So verteidigt Tina Müller Schließung von 500 Filialen

Konzernchefin will Parfümerie-Kette Douglas zum Online-Unternehmen machen

Laut manager magazin soll wohl jede zehnte Douglas-Filiale schließen.
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29. Januar 2021 - 19:16 Uhr

Jede zehnte Filiale will schließen

Die Chefin der Parfümeriekette Douglas hat in einem Interview mit dem "Spiegel" die Schließung von mehr als 50 der 430 Filialen in Deutschland begründet. "Wir müssen handeln, um die Zukunftsfähigkeit des Filialgeschäfts insgesamt zu sichern", so die Geschäftsführerin Tina Müller. Allerdings sehe sie auch eine Chance darin und wolle in die verbliebenen Filialen investieren. Zusätzlich zum Verkaufsgeschäft sollen dort nämlich künftig auch beispielsweise hochwertige Kosmetikbehandlungen angeboten werden und die Geschäfte zu "Event-Standorten" werden. Das meldet "Der Spiegel" vorab.

Umbau und Digitalisierung

Außerdem sollen die verbliebenen Filialen stärker ins Online-Geschäft eingebunden werden. Geplant ist laut Müller z.B. die Möglichkeit Produkte online zu bestellen und sie in einer Filiale abzuholen oder sich nach Hause liefern zu lassen – alles noch am selben Tag. So wolle man in drei bis vier Jahren 50 Prozent des Umsatzes online machen. "Ab 51 Prozent sind wir ein E-Commerce-Unternehmen mit Filialnetz. Das ist ein echter Perspektivwechsel", so Müller.

Hunderte Mitarbeiter werden wohl entlassen

Bereits vergangene Woche hatte Douglas angekündigt, insgesamt 500 seiner Filialen (50 davon in Deutschland) schließen zu wollen. Nachdem Modehaus Adler und der Süßwarenketten Arko und Hussel, die beide Insolvenz angemeldet hatten, ist Douglas der nächste klassiche Einzelhändler, der durch Corona in wirtschaftliche Schieflage gerät. Welche Standorte davon betroffen sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Es dürfte aber wohl vor allem die Filialen in kleineren Städten treffen. Deren Fußgängerzonen leiden seit der Corona-Krise verstärkt unter einem enormen Filialsterben.

Ende Januar will Konzern-Chefin Müller das Konzept dem Aufsichtsrat vorlegen. Hunderte Mitarbeiter könnten wegen der Schließungspläne ihren Job verlieren.

Douglas will Online-Handel ausbauen

Dieser Strategie scheint nun auch Douglas folgen zu wollen. Der Vertrieb und Verkauf über das Internet soll noch stärker ausgebaut werden, dafür müssen Filialen weichen. Auf Anfrage von RTL heißt es dazu von Douglas schriftlich: "Bereits im Sommer hatte Douglas kommuniziert, dass wir im Rahmen unserer Unternehmensstrategie und vor dem Hintergrund eines durch die Corona-Pandemie veränderten Marktumfelds unser Filialnetz einer Analyse unterziehen, in diese Analyse das für uns wichtige Weihnachtsgeschäft mit einbeziehen und das daraus resultierende Konzept Anfang des Jahres vorstellen werden. Finale Beschlüsse dazu wurden noch nicht getroffen."

Schon länger versucht Douglas, sich mit Parfümerie- und Kosmetikprodukten auch im hart umkämpften Online-Handel zu etablieren – und das auch ziemlich erfolgreich. Wie das 'manager magazin' schreibt, habe Douglas im vergangenen Jahr einen Umsatz von einer Milliarde Euro über digitale Verkaufskanäle eingefahren. Einen Umsatz, mit dem das Unternehmen eigentlich erst im kommenden Jahr gerechnet hatte. Diesen Trend will Douglas-Chefin Tina Müller nun fortführen und geht deswegen voll in die Online-Offensive. Filialen sind da wohl nicht mehr zeitgemäß.

Douglas wollte Filialen trotz Lockdown öffnen

Seit Mitte Dezember sind Geschäfte zu. Viele Einzelhändler leiden unter den strikten Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie und beklagen massive Umsatzeinbrüche. Auch Douglas blieb hiervon nicht verschont und verzeichnet laut 'manager magazin' einen massiven Rückgang des Gewinns im operativen Geschäft.

Im Dezember geriet Douglas in die Kritik, weil die Parfümeriekette trotz des von der Bundesregierung verhängten Lockdowns Filialen öffnen wollte. Douglas argumentierte, dass man hauptsächlich Drogerieartikel verkaufe und die Filialen deswegen offen halten wollte. Konzern-Chefin Müller erntete dafür massive Kritik und nahm die Entscheidung wenige Tage später wieder zurück. Seitdem sind alle Douglas-Läden geschlossen.