Infektiologe warnt vor ErregernDiese Viren könnten uns 2026 gefährlich werden

Die Sorge wächst!
Viren verändern sich, reisen um die Welt und finden neue Wirte. Ein Experte erklärt, welche Krankheitserreger 2026 besonders aufmerksam beobachtet werden müssen – und warum die Gefahr für eine neue Pandemie wächst.
Vogelgrippe an der Schwelle zur Pandemie
Ob Vogelgrippe, Mpox oder neue Insektenviren: Die Liste potenzieller Gesundheitsgefahren wird immer länger. Aus Sicht von Infektionsforschern liegt das an einem Zusammenspiel aus Klimawandel, globaler Mobilität und engerem Kontakt zwischen Mensch und Tier. Viren können sich schneller denn je verbreiten.
Patrick Jackson, Infektiologe an der University of Virginia, warnt deshalb davor, die Bedrohung durch Infektionskrankheiten zu unterschätzen. In einem Beitrag für die „Washington Post” beschreibt der Arzt und Forscher, welche Viren er 2026 besonders genau im Blick behalten will – und warum.
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Ganz oben auf Jacksons Liste steht die Vogelgrippe. Influenzaviren gelten seit jeher als unberechenbar, weil sie sich rasch verändern und viele Tierarten befallen können. Die Pandemie von 2009, ausgelöst durch das sogenannte Schweinegrippevirus H1N1, kostete weltweit mehr als 280.000 Menschen das Leben. Nun sorgt ein anderer Subtyp für Aufsehen: H5N1, besser bekannt als Vogelgrippe.
Auch Affenpocken sind weiterhin ein globales Risiko.
Entdeckt wurde das Virus 1996, seitdem breitet es sich unaufhaltsam aus. Lange Zeit infizierte H5N1 vor allem Wildvögel und Geflügel. 2024 änderte sich die Lage jedoch schlagartig. Erstmals wurde das Virus in Milchkühen in den USA nachgewiesen und etablierte sich in mehreren Herden. Der Sprung von Vögeln auf Säugetiere alarmiert Fachleute besonders. Studien deuten laut Jackson darauf hin, „dass es bereits zahlreiche Übertragungen von Rindern auf Menschen gegeben hat”, viele von ihnen asymptomatisch im Verlauf.
Entscheidend wird dem Experten zufolge jetzt sein, ob das Virus die letzte Hürde nimmt: die effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch. „2026 werden Wissenschaftler genau beobachten, ob sich H5N1 so verändert, dass es zwischen Menschen weitergegeben werden kann – eine Voraussetzung für eine neue Grippepandemie”, schreibt Jackson. Die derzeitigen Grippeimpfstoffe bieten demnach wahrscheinlich keinen ausreichenden Schutz, spezielle Impfstoffe seien aber in der Entwicklung.

Auch Mpox, früher als Affenpocken bekannt, ist für Jackson weiterhin ein globales Risiko. Das Virus ist eng mit den Pocken verwandt. Eine Infektion führt zu Fieber und schmerzhaften Hautausschlägen, die wochenlang anhalten können.
Mücken und winzige Fliegen übertragen das Oropouche-Virus
Seit seiner Entdeckung in den 1950er Jahren war Mpox primär in Teilen Afrikas verbreitet – bis es 2022 zu einem weltweiten Ausbruch kam. Über engen Körperkontakt, häufig auch beim Sex, breitete sich die mildere Variante Clade II in mehr als 100 Ländern aus; die meisten hatten bis dato noch keinen einzigen Fall verzeichnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief deswegen eine internationale Notlage aus.
Der WHO-Notstand ist inzwischen aufgehoben. Das Virus sei aber nicht verschwunden, mahnt Jackson. „Clade-II-Mpox hat sich weltweit etabliert”, warnt der Infektiologe. Gleichzeitig melden mehrere Länder in Zentralafrika seit 2024 vermehrt Infektionen mit der gefährlicheren Clade-I-Variante. Auch Fälle außerhalb Afrikas wurden bereits registriert. Wie sich Mpox 2026 entwickeln wird, sei offen – zumal es zwar eine Impfung, aber keine gezielte Therapie gebe, sagt Jackson.
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Weniger bekannt, aber zunehmend relevant ist Jackson zufolge das Oropouche-Virus. Es wird durch Mücken und winzige Fliegen (Gnitzen) übertragen und verursacht schwere, grippeähnliche Symptome, die teils wochenlang anhalten. Erstmals wurde das Virus in den 1950er Jahren nachgewiesen. Mittlerweile gehört die Erkrankung in Brasilien zu den häufigsten Infektionskrankheiten, mit Zehntausenden Erkrankten pro Jahr.
„Es gibt immer noch viele unbeantwortete Fragen zum Oropouche-Virus und der dadurch verursachten Krankheit”, schreibt Jackson. Jahrzehntelang ging man davon aus, dass Infektionen beim Menschen nur im Amazonasgebiet auftreten. Doch seit den 2000er Jahren breitet sich das Virus immer weiter in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik aus.
„Verhindern, dass aus lokalen Infektionen globale Krisen werden”
„Die Stechmücke, die das Virus überträgt, kommt in ganz Nord- und Südamerika vor - auch im Südosten der USA”, schreibt Jackson. Reisende könnten deshalb auch 2026 vermehrt betroffen sein. Impfstoffe oder spezifische Medikamente existieren bislang nicht.
Daneben nennt Jackson weitere Sorgenkinder: Chikungunya-Ausbrüche, die ebenfalls von Stechmücken ausgelöst werden, könnten Reisende treffen, Masern nehmen weltweit wieder zu – begünstigt durch sinkende Impfquoten.
Auch HIV könnte trotz guter Medikamente wieder stärker um sich greifen, etwa durch Kürzungen internationaler Hilfsprogramme. Und schließlich bleibt dem Experten zufolge immer das Unbekannte: neue Viren, die durch Eingriffe in Ökosysteme plötzlich den Weg zum Menschen finden.
Jacksons Fazit fällt nüchtern aus: Mensch, Tier und Umwelt seien eng miteinander verbunden. Wachsamkeit, globale Überwachung und die Entwicklung neuer Impfstoffe und Therapien seien entscheidend, um künftige Ausbrüche einzudämmen, mahnt er. „Nur wer bekannte und neue Viren ernst nimmt, kann verhindern, dass aus lokalen Infektionen globale Krisen werden.” (Hedviga Nyarsik)
Dieser Artikel erschien zuerst bei ntv.de






























































