor allem regen die Demonstranten eine Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets an.

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RTL-Moderator betroffen

Am Flughafen selbst blieb die Lage unter den Fluggästen derweil ruhiger als erwartet. RTL-Moderator Ron Perduss saß in einer der betroffenen Maschinen: „Uns wurde gesagt, dass es in einer Stunde weiter geht. Doch dann mussten wir doch alle wieder aussteigen.“ Jetzt sitzt er am Flughafen. Die Informationen fließen spärlich: Die Durchsagen seien kaum zu verstehen, das Personal wisse genauso wenig wie die Fluggäste, wie es weitergeht. „Einige sind direkt losgerannt“, erzäht Perduss. Manche hätten noch schnell einen Zug bekommen wollen.

Verfassungsschutz-Präsident: Letzte Generation nicht extremistisch

Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang hatte erst kürzlich über die Klima-Aktivisten-Gruppe „Letzte Generation“ gesagt: „Ich erkenne gegenwärtig nicht, dass sich diese Gruppierung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet, und insofern ist das kein Beobachtungsobjekt für den Verfassungsschutz.“ Die Aktivisten begingen Straftaten, sagte er unter Verweis auf Straßenblockaden und Angriffe auf Kunstwerke. „Aber das Begehen von Straftaten macht diese Gruppierung jetzt nicht extremistisch“, so Haldenwang am 16. November bei einer Diskussionsveranstaltung des SWR und der Stiftung Hambacher Schloss. (eon/dpa)