Sie muss das Gehen und Sprechen neu erlernen

Thrombose und Schlaganfall nach AstraZeneca-Impfung: Schauspielerin (40) kämpft sich zurück ins Leben

Links: Melle Stewart mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Ben Lewis; rechts: Melle muss in der Reha wieder laufen lernen.
Links: Melle Stewart mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Ben Lewis; rechts: Melle muss in der Reha wieder laufen lernen.
© gofundme

27. Oktober 2021 - 11:18 Uhr

Hirnvenenthrombose zwei Wochen nach Corona-Impfung

Melle Stewart sei eine "fitte, gesunde 40-Jährige" gewesen, die noch nie zuvor in einem Krankenhaus gewesen sei, versichern die Angehörigen der in London lebenden australischen Schauspielerin auf der Spendenseite "Gofundme". Doch in der Nacht zum 8. Juni ändert sich dies schlagartig, als Melle plötzlich eine schwere Hirnvenenthrombose erleidet. Zwei Wochen zuvor hatte sie ihre erste Corona-Impfung erhalten. Als Folge der Thrombose ist die leidenschaftliche Sängerin und Tänzerin halbseitig gelähmt, muss das Sprechen und Gehen neu erlernen. Nun berichten ihre Angehörigen von Melles mutigem Kampf zurück ins Leben.

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Ärzte müssen großen Teil von Melles Schädeldecke entfernen

Im Mai 2021 bekommt Melle Stewart ihre erste Corona-Impfung mit dem Mittel von AstraZeneca, wie Melles Familie auf der Spendenplattform "Gofundme" berichtet, wo sie einen Aufruf für die kranke Schauspielerin gestartet haben. Zwei Wochen später wacht die gebürtige Australierin mitten in der Nacht auf. Ihre rechte Körperhälfte fühlt sich eigenartig an. Als sie versucht, aus dem Bett aufzustehen, bricht sie zusammen. Sofort wird die 40-Jährige ins St. George's Hospital in London eingeliefert - doch dort verschlechtert sich ihr Zustand weiter rapide. Ihre rechten Seite ist nun komplett gelähmt und sie kann nicht mehr sprechen. Um ihr Leben zu retten und den Druck in ihrem Gehirn zu reduzieren, müssen die Ärzte einen großen Teil ihrer Schädeldecke entfernten.

Die Ärzte stellen fest: Melle leidet an TTS, dem Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom – einer äußerst seltenen Nebenwirkung der Vektorimpfung gegen das Coronavirus. Zwei große Blutgerinnsel haben sich in Melle Stewarts Hirnvenen gebildet. Der dadurch entstehende Druck und die niedrigen Thrombozyten-Werte (Blutplättchen) verursachen eine zweite Blutung im linken Frontallappen ihres Hirns.

"Melle verbrachte drei Wochen im künstlichen Koma", erzählen die Angehörigen der Schauspielerin auf der Spendenplattform weiter. "Während dieser Zeit wurde sie beatmet und sie erhielt eine Reihe von Bluttransfusionen, um die durch den Impfstoff gebildeten Antikörper zu entfernen, die die Blutgerinnsel verursachten." Trotz allem: Melle sei weiterhin eine Befürworterin der Corona-Impfung, betonen ihre Angehörigen.

Melle Stewart im Krankenhaus
Melle Stewart muss im Krankenhaus wieder sprechen und gehen lernen.
© gofundme

Noch steht der Schauspielerin ein langer Weg bevor

Einen Monat nach der Thrombose kann Melle endlich aus der Intensivstation entlassen werden. Weitere zwei Monate später, am 8. September, beginnt ihre Reha in einem Krankenhaus in London. "Aufgrund der Schwere von Melles Erkrankung wird sie bis 2022 im Krankenhaus bleiben", erklären die Stewarts auf "Gofundme". Melle arbeite nun jeden Tag hart daran, wieder zu gehen, zu sprechen und ihren rechten Arm sowie ihre Hand bewegen zu können. Der Weg zur Genesung werde jedoch noch lang sein, so die Einschätzung der Angehörigen.

Neben der Physio-, Psycho- und Sprachtherapie seien auch weitere Operationen notwendig, um eine Titanplatte anzubringen, um den Teil ihres Schädels zu ersetzen, der zuvor während der Operation entfernt wurde. Mit dem Spendenaufruf hofft die Familie, der durch die Erkrankung erwerbsunfähig gewordenen Melle zu helfen, die Kosten der weiteren medizinischen Behandlung zu decken. Und die Kampagne zeigt bereits Erfolg! Mehr als 165.000 Dollar sind durch den Aufruf bislang zusammengekommen.

"Im Namen von Melle und mir möchte ich jedem einzelnen von Ihnen von ganzem Herzen danken", schreibt Melles Mann, der Schauspieler Ben Lewis, in einem Update auf der Spendenseite. "Die Unterstützung, die Sie alle gezeigt haben, hat Melle viel Motivation geschenkt und uns an die Kraft der Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft in einer Zeit erinnert, in der sich die Welt noch nie so groß angefühlt hat."

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Warum kann es nach Corona-Impfungen zu gefährlichen Thrombosen kommen?

Nach AstraZeneca-Impfungen kam es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu einer auffälligen Häufung sogenannter Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen. Nachdem zunächst unklar war, ob die Thrombosen mit den Impfungen im Zusammenhang stehen, fanden Forscher der Universität Greifswald heraus, dass ein Abwehrmechanismus des Körpers die Ursache für die Hirnthrombosen nach der AstraZeneca-Impfung sein könnte.

Sinusvenenthrombosen sind zwar selten, werden aber regelmäßig diagnostiziert. Sie treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, wie Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), erklärt. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen - etwa bei Einnahme der Antibabypille - gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Zum Zusammenhang mit der ebenfalls genannten Thrombozytopenie erklärte Berlit: "Wenn ein Blutplättchenmangel auftritt, führt das eher zu Blutungen. Allerdings kann eine deutlich erhöhte Thromboseneigung zu einem erhöhten Blutplättchenverbrauch führen."

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