Studie: Vorsicht vor "endokrinen Disruptoren"

Endometriose durch Kosmetik: Sollten wir jetzt auf bestimmte Produkte verzichten?

Magenkrämpfe, Blähungen und Bauchschmerzen können Symptome einer Endometriose sein.
Magenkrämpfe, Blähungen und Bauchschmerzen können Symptome einer Endometriose sein.
© iStockphoto, iStock, Biserka Stojanovic

19. April 2021 - 12:08 Uhr

Entfalten Cremes und Co eine unliebsame Wirkung?

Wenn es ums Essen geht, schauen wir mittlerweile oft sehr genau hin, was wir da zu uns nehmen. Aber bei Kosmetika herrscht oft noch eine eher große Bedenkenlosigkeit: Es wird ja nur auf die Haut aufgetragen! Dabei gelangen die Inhaltsstoffe von Cremes und Co auch in unseren Organismus - und können dort vielleicht sehr unliebsame Wirkung entfalten. Das legt auch eine Studie aus Spanien nahe: Sogenannte endokrine Disruptoren in Kosmetika könnten nämlich Endometriose begünstigen.

"Endokrine Disruptoren" ahmen Hormone nach

Forscher der Universität von Granada und dem San Cecilio de Granada Universitätsklinikum um Wissenschaftler Francisco M. Peinado haben für eine Studie verschiedene Kosmetikprodukte untersucht – von Gesichtscreme über Haarfarbe bis hin zum Nagellack. Das Ergebnis: In einigen der Beauty-Produkte wurden "endokrine Disruptoren" entdeckt. Darunter verstehen die Forscher "chemische Substanzen, die die Wirkung von Hormonen nachahmen oder blockieren können". Die Forscher glauben, dass diese "endokrinen Disruptoren" eine Erkrankung an Endometriose begünstigen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Environmental Research veröffentlicht.

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Studien-Autor rät zum Umstieg auf andere Produkte

Zu den endokrinen Disruptoren gehören beispielsweise Parabene und Benzophenone, die beide in der Kosmetik- und Schönheitsindustrie oft verwendet werden und zum sogenannten Exposom gehören. Unter dem Exposom versteht man in der Forschung die Gesamtheit aller Umwelteinflüsse und den damit verbundenen biologischen Reaktionen, denen ein Mensch in seinem gesamten Leben ausgesetzt ist. Angesichts der Tatsache, dass es immer noch keine Behandlung gibt, die eine Endometriose endgültig heilt, sei es deswegen wichtig, vorbeugende Maßnahmen zu etablieren. Francisco M. Peinado, der Hauptautor der Studie, rät deswegen, auf Produkte umzusteigen, die frei von endokrinen Disruptoren sind – oder diese weniger häufig zu verwenden.

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Parabene sind dem weiblichen Hormon Östrogen ähnlich

Die Müncher Gynäkologin Dr. Katrin Kayser erklärt uns: "Parabene sind Stoffe, die zur Konservierung eingesetzt werden, sie kommen in Kosmetikprodukten vor, in sämtlichen Cremes und teilweise sogar in Lebensmitteln." Es gebe einige Untersuchungen, die eine fragliche hormonolle Wirkung nachgewiesen haben wollen. Parabene seien dem typisch weiblichen Hormon Östrogen recht ähnlich. "Dadurch ist die Frage gegeben: Inwieweit kann jetzt ein Paraben doch irgendwelche Bereiche im Körper beeinflussen, die eigentlich durch Hormone getriggert sind", so die Gynäkologin.

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Grundsätzlich geringes Risiko durch Parabene

Parabene werden häufig in Gesichtscremes und Body Lotions verwendet, sie können auch mal in Make-ups vorkommen und auch Deodorants enthalten teilweise Parabene. "Tatsächlich sollte man sich die Inhaltstoffe von Kosmetikprodukten genau anschauen", rät Dr. Kayser. Grundsätzlich sei das Risiko gering, aber das sei eben auch sehr individuell – im Einzelfall könne das Risiko höher sein.

"Aber wenn man sich wohlfühlt und seit Jahren bestimmte Produkte angewandt hat, dann gibt es kein erhöhtes Risiko", sagt die Gynäkologin. Letztlich müsse das aber jede Frau für sich selbst entscheiden. "Manche Frauen reagieren bei sehr wenig einer bestimmten Substanz, während andere auch bei größeren Dosen keine Beschwerden hat."

Was ist Endometriose?

Bei der Endometriose kommt es zu Ansiedelungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Uterus. Diese gutartigen Wucherungen können Beschwerden wie Schmerzen oder Unfruchtbarkeit verursachen. Sie durchlaufen die hormonellen Veränderungen während des Zyklus der betroffenen Frau ebenso wie die in der Gebärmutter befindliche Schleimhaut. Nach Myomen ist die Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung.

Schätzungsweise um die vier bis zwölf Prozent der Frauen leiden darunter. Eine genauere Bestimmung ist nicht möglich, da sie oft gar nicht oder erst spät erkannt wird. Eine Endometriose kann starke Schmerzen und andere Beschwerden verursachen, sie kann aber auch völlig symptomfrei verlaufen. Mehr über die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung erfahren Sie hier!

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