Ihr Mann ist im GefängnisNach Crans-Montana-Katastrophe – warum sitzt Jessica Moretti nicht in U-Haft?

Beiden wird das Gleiche vorgeworfen!
40 Menschen starben bei dem schrecklichen Feuer im Keller der Bar „Le Constellation”. Die meisten von ihnen waren noch sehr jung. Seit Anfang Januar sitzt der Bar-Betreiber Jacques Moretti im Knast, seine Frau Jessica ist dagegen frei, obwohl ihr die gleichen Vorwürfe gemacht werden. Der Schweizer TV-Sender RTS durfte nun die Akten der Staatsanwaltschaft einsehen – und die erklären, warum das so ist.
TV-Sender kann Akten einsehen
Die Bilder der Horrornacht von Crans-Montana gingen um die Welt. 40 Tote, mehr als 100 Verletzte, viele davon so schwer, dass sie ein Leben lang gezeichnet bleiben. Recht schnell stellte sich heraus: Brennbarer Schaum in der Deckenverkleidung der Bar und eine viel zu enge Fluchttreppe hatten diese Katastrophe wohl maßgeblich herbeigeführt. Und verantwortlich für beides, Decke und Treppe, ist das Betreiberehepaar Moretti. Jacques Moretti wurde direkt nach seiner ersten Vorladung zum Verhör in Haft genommen. Bis zu drei Monate kann diese Untersuchungshaft dauern. Seine Frau Jessica dagegen durfte nach ihrer Vernehmung am 9. Januar wieder nach Hause gehen.

Dem Schweizer TV-Sender RTS ist es jetzt gelungen, Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft zu nehmen. Aus diesen geht hervor, warum Jacques in Haft musste, seine Frau aber nicht – obwohl sie wegen der gleichen Anschuldigungen verhört wurden.
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„Kaum Zukunft im Kanton”
Offenbar hat die Staatsanwaltschaft nach der ersten Vernehmung eine klare Befürchtung: Jacques Moretti könnte einfach seine Sachen packen und abhauen. Im Wortlaut heißt es laut RTS in der Mitteilung an das Gericht: „Aus den heutigen Aussagen geht hervor, dass der Angeklagte seinen Wohnsitz regelmäßig wechselt, den Launen seines Lebens entsprechend, und sich leicht an seine neue Umgebung anpasst.
„Den heutigen Aussagen zufolge hat der Angeklagte, abgesehen von beruflichen Beziehungen, keine persönlichen Beziehungen zu irgendjemandem im Wallis aufgebaut. Er hat keine Zeit für Freizeitaktivitäten, sodass er außer seiner beruflichen Tätigkeit und seinen hoch verpfändeten Immobilien keine Bindungen in der Schweiz hat.“

„Sie hat Hobbys wie Tanzen”
Ganz anders sieht es offenbar bei seiner Ehefrau Jessica aus. Auch bei ihr bestehe durchaus Fluchtgefahr. Aber es gebe auch Bindungen, die sie daran hindern könnten, einfach zu fliehen. Im Schreiben der Staatsanwaltschaft an das Gericht vom 10. Januar heißt es laut RTS: „Anders als Jacques Moretti scheint Jessica Moretti in der Schweiz Freundschaften geschlossen zu haben und geht dort Aktivitäten und Hobbys nach, darunter Tanzen. Sie hat somit Verbindungen zur Schweiz, wo sie seit 2015 lebt. Darüber hinaus hat ihr die Schulausbildung ihres Kindes ermöglicht, ihren Freundeskreis durch den Kontakt mit anderen Müttern zu erweitern.“ Jessica muss sich nur in regelmäßigen Abständen bei der Polizei melden.
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Kommt Jacques trotzdem bald frei?
Es gibt allerdings noch eine Möglichkeit, die sich auch Jacques Moretti bietet, um das Gefängnis bald wieder zu verlassen: eine Kaution. Das Gericht, das seine Untersuchungshaft angeordnet hat, hat auch festgelegt, dass der Barbetreiber gegen 200.000 Schweizer Franken (ca. 215.000 Euro) freikommen könnte. Morettis Anwalt ließ offenbar schon wissen, dass ein Freund der Familie das Geld vorstrecken könnte. (tbe)
Verwendete Quelle: RTS (Schweizer TV), 20min.ch

