Sie dachte, sie hätte Migräne. Kurz darauf war sie tot

Dana O. (32) stirbt nach AstraZeneca-Impfung

Nun ist klar: Der Tod der 32-jährigen Dana O. steht im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung.
Nun ist klar: Der Tod der 32-jährigen Dana O. steht im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung.
© dpa, Matthias Bein, mb kno vco chs sei

03. Mai 2021 - 11:31 Uhr

32-Jährige verwechselt Impfnebenwirkungen mit Migräne

Sie hat Kopfschmerzen, wie schon oft. Weil Dana O. (32) seit ihrer Pubertät an Migräne leidet, denkt sie sich nichts weiter dabei. Kurz darauf findet ihre Mutter sie tot im Badezimmer. Wie der Kreis Herford nun mitteilte, starb die 32-Jährige im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung. Todesursache ist allerdings keine Sinusvenenthrombose, sondern eine Hirnblutung. Wo ist der Unterschied? Und worauf sollten vor allem Migräne-Patienten achten? RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht liefert die Antworten.

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Welchen Unterschied gibt es zwischen den beiden Diagnosen?

Wie die Obduktion nun bestätigte, starb die 32-Jährige aus Herford in Folge der AstraZeneca-Impfung. Todesursache ist allerdings nicht eine Hirnvenenthrombose, sondern eine Gerinnungsstörung mit Einblutung ins Gehirn, also eine Hirnblutung. Laut Dr. Specht seien die Unterschiede zwischen einer Hirnvenenthrombose und einer Hirnblutung jedoch gar nicht so groß: "Bei der Thrombose durch AstraZeneca kommt es in ganz vielen Fällen auch gleichzeitig zu Blutungen an anderen Stellen. Bei dieser Patientin stand die Blutung im Vordergrund, nicht so sehr die Thrombose – aber auch ausgelöst durch den gleichen Autoimmunprozess, der sonst auch die Thrombose macht."

Wie äußert sich eine Hirnblutung im Gegensatz zu einer Sinusvenenthrombose?

Die Symptome der beiden Diagnosen sind laut dem Mediziner kaum zu unterscheiden. So gingen beide mit Kopfschmerzen einher, jedoch seien die Schmerzen bei einer Hirnblutung deutlich stärker: "Bei der Sinusvenenthrombose baut sich der Druck etwas langsamer auf, das kann über Tage gehen, während es bei einer Hirnblutung sehr schnell gehen kann." Die Symptome seien jedoch sowohl bei einer Sinusvenenthrombose als auch bei einer Hirnblutung ähnlich, meist in Form von Kopfschmerzen und Unwohlsein.

Wie unterscheiden sich die Kopfschmerzen nach der Impfung von einer Migräne?

Dr. Christoph Specht beantwortet Ihre Fragen rund um das Thema Coronavirus.
Dr. Christoph Specht erklärt, worauf Migräne-Patienten bei einer Impfung gegen das Coronavirus achten sollten.
© rtl.de

So wie die 32-jährige Dana O. leiden viele Menschen unter Migräne. Laut Dr. Specht sei es für Migräne-Patienten in der Tat schwierig zu unterscheiden, ob es sich bei ihren Schmerzen um "normale" Migräne-Erscheinungen handelt oder mit etwas Schlimmerem, wie beispielsweise einer Sinusvenenthrombose zusammenhängt. Wichtig sei aber: "Diese Nebenwirkung, oder besser gesagt Komplikation, tritt nicht direkt nach der Impfung auf. Also wer ein, zwei Tage nach der Impfung Kopfschmerzen hat, hat keine Sinusvenenthrombose! Das kann daher nicht kommen, weil eine Sinusvenenthrombose durch AstraZeneca braucht erst den Autoimmunprozess und das wiederum braucht eine Zeit, man sagt im Allgemeinen so vier Tage. Also wer Kopfschmerzen hat: erst vier Tage nach der Impfung bis etwa zehn, vierzehn Tage nach der Impfung, der sollte hellhörig werden, denn das ist das Zeitfenster, wo so etwas wie eine Sinusvenenthrombose passieren kann, aber nicht sofort nach der Impfung."

Für Nicht-Migräne Patienten sei das Identifizieren einer möglichen Komplikation deutlich einfacher: "Jemand der noch nie Kopfschmerzen hatte, wenn der jetzt geimpft wird und nach vier Tagen ungefähr entwickelt derjenige starke Kopfschmerzen – dann ist für den ziemlich klar: hier stimmt etwas nicht! Aber wenn Sie wie jemand mit starker Migräne vielleicht drei mal die Woche heftige Kopfschmerzen haben und werden dann geimpft, dann ist der Kopfschmerz vier Tage nach der Impfung nicht wirklich auffällig oder im ersten Anschein besonders besorgniserregend."

Könnten Medikamente die Hirnblutung ausgelöst haben?

Dass Medikamente, wie im Fall von Dana O. die Betablocker in Kombination mit der Impfung eine Hirnblutung auslösen können, ist für Dr. Specht äußert unwahrscheinlich: "Die Betablocker machen ja wirklich viel, aber Hirnblutung lösen sie eigentlich nicht aus und die Entstehungsgeschichte für die Hirnblutung bei Dana O., das wurde ja bereits bestätigt, ist autoimmun entstanden. Und der Betablocker hat mit der Autoimmunität nichts zu tun. Also einen Zusammenhang würde ich da wirklich nahezu ausschließen!"

Woran erkennt man nach einer Impfung, dass man zum Arzt gehen sollte?

Geimpfte sollten sich keinesfalls mit der Angst vor möglichen Nebenwirkungen verrückt machen. Jedoch rät der Gesundheitsexperte, nach der Corona-Impfung ganz genau auf seinen Körper zu hören. "Bei Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schmerzen an der Einstichstelle und auch bei Fieber und Übelkeit mit Erbrechen kurz nach der Impfung handelt es sich um ganz normale Impfreaktionen, das kann in den ersten drei, vier Tagen auftreten und ist nicht ungewöhnlich. Hellhörig werden sollte man aber, wenn drei, vier Tage nach der Impfung plötzlich Kopfschmerzen einsetzen oder aber auch, wenn Kopfschmerzen direkt nach der Impfung auftreten und dann auch bleiben. Also die ungefährlichen Kopfschmerzen, die infolge einer Impfreaktion auftreten, die sollten nach circa drei Tagen vorbei sein. Wenn sie länger anhalten, dann sollte man das von einem Arzt abklären lassen."

Mutter suchte schon im März nach Antworten

Dass die Impfung im direkten Zusammenhang mit dem Tod ihrer Tochter steht, vermutete Danas Mutter schon vor der nun offiziellen Bestätigung, wie unter anderem der "Tagesspiegel" berichtet. Schon kurz nach dem Tod ihrer Tochter suchte sie nach Antworten, wandte sich darum an die Öffentlichkeit. Der Befund des auf solche Immunreaktionen spezialisierten Instituts für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universität Greifswald gibt ihr nun Gewissheit: Eine Immunreaktion auf den Impfstoff führte demnach zum Tod ihrer Tochter. Ursache war eine Gerinnungsstörung mit Einblutung ins Gehirn.

Am 29. April wäre der Termin für Danas zweite Impfung gewesen, einen Tag später wäre sie 33 Jahre alt geworden.

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