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So hoch ist Ihr Thrombose-Risiko nach der AstraZeneca-Impfung

Viele Mediziner sind sich sicher: Der Impfstoff von AstraZeneca ist bei weitem besser und sicherer als sein Ruf.
Viele Mediziner sind sich sicher: Der Impfstoff von AstraZeneca ist bei weitem besser und sicherer als sein Ruf.
© dpa, Robert Michael, ert kde axs pil

04. Mai 2021 - 10:37 Uhr

Misstrauen in AstraZeneca trotz Einzelfällen groß

Zwar verzeichnen wir in Deutschland endlich erste Impf-Erfolge. Aber die vereinzelten Fälle von Hirnvenenthrombosen nach Corona-Impfungen mit AstraZeneca haben ihre Spuren hinterlassen. Ein großes Misstrauen gegenüber diesem Impfstoff. Erst kürzlich wurde in einigen Bundesländern die Impf-Priorisierung für AstraZeneca aufgehoben. Viele Menschen fragen sich daher nun: Wie wahrscheinlich ist eine Thrombose nach einer AstraZeneca Impfung für mich? Forscher der Universität Cambridge haben darauf jetzt eine Antwort!

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Thrombose-Gefahr für bestimmte Altersgruppen

Laut Robert Koch-Institut wurden bis einschließlich Mittwoch, den 28. April, insgesamt mehr als 5,6 Millionen Erstdosen und gut 36.000 Zweitdosen des Impfstoffs AstraZeneca verabreicht. Dabei gab es bisher bundesweit laut Paul-Ehrlich-Institut 63 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach einer AstraZeneca-Impfung.
Das "Winton Centre for Risk and Evidence Communication" der Universität Cambridge hat jetzt berechnet, in welchem Verhältnis Nutzen und Schaden einer AstraZeneca-Impfung für unterschiedliche Altersgruppen zu einander stehen.

Für diese Berechnung haben sich die Wissenschaftler die Altersgruppen 20-29, 30-39, 40-49, 50-59 und 60-69 angeschaut und basierend darauf verglichen, wie viele Menschen (pro 100.000) wegen einer AstraZeneca Impfung potenziell nicht mit Covid-19 auf die Intensivstation müssen und wie viele eine Menschen eine Thrombose erleiden. Das Thrombose-Risiko wurde anhand der Fallzahlen berechnet, die von der britischen Regulierungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte MHRA veröffentlicht wurden.
Der Zeitraum beläuft sich bei den Berechnungen auf insgesamt 16 Wochen bei jeweils leichtem, mittleren oder hohem Ansteckungsrisiko. Letzteres wird anhand der Inzidenzen berechnet.

Vorteile und Schäden bei niedrigem Ansteckungsrisiko

Grafik Risiko Rechner
Abwägung möglicher Vor- und Nachteile einer AstraZeneca Impfung bei niedrigem Ansteckungsrisiko.
© RTL

Bei niedrigem Ansteckungsrisiko, sprich niedrigen Inzidenzwerten, zeigt sich, dass in der Altersgruppe 20-29 das Risiko eine Thrombose zu erleiden höher ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch einen harmlosen Covid-19 Verlauf die Intensivstationen entlasten. Die Impfung mit AstraZeneca kann demnach nur verhindern, dass 0,8 von 100.000 Menschen mit Corona auf der Intensivstation landen. Der Schaden ist in diesem Fall also höher als der Nutzen. Gleichzeitig wird aber durch diese Berechnung deutlich, wie das Risiko einer Thrombose durch AstraZeneca mit zunehmendem Alter stetig sinkt. In diesen Fällen steigt der Nutzen, denn in der Altersgruppe 60-69 zeigt sich beispielsweise, dass lediglich 0,2 Personen pro 100.000 nach einer AstraZeneca Impfung eine Thrombose erleiden. Aber: bei 14,1 Menschen pro 100.000 kann ein schwerer Covid-19 Verlauf mit Aufnahme auf einer Intensivstation verhindert werden. In den Altersgruppen ab 30 ist der Nutzen einer AstraZeneca Impfung bei niedrigem Ansteckungsrisiko also größer, als mögliche Schäden.

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Vorteile und Schäden bei mittlerem Ansteckungsrisiko

Grafik Risiko Rechner
Abwägung möglicher Vor- und Nachteile einer AstraZeneca Impfung bei mittlerem Ansteckungsrisiko.
© RTL

Bei einem mittlerem Ansteckungsrisiko sieht man, wie sich das Verhältnis von Nutzen und Schaden auch bereits bei den jüngeren Altersgruppen verschiebt. In diesem Fall überwiegt ein Nutzen auch im Alter zwischen 20 und 29: nur 1,1 Personen pro 100.000 erleiden eine Thrombose, aber 2,2 schwere Intensivfälle könnten in diesem Beispiel vermieden werden. Der Schutz der Impfung ist demnach deutlich wahrscheinlicher als die Gefahr einer Thrombose. Das gilt bei diesem Inzidenz Beispiel ebenso für alle anderen Altersgruppen.

Vorteile und Schäden bei hohem Ansteckungsrisiko

Grafik Risiko Rechner
Abwägung möglicher Vor- und Nachteile einer AstraZeneca Impfung bei hohem Ansteckungsrisiko.
© RTL

Bei einem hohen Ansteckungsrisiko, also bei einer hohen Inzidenz, wird das zuvor beschriebene Phänomen sogar noch deutlicher. Auch hier überwiegt der Nutzen der Impfung in allen Altersgruppen von 20 bis 69 Jahren. Es können bei den 20 bis 29-Jährigen 6,9 Intensivfälle durch eine Corona-Impfung verhindert werden. Das Risiko einer Thrombose liegt bei gerade mal 1,1 Personen pro 100.000. Je höher das Alter wird, desto deutlicher zeigt sich der Vorteil einer Impfung. Denn bei der Altersgruppe 60 bis 69 können sogar ganze 127,7 Intensivfälle durch eine Impfung vermieden werden. Dahingegen tritt in nur 0,2 von 100.000 Fällen eine Thrombose auf.

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