Fragen und Antworten

EMA lässt Corona-Impfstoff für Kinder ab 5 Jahren zu - was Eltern wissen sollten

Die EMA hat Biontech für Kinder ab 5 Jahren zugelassen. Die Empfehlung der Stiko steht noch aus.
Die EMA hat Biontech für Kinder ab 5 Jahren zugelassen. Die Empfehlung der Stiko steht noch aus.
© iStockphoto, David Pereiras

25. November 2021 - 16:08 Uhr

EMA gibt das Go für die Corona-Impfung von Kindern

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich entschieden: Der Corona-Impfstoff der Hersteller Pfizer/Biontech ist jetzt auch für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassen. Bislang gab es in der EU noch keinen zugelassenen Corona-Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahre. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht noch aus – diese soll bis Jahresende kommen. Bedeutet die Entscheidung einen Durchbruch in der Pandemie-Bekämpfung? Und was sollten Eltern wissen, wenn es um die Corona-Impfung ihres Kindes geht? Wir klären alle Fragen.

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Wird die Stiko eine Impfempfehlung für Kinder von 5 bis 11 Jahren aussprechen?

Dr. Christoph Specht geht nicht davon aus, dass die Stiko eine generelle Impfempfehlung aussprechen wird. Dies werde wahrscheinlich lediglich bei vorerkrankten Kindern passieren, so der Mediziner. "Ich fürchte, die Stiko wird von der Politik gedrängt werden, sehr schnell eine Entscheidung pro Impfung zu treffen", sagt Specht. "Das wird sich die Stiko aber gut überlegen. Denn eine Impfung ist ein medizinischer Eingriff, bei der Nutzen und Risiko in einem vernünftigen Verhältnis stehen müssen."

Wie hoch ist der Nutzen einer Corona-Impfung bei Kindern?

Da sind sich die Experten uneins. Prof. Dr. Thorsten Lehr, Apotheker und Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, sieht in der Impfung einen großen Nutzen: "Wir sehen, dass die Inzidenz bei den Kindern im Alter zwischen fünf und 14 Jahren am höchsten ist. Deswegen ist es ein wichtiges Signal, um die Kinder zu schützen."

Dieser Auffassung ist auch Epidemiologe Prof. Dr. Timo Ulrichs: "Wir wollen natürlich auch so früh wie möglich eine Immunität herbeiführen, damit diese Kinder bis zur Impfung nicht noch gefährdet sind", sagt er. "Auch wenn das Risiko sehr gering ist, dass da schwere Erkrankungen erfolgen, gibt es das Risiko von Long-Covid-Verläufen."

Dr. Christoph Specht hingegen sagt, dass der Nutzen einer Corona-Impfung bei Kindern nicht hundertprozentig klar sei, weil das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs in der Altersklasse verschwindend gering sei. "Deswegen muss die Impfung noch sicherer sein und noch weniger Nebenwirkungen haben als bei Erwachsenen. Die Nebenwirkungen müssen vertretbar sein und dürfen nicht zu oft auftreten", so Specht.

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Ist die Corona-Impfung überhaupt für Kinder geeignet?

Dr. Specht stellt klar: "Wir verbinden Impfungen üblicherweise mit Kindern. Wir impfen Kinder gegen Kinderkrankheiten. Deswegen denken viele, dass die Corona-Impfung auch gut für Kinder sein muss. Das ist falsch!", sagt der Mediziner. "Gegen Kinderkrankheiten impfen wir, weil sie hauptsächlich Kinder betreffen und auch schwere Folgen haben können, wie Masern, Mumps oder Röteln."

Bei der Corona-Erkrankung sei das aber völlig anders, weil diese vor allem die Älteren und Kranken belaste. Kinder seien kaum betroffen, weil sie sich zwar infizieren könnten, aber selten einen schweren Verlauf hätten. Spechts Fazit: "Deswegen muss man sich die Corona-Impfung bei Kindern genau überlegen!"

Wie hoch ist die Impfstoff-Dosierung und gibt es Nebenwirkungen?

Kinder ab fünf Jahre sollen von dem Biontech-Impfstoff nur ein Drittel der Erwachsenen-Dosis erhalten und zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Die EMA betonte, dass das Vakzin nach Studien sicher und effektiv sei. Bisher seien keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden, allenfalls milde Reaktionen wie Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Die Experten hatten seit Oktober Studien der Hersteller geprüft.

Ab wann soll geimpft werden?

In Deutschland stehen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab dem 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder zur Verfügung. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten. (reuters, dpa, rtl.de)