Experte schätzt das Risiko ein

Thrombose-Risiko: Kann ich mich trotz Antibabypille mit AstraZeneca impfen lassen?

Auch die Einnahme der Pille erhöht das Thromboserisiko.
Auch die Einnahme der Pille erhöht das Thromboserisiko.
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18. März 2021 - 10:58 Uhr

Corona-Impfstoff AstraZeneca steht im Verdacht, Thrombosen zu begünstigen

Die Einnahme der Antibabypille gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer Thrombose. Derzeit steht auch der Corona-Impfstoff AstraZeneca im Verdacht, die Entstehung von Blutgerinnseln zu begünstigen. Viele Frauen fragen sich deshalb: Bin ich durch eine Impfung mit AstraZeneca besonders gefährdet, eine Thrombose zu entwickeln, wenn ich die Pille nehme? Unser Experte Dr. Christoph Specht ordnet ein.

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Deutschland stoppt Impfungen mit Corona-Impfstoff AstraZeneca

Nachdem in Dänemark und Österreich insgesamt zwei Frauen nach der Corona-Impfung an Thrombosen gestorben sind, hat nun auch Deutschland die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff AstraZeneca vorerst gestoppt. In Deutschland hat das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zu diesem Schritt geraten. Insgesamt sieben Fälle einer speziellen Form von Thrombose in zeitlichem Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung waren der Anlass für das PEI, das Aussetzen der Impfungen zu empfehlen. Die Vorfälle müssten zunächst untersucht werden.

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Noch ist nicht klar, ob es sich bei den aufgetretenen Thrombosen tatsächlich um eine Nebenwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs handelt. "Das Risiko generell für eine Thrombose ist sehr, sehr hoch", erklärt Mediziner Dr. Christoph Specht. "Das hat aber nichts mit der Impfung zu tun, sondern das kommt sowieso oft vor", so Specht weiter. Die nun möglicherweise in Folge der Impfung aufgetretenen Sinusvenenthrombosen, die im Kopf stattfinden, seien allerdings "schon sehr selten".

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Diese Faktoren erhöhen das Thrombose-Risiko

Zu den Risikofaktoren für eine Thrombose zählen Rauchen, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Flüssigkeitsmangel, aber auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Die Pillen der sogenannten dritten und vierten Generation bergen demnach ein höheres Thrombose-Risiko als die der ersten und zweiten Generation. Ursächlich hierfür sind die in den neuen Präparaten enthaltenen Gestagene.

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Einen Vergleich der Wirkungen der Antibabypille mit denen der AstraZeneca-Impfung und die folgliche Ableitung einer Warnung findet der Experte jedoch schwierig. "Das ist ganz schwer zu beantworten". Es ist ja noch nicht wissenschaftlich bestätigt, dass die aufgetretenen Thrombosen tatsächlich eine Nebenwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs sind", warnt der Mediziner. Und selbst dann, wenn es wirklich einen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den oben genannten Fällen gäbe, "ist es auch denkbar, dass der Mechanismus für die Thrombose (durch die Pille – Anm. d. Red.) ein anderer ist."

Grundsätzlich sei das Risiko für Thrombosen sehr hoch. Das habe nichts mit den Impfungen zu tun. "Thrombosen kommen häufig vor – oft in Kombination mit der Antibabypille, Rauchen und wenig Bewegung", so Specht weiter.

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Mit jedem Risikofaktor potenziert sich das Risiko für eine Thrombose

Der Mediziner warnt vor der Kombination mehrerer Risikofaktoren: "Rauchen und die Pille einnehmen - das allein ist ein ungleich viel höheres Risiko für eine Thrombose als die Impfung. Mit jedem Risikofaktor potenziert sich das", fasst Specht zusammen.

Das bestätigt auch Professor Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. "Es ist bekannt, dass bestimmte Antibabypillen ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose bedingen." Das Risiko für die Entwicklung einer Thrombose erhöhe sich zusätzlich, "wenn die Frauen, die die Präparate einnehmen, übergewichtig sind und rauchen".

Dies könne jedoch nicht die Frage beantworten, warum einige wenige Patienten nach der Impfung mit AstraZeneca eine Thrombose bekommen haben", so Janssen weiter. Grundsätzlich sei es aber eine gute Idee, nicht zu rauchen oder mit dem Rauchen aufzuhören, wenn man die Antibabypille nehme. Auf diese Weise könnten Frauen, die die Pille nehmen, das Risiko für eine Thrombose verringern.

Weiteres Verfahren mit AstraZeneca "sehr spekulativ"

"Meine Vermutung wäre, dass herauskommen könnte, dass es nicht auszuschließen ist, dass die Fälle mit der Impfung zusammenhängen und dann die Nutzung des AstraZeneca-Impfstoffs eingeschränkt wird", so Specht weiter. Dies sei aber sehr spekulativ.

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