Corona trifft den Einzelhandel

Douglas, Karstadt, H&M & Co.: Diese Läden verschwinden 2021 aus den Innenstädten

Drohen auch nach Corona weiter leere Innenstädte? Neben den kleinen Einzelhändlern stehen auch viele große Ketten vor dem Aus.
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26. Februar 2021 - 10:06 Uhr

Corona und Online-Handel machen Geschäften zu schaffen

Corona-Krise und E-Commerce treffen nicht nur kleine Einzelhändler. Auch zahlreiche bekannte Ketten müssen in diesem Jahr Filialen schließen. Ein Überblick von Douglas bis Zara.

Douglas: Parfümeriekette weitet Online-Handel aus

Die Parfümeriekette Douglas konzentriert sich künftig stärker aus Onlinegeschäft und dünnt ihr Filialnetz massiv aus. In Deutschland sollen rund 60 von 430 Douglas-Läden dicht machen, europaweit sogar 500 von 2400 Filialen schließen. In Deutschland beginnt die Schließungswelle im Mai und läuft bis Ende April 2022.

Pimkie schließt mehr als die Hälfte der Filialen

Die französische Modekette Pimkie hat Ende Januar mitgeteilt, dass 40 der 75 Filialen in Deutschland geschlossen werden. Die Kette stand bereits vor der Corona-Krise unter wirtschaftlichem Druck, im September 2020 beantragte der Betreiber der deutschen Filialen, Framode, ein Insolvenz- und Schutzschirmverfahren. Der Sanierungsplan beinhaltet neben den Schließungen auch Mietkürzungen. 150 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Esprit: Modekette steht vor der Insolvenz

 Eine Filiale des Modekonzerns Esprit, der sich wegen der Coronakrise in ein Schutzschirmverfahren flüchten will. Köln, 07.04.2020 *** A branch of the fashion group Esprit, which wants to take refuge in a protective umbrella procedure because of the
Der Modekonzern Esprit flüchtete sich 2020 in ein Schutzschirmverfahren.
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Modekonzern Esprit musste im vergangenen Jahr ein Schutzschirmverfahren einleiten und im Sommer ein Insolvenzverfahren eröffnen. Im Zuge dessen wurde beschlossen, fast jede zweite der 94 Filialen in Deutschland dichtzumachen und 1200 Arbeitsplätze abzubauen. Auch die Konzernzentrale in Ratingen hat keine Zukunft, der Konzern wird künftig ausschließlich vom zweiten Hauptquartier in Hongkong geführt.

Galeria Kaufhof und Karstadt: Schon vor Corona schwer angeschlagen

Der dauerkriselnde Warenhausgigant Galeria Kaufhof Karstadt hätte schon ohne Corona-Krise genug Baustellen gehabt, die Pandemie sorgte für den nächsten Schlag. Im April musste der Konzern unter ein Schutzschirmverfahren flüchten. Das Sanierungskonzept sah die Schließung von mehr als 50 Stammhäusern sowie 20 Karstadt-Sport-Filialen vor. Doch auch das reichte nicht: Ende Januar wurde bekannt, dass der Konzern einen umstrittenen Staatskredit von 460 Millionen Euro bekommt, um weitermachen zu können.

Zara macht 1200 Filialen dicht

Zara-Mutterkonzern Inditex steht vor einem massiven Umbruch. Der spanische Textilriese will zwar bis 2022 rund 900 Millionen Euro in den Konzernumbau stecken, vor allem aber in den Ausbau des Onlinegeschäfts. Geplant sind auch 150 neue Läden, doch dem stehen 1200 unrentable Filialen gegenüber, die dichtgemacht werden sollen. Weltweit hat Zara rund 2800 Filialen.

H&M: 800 Stellen werden gestrichen

H&M eröffnet neue Modekette
Auch Mode-Gigant H&M steht vor der Schließung von 350 Läden.
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Auch Textilriese H&M, der jahrelang auf immer mehr stationäre Läden gesetzt hat, möchte sein Filialnetz ausdünnen. 2021 sollen 350 Filialen weltweit geschlossen werden. Wie viele davon im wichtigen Markt Deutschland ist unklar. Bekannt ist aber, dass der schwedische Konzern hierzulande 800 Stellen streichen will und aktuell mit dem Betriebsrat über ein Abfindungsprogramm verhandelt.

Runners Point muss alle Filialen schließen

Die Schuhkette Runners Point ereilte bereits im vergangenen Jahr das Aus. Mutterkonzern Foot Locker verkündete im Mai die Schließung aller 73 Runners-Point-Läden in Deutschland. Die Läden der Marken Foot Locker und Sidestep sind nicht betroffen.

Depot: 60 Läden fallen Sanierungsprogramm zum Opfer

Es trifft nicht nur die Mode, auch die Wohnaccessoirekette Depot musste im Herbst ein Sanierungsprogramm auflegen. Dem fallen laut Lebensmittelzeitung bis Ende 2021 wohl 60 Filialen zum Opfer.

Real: Kaufland und Edeka übernehmen FIlialen

ARCHIV - 17.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Das Logo leuchtet am Morgen auf dem Dach eines Real Warenhauses.     (zu dpa "Kartellamt erlaubt Übernahme von 92 Real-Märkten durch Kaufland") Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der bekannte Real-Schriftzug weicht bald den Konkurrenten Kaufland und Edeka.
© dpa, Oliver Berg, obe htf fdt vco tba

Kein Corona-Opfer ist Lebensmittelhändler Real. Die kriselnde Handelskette war schon lange vor der Corona-Krise ein Verkaufskandidat. Im Februar 2020 erwarb Investor SCP die 270 Filialen von der Metro - mit dem Ziel, diese durch Zerschlagung zu Geld zu machen. Einige Real-Standorte werden komplett dicht gemacht, ein Großteil aber an die Konkurrenz verkauft. Das Kartellamt prüft aktuell, wer wie viele Läden übernehmen darf. Kaufland soll mit 92 Filialen den größten Brocken bekommen, Edeka bis zu 44 Standorte übernehmen, auch Globus ist mit 24 Läden dabei. Den Schriftzug "Real" wird es jedenfalls nicht mehr lange geben.

Hinweis: Dieser Artikel von Daniel Bakir erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.