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Platt im Plenum: Warum Hochdeutsch im Bundestag am Donnerstag verboten war

Warum Hochdeutsch im Bundestag am Donnerstag verboten war Platt im Plenum
01:35 min
Platt im Plenum
Warum Hochdeutsch im Bundestag am Donnerstag verboten war

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Dänisch, Friesisch, Sorbisch oder Niederdeutsch (Platt). Viele Sprachen anerkannter Minderheiten werden in Deutschland gesprochen. Wenn die Politik ÜBER sie spricht, dann aber so gut wie immer auf Hochdeutsch. Und genau das wollten einige Abgeordnete im Bundestag am Donnerstag ändern. In einer 45-minütigen Debatte war Hochdeutsch ausdrücklich unerwünscht. Aber hören Sie selbst.

Ungewöhnliche Bundestagsdebatte: Über Minderheitensprachen in Minderheitensprachen diskutieren

Johann Saathoff (SPD) spricht bei der 115. Sitzung des Bundestages im September 2019 zu den Abgeordneten auf Plattdeutsch.
Johann Saathoff (SPD) spricht bei der 115. Sitzung des Bundestages im September 2019 zu den Abgeordneten auf Plattdeutsch.
arb htf len mre, dpa, Arne Immanuel Bänsch

Die Aktion im Bundestag war etwas Besonderes. Bislang gab es zwar immer wieder mal einzelne Reden in Minderheitensprachen, etwa auf Plattdeutsch, nicht aber eine ganze Debatte. „Das war eine spontane Idee“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Ostfriesland über deren Zustandekommen. Geboren wurde sie bei einer gemeinsamen Dienstreise 2018 in Kiew mit seiner FDP-Kollegin Gyde Jensen aus dem Wahlkreis Nordfriesland.

Plattdeutsch im Bundestag zu sprechen sei schon etwas besonderes, sagt Saathoff, der in seinen Reden immer wieder plattdeutsche Sätze oder Passagen einbaut. Seit der neuen Legislaturperiode treffen sich nun rund 15 Abgeordnete fraktions- und regionsübergreifend regelmäßig, um Plattdeutsch zu sprechen und die Sprache zu fördern, die von rund 2,5 Millionen Menschen in Norddeutschland gesprochen wird.

2018 sorgte der Ostfriese im Bundestag für Aufsehen, als er auf Plattdeutsch einer AfD-Initiative zur Verankerung von Deutsch als Landessprache im Grundgesetz konterte. „Düütschland word neet armer dör anner Spraken, Düütschland word rieker“, sagte Saathoff damals - Deutschland werde nicht ärmer durch andere Sprachen, sondern reicher.

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Anlass ist der Debatte war 25. Jahrestag des Inkrafttretens der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen am 1. März. Die Sprachen der anerkannten Minderheiten Dänisch, Friesisch, Sorbisch und Romanes sowie die Regionalsprache Niederdeutsch (Platt) werden seit 1999 in Deutschland geschützt und gefördert, nachdem die entsprechende Konvention des Europarates 1998 geschlossen wurde. Sie gilt in 25 Ländern.

Die Initiative geht auf den Parlamentskreis Plattdeutsch zurück, den einige Abgeordnete und Muttersprachler unlängst gegründet haben.

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Minderheitensprachen in Deutschland: Ein schützenswertes Gut

Nach Angaben des Niederdeutschsekretariats in Bremen fand in den 1950er und 1960er Jahren ein Sprachwechsel in vielen Familien statt: Hochdeutsch verdrängte zunehmend das Plattdeutsch, da es als Bildungshemmnis galt. Wie gut der Erhalt der Minderheitensprachen und die Einhaltung der Sprachencharta klappen, darüber wachen Experten des Europarates in Straßburg. Sie prüfen Berichte, die die Vertragsstaaten regelmäßig vorlegen. Für Deutschland sahen die Experten zuletzt noch Luft nach oben - etwa bei der Zahl von ausgebildeten Lehrkräften, die in Minderheitensprachen unterrichten.

„Es müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, um eine ausreichende Anzahl von ausgebildeten Lehrern für den Unterricht in den Regional- oder Minderheitensprachen sicherzustellen“, forderte das Gremium im vergangenen Jahr. (dpa/sbl)

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