Thrombose-Symptome

Diese Anzeichen deuten auf eine Thrombose hin

Kompressionsstrümpfe können einer Thrombose vorbeugen.
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31. Juli 2020 - 17:19 Uhr

Jede dritte Thrombose endet tödlich

Noch immer wird eine Thrombose zu häufig unterschätzt. Jedes Jahr erkranken 80.000 Menschen in Deutschland daran – längst nicht nur Senioren. Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht weiß: Thrombose kann jeden treffen. "Wir haben alle Venen und wir haben alle Arterien - und diese können alle verstopfen. Natürlich passiert es bei älteren Menschen häufiger, aber prinzipiell kann jeder Thrombose bekommen." Und jeder dritte Fall hat tödliche Folgen.

Um diese Gefahr zu senken, sollte man die ersten Anzeichen einer Thrombose kennen, um rechtzeitig behandelt werden zu können.

Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet. Dadurch wird das Gefäß verengt oder sogar ganz verstopft. Am häufigsten entstehen Thrombosen in den tiefen Beinvenen. Arterielle Thrombosen sind deutlich seltener.

"Für die Thrombose ist entscheidend, dass sich die Fließeigenschaften des Blutes ändern. Das bedeutet, irgendwo im Körper fließt das Blut nicht mehr so flüssig, wie es sollte. Es gibt Strömungsveränderungen. Dann verändert sich auch automatisch die Innenauskleidung der Vene. Es entsteht eine Entzündung. Durch die Reaktion des Körpers wird der Innenraum der Vene verengt und das Blut kann nicht mehr zurück zum Herzen fließen. Das verursacht die Thrombose", sagt Dr. Specht.

Mögliche Thrombose-Anzeichen

Einer Venenthrombose gehen im Normalfall unterschiedliche Warnzeichen unseres Körpers voraus. Die Symptome sind zwar oft nicht eindeutig und deshalb schwer auf eine Thrombose zurückzuführen. Doch bei diesen Warnsignalen sollten Sie aufmerksam werden:

  • Schweregefühl: Das Bein wird schwer und spannt. Dies bessert sich in der Regel, wenn man das Bein hochlegt oder kurz ein Stück geht.
  • Wadenschmerzen: Ein dumpfer Spannungsschmerz in den Beinen, ähnlich einem Muskelkater, kann ein Hinweis auf eine Thrombose sein. Unter Umständen schmerzt die Wade besonders beim Auftreten. Auch hier sollte das Hochlagern des Beins im Normalfall bei der Linderung helfen.
  • Schwellung: Ein Bein oder Teil des Beines wird dicker. Bei diesem Anzeichen das Bein ebenfalls hochlegen und ausruhen.
  • Erwärmung der Haut: Durch ein Blutgerinnsel kann sich das betroffene Bein wärmer anfühlen als das andere. Um einen Temperaturunterschied deutlich erkennen zu können, legen Sie Ihre Handflächen auf beide Beine und warten Sie zwei Minuten. Auch eine erhöhte Körpertemperatur (nicht nur am Bein) kann ein Thrombose-Symptom sein.
  • Verfärbung des Beins: Wenn das Bein nach längerem Sitzen oder Stehen eine blasse, rötlich-violette oder blaue Verfärbung zeigt, sollten Sie es unbedingt untersuchen lassen.

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome an sich beobachten und das Hochlagern des Beines keine Linderung verschafft, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Er kann mittels Bluttest und Ultraschalluntersuchung feststellen, ob tatsächlich eine Thrombose vorliegt.

Warum ist eine Thrombose gefährlich?

Die Verstopfung einer Vene im Bein ist an sich schon unangenehm und mitunter schmerzhaft, da sich das Blut staut und nicht zurückfließen kann. Doch das eigentliche Problem ist die Folge einer solchen Thrombose: "Wenn sich beispielsweise ein 'Pfropfen', ein Stückchen verklumptes Blut, aus dem Stau löst und in die Lunge schießt, kommt es schnell zu einer Lungenembolie und damit dann zu einem lebensbedrohlichen Zustand", so Dr. Specht.

Bei einer Lungenembolie löst sich ein Blutgerinnsel von der Gefäßwand und wird über das Blut in die Lunge transportiert. Dies führt zu einer Überlastung des Herzens - und im schlimmsten Fall zum Herzstillstand. Schwierigkeiten beim Atmen oder Schmerzen in der Brust können auf eine Lungenembolie hindeuten. Bei Verdacht sofort den Notarzt rufen.

Was sind häufige Risikofaktoren?

Ein verlangsamter Blutfluss, veränderte oder beschädigte Innenwände der Blutgefäße oder eine veränderte Blutzusammensetzung mit der Folge der schnelleren Blutgerinnung können eine Thrombose verursachen. Dahinter können Verletzungen oder Operationen, bestimmte Krankheiten, Medikamente oder Stress, aber auch langes Sitzen oder allgemeiner Bewegungsmangel stecken.

Risikogruppen:

  • Frauen sind grundsätzlich eher gefährdet als Männer.
  • Schwangere haben zudem ein erhöhtes Thrombose-Risiko.
  • Die Einnahme der Anti-Baby-Pille erhöht das Thrombose-Risiko ebenfalls.
  • Raucher sind besonders stark betroffen. Bei ihnen kommt es zu einer stetigen Verkalkung der Gefäße. Das Rauchen erhöht den Anteil des Kohlenmonoxids im Blut. Gleichzeitig vermindert sich der Sauerstoffgehalt und damit verschlechtert sich die Durchblutung aller Organe.
  • Auch Übergewicht kann das Gefäßsystem belasten, insbesondere wenn der Blutdruck rapide steigt.
  • Diabetiker erkranken doppelt so häufig an einer Thrombose wie Gesunde. Das liegt zum einen daran, dass sie häufig einen höheren Blutzuckerwert haben und ihr Blut dickflüssiger ist. Zum anderen erhöhen typische Begleiterscheinungen von Diabetes wie Bluthochdruck, Übergewicht und Arteriosklerose das Risiko zusätzlich.

Treffen mehrere dieser Faktoren zu, etwa bei einer übergewichtigen Raucherin, die die Anti-Baby-Pille nimmt, gilt besondere Vorsicht. "Diese Kombination kann unter Umständen tödlich sein", warnt Dr. Specht.

Thrombose-Behandlung: Was hilft gegen Thrombose?

Sollte der Arzt eine Thrombose bei seinem Patienten feststellen, wird diese meist mit einer Kompressionstherapie behandelt. "Kompressionsstrümpfe* 🛒 müssen beim Betroffenen genau angepasst werden, damit sie das Bein fest zusammendrücken und das Blut wieder nach oben fließt. Das Blutgerinnsel kann sich so auflösen", erklärt Dr. Specht. Das fördert zudem das Abschwellen des betroffenen Beines bzw. wirkt einer Schwellungsneigung entgegen.

Zusätzlich kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz, sogenannte Blutverdünner, die der Patient einige Monate lang einnehmen muss. "Diese verdünnen aber in Wirklichkeit gar nicht das Blut, sie sorgen lediglich dafür, dass sich die Blutungseigenschaften verändern", so Dr. Specht. Marcumar ist das in Deutschland am häufigsten zur Blutgerinnungshemmung verwandte Medikament. Zur richtigen Einstellung sind dann regelmäßige Kontrollen etwa alle vier Wochen notwendig.

Thrombose: Heparin kann helfen – aber nicht auf Dauer

Häufige Verwendung finden auch Heparin-Spritzen. Heparin ist auch ein gerinnungshemmendes Medikament, dessen Wirkung sofort einsetzt, aber auch zügig wieder abklingt. Es kann nur in die Vene oder unter die Haut gespritzt werden. Damit eignet es sich nicht für eine lange Dauertherapie, sondern ist ein Medikament, das immer dann akut eingesetzt wird, wenn die Blutgerinnung direkt beeinflusst werden muss oder Blutgerinnsel aufgelöst werden müssen.

Darüber hinaus können auch operative Behandlungsmethoden gewählt werden. Hierbei wird ein sogenannter Stent gelegt, um das verengte Gefäß wieder zu öffnen.

Wie kann ich einer Thrombose vorbeugen?

"Ganz generell ist zu sagen: Bewegung ist das A und O. Wer sich fit hält und Sport treibt, beugt einer Thrombose am besten vor", so Dr. Specht. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen, Radfahren, aber auch Wandern, sind besonders wirksam. Denn die bringen den Blutfluss in Schwung, auch in den Beinvenen.

Wer lange sitzen muss, etwa bei einer weiten Reise oder auch während der Arbeit, sollte in jedem Fall ausreichend trinken und nach Möglichkeit immer mal wieder aufstehen, ein paar Schritte gehen, kleine Fußgymnastikübungen machen und die Füße auch mal hochlegen. Vorbeugend ist zudem das Tragen von Stützstrümpfen in solchen Situationen sinnvoll.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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