Missbrauchsopfer hungerte sich zu Tode

In diesem Interview sprach Noa Pothoven (†17) über ihren Wunsch, zu sterben

7. Juni 2019 - 14:18 Uhr

Noa Pothoven wollte nicht mehr weiterkämpfen

Was muss passieren, dass ein 17 Jahre altes Mädchen nicht mehr weiterleben möchte? Noa Pothoven aus Arnheim wurde mit elf das erste Mal missbraucht. Seitdem litt sie unter einer posttraumatischen Störung, Magersucht und Depressionen. Nach mehreren gescheiterten Therapieversuchen hatte Noa einfach keine Kraft mehr, weiterzukämpfen und entschloss sich, zu sterben. In einem Interview vor ihrem Tod sprach sie öffentlich über ihre Selbstmordgedanken. Im Video zeigen wir Ausschnitte daraus und auch, was die Eltern des Mädchens damals zu den Plänen ihrer Tochter sagten.

„Vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr bin“

Noa Pothoven hat ihrem Leben ein Ende gesetzt
Noa Pothoven (17) auf einem ihrer Instagram-Bilder
© Instagram

Noa starb am 2. Juni 2019, weil sie aufgehört hatte, zu essen und zu trinken. Vorher nahm sie noch in einem emotionalen Instagram Post Abschied. "Liebe ist loslassen, schrieb die 17-Jährige Niederländerin. Damit beendete Noa ihr jahrelanges Leid. Sie hatte ihren Tod schon länger geplant.

"Das fing an mit der Idee: Hey, vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr bin", erzählt Noa in dem Interview. "Dann haben die anderen keine Last mehr mit mir und ich habe auch keine Last mehr mit mir selber." Das sei ein schleichender Prozess gewesen, erklärt das Mädchen. Schließlich, weil kein Therapieversuch half, stand Noas Entschluss fest: Sie wollte sich in einer Sterbehilfeklinik helfen lassen. Schließlich beendete sie ihr Leben dann aber doch zuhause, indem sie sich zu Tode hungerte.

Das deutsche Missbrauchsopfer Jennifer kann gut nachvollziehen, wie die 17-Jährige sich gefühlt haben muss. Denn sie war als Jugendliche in einer ganz ähnlichen Situation. Im Video unten erzählt die Frau, wie sie den Weg aus den Selbstmordgedanken heraus geschafft hat.

In einem Buch schrieb Noa über ihre Gedanken und Gefühle

Noa war aber so in ihrer düsteren Gedankenwelt gefangen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr für sich sah. "Ich atme, aber ich lebe nicht länger", schrieb sie auf Instagram. "Nach Jahren des Kämpfens ist es vorbei". Vor ihrem Freitod veröffentlichte das Mädchen auch noch ein Buch über das. In "Winnen of Leren" ("Gewinnen oder Lernen") erzählt Noa, was der Missbrauch mit ihrer Psyche angerichtet hat.

"Es fing eigentlich als Tagebuch für mich an", erzählte sie in dem Interview. Das Schreiben habe ihr geholfen, ihre Gedanken zu ordnen und sich viele Dinge noch einmal klar zu machen. Sie gab die Texte ein paar Therapeuten zu lesen. Die waren begeistert und so kam Noa die Idee, ihre Gedanken als Buch zu veröffentlichen. Doch auch mit diesem Projekt schaffte die 17-Jährige es nicht, ihr Trauma zu verarbeiten und einen Grund zu finden, weiterzuleben.

Noa Pothoven mit ihrem Buch
Noa Pothoven veröffentlichte vor ihrem Tod noch ein Buch über ihre Gedanken und Gefühle. (Foto: Instagram)

Hilfe in schwierigen Situationen

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.