Gefahr durch Dauerstress im Alltag

Wie die Seele das Herz krank macht

Dauerhafte seelische Belastung kann das Herz angreifen.
Dauerhafte seelische Belastung kann das Herz angreifen.
© iStockphoto, SIphotography

29. August 2020 - 9:40 Uhr

Wenn Sorgen und Stress uns körperliches Leid bereiten

Stress, Hektik und Überforderung nehmen in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer mehr zu. Dank E-Mails und Smartphones sind wir rund um die Uhr erreichbar - nicht nur für Freunde, sondern auch für den Chef. Immer mehr Menschen plagen Zukunftssorgen – vor allem in der aktuellen Corona-Pandemie, in der viele um ihre Jobs, die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen bangen. Dass solche seelischen Sorgen uns auch körperliches Leid bereiten können, wird bereits seit Jahren wissenschaftlich untersucht. Neben Magen-Darm-Beschwerden oder Hautkrankheiten wie Neurodermitis zeigen sich die gesundheitlichen Auswirkungen psychischer Überbelastung auch durch Herzprobleme – und die können im Ernstfall lebensbedrohlich sein.

An welchen Warnzeichen erkennt man also, ob der Stress das Herz angreift? Wir haben mit Dr. Rainer Schubmann, Chefarzt der Kardiologie an der Dr. Becker Klinik Möhnesee, dazu gesprochen. Er erklärt, welche Herzerkrankungen durch Stress ausgelöst werden, wie Sie diesen vorbeugen können – und warum Frauen der Stress manchmal mehr "ans Herz geht" als Männern.

Diese Herzerkrankungen können durch psychischen Stress ausgelöst werden

Stress kann viele Gründe haben: Konflikte in der Familie, eine schwere Krankheit, Prüfungsstress oder Zukunftsängste, um nur wenige Beispiele zu nennen. In seinem Beruf begegneten ihm jedoch besonders viele Patienten, die unter chronischem Stress am Arbeitsplatz leiden, erzählt der Chef-Kardiologe Dr. Schubmann. "Auch Corona hat dazu geführt, dass viel mehr Menschen ängstlich sind." Viele seiner Patienten sorgten sich vor dem weiteren Verlauf der Pandemie und fühlten sich verunsichert. Wenn Stress einen Menschen dauerhaft belaste, erklärt der Chefarzt, könne sich das Risiko einer sogenannten koronaren Herzerkrankung erhöhen. Denn dadurch werde begünstigt, dass sich Verkalkungsstrukturen in den Herzkranzgefäßen einlagern. Auch eine Herzrhythmusstörung könne durch Dauerstress auftreten. "Das nennt sich Vorhofflimmern", erklärt der Experte. Am häufigsten betroffen von solchen stressbedingten Herzerkrankungen seien Menschen ab 55. Bei Jüngeren sei der Hauptrisikofaktor für eine koronare Herzerkrankung eher das Rauchen oder eine Diabetes.

Generell sei zu beachten, so Dr. Schubmann, dass fast keine Herzerkrankung ausschließlich durch psychischen Stress, sondern meist auch durch körperliche Faktoren, ausgelöst werde. Mit einer Ausnahme – dem sogenannten Broken-Heart-Syndrom!

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Broken-Heart-Syndrom

Wenn eine Beziehung zu Ende geht oder ein geliebter Mensch stirbt, kann es sich nicht nur sprichwörtlich so anfühlen, als ob das Herz in tausend Teile zerbricht. Starke Gefühle können tatsächlich eine schwere Herzkrankheit auslösen: das Broken-Heart-Syndrom! Auch Gabriele Diederich aus Bremen hat am eigenen Leib erfahren, dass Stress schnell auf die Gesundheit schlagen kann. Wie die Bremerin die Krankheit bemerkt hat und wie es ihr heute geht, das sehen Sie im Video.

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Video: Herzen können wirklich brechen - Bremerin leidet am Broken-Heart-Syndrom

Warum Frauen besonders häufig betroffen sind

Frauen sind besonders häufig vom Broken-Heart-Syndrom betroffen. Das liegt jedoch nicht etwa daran, dass Frauen feinfühliger sind als Männer – der Grund liegt in der Anatomie ihres Herzens. "Die Herzspitze von Frauen ist mit mehr Nerven versorgt als das restliche Herzmuskelgewebe", erklärt Dr. Schubmann. Leiden Frauen unter extremem Stress, könne es passieren, dass die Nervenenden an der Herzspitze dafür sorgen, dass sich die Adern im Herzen stark zusammenziehen, so der Kardiologe. Dadurch werde eine normale Durchblutung verhindert und es entstehe eine Symptomatik wie bei einem akuten Herzinfarkt. Und das kann übrigens nicht nur durch negativen, sondern auch durch positiven Stress ausgelöst werden! Auch ein Lottogewinn von einer halben Million könne diesen Effekt haben, so der Chefarzt. Die Gute Nachricht: Das Broken-Heart-Syndrom sei in den meisten Fällen kein Todesurteil, sondern gut behandelbar. Bei fast allen Patienten dauere die Behandlung im Krankenhaus sogar nur etwa zwei bis drei Tage, erklärt Dr. Schubmann.

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Stress und Sorgen ums Herz: Wann Sie zum Arzt gehen sollten!

Potenzielle Herzprobleme sollten Sie niemals auf die leichte Schulter nehmen! "In dem Moment, wo Sie unter Belastungsbedingungen so etwas wie ein Druckgefühl auf dem Brustkorb, ein Ziehen im Arm, Atembeschwerden oder Schwindel bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen", rät Dr. Schubmann. Bei Frauen können die Symptome jedoch auch ganz anders aussehen: "Bei Frauen ist es häufig so, dass sie Beschwerden im Oberbauch oder im Rücken zwischen den Schulterblättern verspüren", so der Kardiologe.

Was hilft, um vorzubeugen?

Was also tun, wenn man sich einer ständigen psychischen Belastung ausgesetzt sieht und Angst hat, damit auf Dauer dem Körper zu schaden? Für Kardiologe Dr. Schubmann liegt der Schlüssel in regelmäßiger körperlicher Aktivität! Radfahren, schwimmen, wandern, walken – Hauptsache, es macht Spaß und wird deshalb viel und gerne in den Alltag eingebaut. Auch Achtsamkeitstrainings wie Meditation könnten helfen, so der Arzt. Das Problem dabei sei jedoch, dass diese nicht sofort zur Stressreduktion beitrügen, da man das Abschalten erst einmal trainieren müsse.

Hier finden Sie 3 leichte Atemübungen, die Ihnen helfen Stress besser abzubauen. Im Video sehen Sie, mit welcher Atemtechnik Sie nachts schneller einschlafen.

Video: Schneller einschlafen mit der 4-7-8-Atmung