RTL-Redakteurin berichtet

"Ich wurde mit AstraZeneca geimpft - diese Nebenwirkungen hatte ich nach der Spritze"

RTL-Redakteurin Kathrin Gräbener wurde mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca geimpft.
RTL-Redakteurin Kathrin Gräbener wurde mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca geimpft.
© RTL, Kathrin Gräbener

11. März 2021 - 12:27 Uhr

von RTL-Redakteurin Kathrin Gräbener

Vor einer guten Woche bekam ich einen Anruf: "Hättest Du am Sonntag, den 7. März, mittags um 12 Uhr Zeit?" – "Ja, warum?" – "Es gibt einen Impftermin, den du wahrnehmen könntest. Du musst aber auch an einem bestimmten Wochentag im Mai Zeit für die zweite Impfung haben." Meine Gedanken kreisen in meinem Kopf. "Impftermin, ich?!" und "Toll! Ich kann mich gegen Covid-19 impfen lassen!", das ist das, was ich denke.

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Warum ich jetzt schon an der Reihe bin

Mir war jedenfalls von Anfang an klar: Ich werde den AstraZeneca-Impfstoff bekommen. Einen anderen gibt es für mich kaum, da haben andere Vorrang. Aber Moment mal, ich bin doch Redakteurin – hätten da nicht eh ganz viele andere Vorrang vor mir? Lehrer, Erzieher, Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten können, die täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren müssen?

Dass ich jetzt schon an der Reihe bin, erklärt sich so: neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit bin ich im Team der Notfallseelsorge und Krisenintervention Berlin. Wir betreuen Menschen in akuten Notsituationen, zum Beispiel nach Unfällen oder Todesfällen. Auch wir tragen dabei seit über einem Jahr Maske, können niemandem die Hand geben. Es gibt mittlerweile auch ein Corona-Notfalltelefon von uns, außerdem beraten wir per Videokonferenz. Aber das ersetzt natürlich keinen persönlichen Kontakt.

In meiner Familie bin ich jetzt also die erste, die geimpft wird. Mein Vater hat jetzt einen Impftermin mit Biontech Anfang April. Er ist ganz knapp noch keine 80 und hat eine Lungenerkrankung. Covid 19 bei ihm? Ich mag es mir gar nicht ausdenken. So geht es sicher vielen im Land. Die eigenen Eltern hat man ein gutes Jahr nicht mehr richtig umarmen können.

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Biontech, Moderna, AstraZeneca – wie war das noch mal?

Einen Tag vor meinem Impf-Termin am 7. März, lese ich mich noch mal ein bisschen ein: Biontech, Moderna, AstraZeneca – was können diese Impfstoffe noch mal? Was ist der Unterschied? Es gibt so viel Widersprüchliches: "Dieser Impfstoff ist besser, weil…", "Jener Impfstoff kann dieses, jener das..." AstraZeneca soll jedenfalls Reaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber bei vielen Geimpften auslösen. Will ich deshalb verzichten? Nein! Ich hatte auch schon Reaktionen bei einer Grippe-Impfung.

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12 Uhr: Pünktlich stehe ich vor dem Impfzentrum. Habe ich alle Unterlagen dabei? Die schriftliche Einladung ausgefüllt, den Anamnesebogen für die Ärztin, die wissen will, ob ich bestimmte Medikamente nehme und wie es mir sonst so geht? Personalausweis und – ganz wichtig – den Impfpass? Ich warte zunächst in einer Schlange, FFP2-Maske auf, hinter und vor mir Menschen, die – wie ich – ein bisschen aufgeregt scheinen.

12.45 Uhr: Ich bin dran! Ich spreche mit einer netten Ärztin, ihr junger Kollege setzt die Spritze in den Oberarm. "Tut jetzt kurz weh", sagt er. Ich merke nichts – noch nicht. Ich hatte gehört, in der Berliner Charité nimmt das Personal Stunden nach der Impfung eine Paracetamol, um die Nebenwirkungen abzuschwächen. "Was meinen Sie?", frage ich die Ärztin. "Ja, machen Sie das ruhig, Ibuprofen geht aber auch." Ich soll mich noch 15 Minuten lang im Vorraum hinsetzen und abwarten, ob mir schwummerig wird. Doch mir geht es prima und nach 15 Minuten radele ich nach Hause.

19 Uhr: Ich nehme eine Ibuprofen. In meinen Fingerspitzen spüre ich bereits seit einer Stunde eine Schwere. Dann kommt die Nacht. Ich habe das schon vorm Zubettgehen bemerkt: Diese Nacht wird nicht schön. Leichtes Fieber, dicker Kopf, der ganze Körper schmerzt bis in die Finger- und Fußspitzen, unruhiger Schlaf. Die Teekanne neben mir am Bett wird leer.

4.30 Uhr: Ich wache schweißgebadet auf, fühle mich irgendwie erleichtert und denke: "Prima, vorbei!" Doch das stimmt nicht ganz...

7.30 Uhr: Wieder werde ich wach. Ich habe Kopfweh, bin irgendwie schlapp und schlafe wieder ein. Bis 13 Uhr.

15 Uhr: Jetzt sitze ich hier, habe etwas gegessen. Es ist Frauentag und in Berlin ein Feiertag. Ich habe frei. Zwei Tage sollte man einplanen und sich – wie nach anderen Impfungen auch – keine Marathonläufe vornehmen, sondern lieber einen schönen Spaziergang an der frischen Luft. Das werde ich gleich tun. Mit meinem Vater, auf Abstand!

"Die Impfung ist kein Freifahrtschein"

Ich weiß, dass ich trotz Impfung auch weiterhin Maske tragen muss. Die Impfung ist kein Freifahrtschein. Aber sollte ich Corona bekommen, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit schon nach der ersten Spritze nicht in einer Klinik landen. Das hat mir auch mein Immunsystem mit seiner Reaktion gezeigt: Die Spritze wirkt. Am 9. Mai ist der zweite Termin. Und für morgen plane ich noch immer keinen Marathonlauf.

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