"Da stimmt etwas nicht!"

125 Passagiere im Flieger angesteckt und dann direkt positiv getestet?

Erst sind die Passagiere, die von Mailand nach Punjab (Indien) fliegen, negativ, dann plötzlich Corona-positiv. Kann das sein?
Erst sind die Passagiere, die von Mailand nach Punjab (Indien) fliegen, negativ, dann plötzlich Corona-positiv. Kann das sein?
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08. Januar 2022 - 10:25 Uhr

Corona-Verwirrung am Flughafen in Indien: Erst negativ, dann positiv getestet

Dieser kuriose Vorfall sorgt aktuell am Flughafen in Punjab für Chaos: 179 Passagiere wollten, per Charterflug, eigentlich nur von Mailand aus zurück in ihre indische Heimat fliegen. Doch dann kommt alles anders: Bei Ankunft werden die Reisenden erneut auf das Coronavirus getestet, 125 Tests fallen dabei positiv aus. Wie geht das denn sein? Schließlich wurden alle Passagiere schon vor Abflug, auf italienischem Boden, getestet – keinem der Passagiere kann eine Covid-19-Infektion nachgewiesen werden. Im Interview mit RTL erklärt Dr. Christoph Specht, wie es zu der Verwirrung kommen konnte. Verbreitet sich das Virus – und vor allem die tückische Mutation Omikron – wirklich SO rasant schnell?

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"Da stimmt etwas nicht!"

Kann es sein, dass man vor Abflug erst negativ und dann bei Ankunft positiv auf das Coronavirus getestet wird? Nein, sagt Dr. Specht. (Symbolbild)
Kann es sein, dass man vor Abflug erst negativ und dann bei Ankunft positiv auf das Coronavirus getestet wird? Nein, sagt Dr. Specht. (Symbolbild)
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Eigentlich sind auf den ersten Blick alle Corona-Regeln eingehalten worden: Weil Indien Italien als ein Land mit besonders hohem Omikron-Risiko einstuft, müssen sich alle Fluggäste am Mailänder Flughafen einem Corona-Test unterziehen. Doch genutzt hat das offenbar wenig, wo doch trotzdem rund 70 Prozent der Passagiere mit positivem Test in ihr Heimatland einreisen wollen.

Auch der Allgemeinmediziner und Medizinjournalist, Dr. Christoph Specht, findet die Situation äußerst bizarr: "Das kann eigentlich nicht sein, da stimmt etwas nicht." Seine Theorie: Die Tests könnten die Übeltäter sein. "Entweder waren die Tests in Italien oder die in Indien falsch, das kann schon mal passieren bei hohen Temperaturen." Er denkt nicht, dass das Coronavirus sich wirklich so schnell verbreitet hat: "Selbst bei einer schnellen Inkubationszeit, also von der Ansteckung bis zu den ersten Smyptomen, muss man mit Minimum zwei Tagen rechnen." Selbst die hochinfektiöse Omikron-Variante, die Ende November erstmals in Südafrika entdeckt wurde und mittlerweile ihr Unwesen in Europa treibt, würde nicht nach so kurzer Zeit nachweisbar sein.

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Dr. Specht: Ansteckung im Flieger extrem unwahrscheinlich

Specht erklärt: "Selbst wenn wir uns ein total extremes Szenario vorstellen: Wenn ein Passagier doch positiv war und der Test in Italien das nicht erfasst hat; wenn diese Person dann im Flieger alle anhustet, dann sind zwar im schlimmsten Fall alle infiziert – aber noch negativ. Eine Corona-Infektion wäre zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht nachweisbar." Die Viren des Infizierten müssten erst einmal in die Zellen des Anderen eindringen, die Maschinerie der Virus-Replikation müsste starten, die Zellen müssten kaputt gehen und so weiter – "das kann einfach gar nicht sein, dass das so schnell geschieht. Es sind immer die eigenen, von mir selbst gebildeten Viren, die bei einem Corona-Test nachgewiesen werden – und nicht die Generation der Viren, die ich zuvor abbekommen habe."

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Selbst wenn sich im Flugzeug alle angesteckt hätten, hätte man bei ihnen nie so schnell – nach etwa 15 Stunden – ein positives Testergebnis feststellen können. Der Allgemeinmediziner hält ein falsch-positives Ergebnis in Indien für am wahrscheinlichsten, er geht von einem Testfehler aus.

Eine zweite Theorie, "die aber unwahrscheinlicher ist als ein Sechser im Lotto: Alle waren schon vorher in Italien infiziert, lagen aber unter der Nachweisgrenze, sodass die Infektion erst nach Ankunft in Indien nachweisbar war." Aber davon geht Dr. Specht nicht aus.

Die frisch in Indien gelandeten Passagiere müssen jetzt erst einmal in Quarantäne. Was genau passiert ist, wird noch untersucht. (vdü)

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