Was bleibt?

In sechs Monaten ist Schluss: Angela Merkels Amtszeit geht auf die Zielgerade

29. März 2021 - 8:57 Uhr

Angela Merkel - Die ewige Kanzlerin

Wenn in genau sechs Monaten, am 26. September 2021, das Endergebnis der Bundestagswahl feststeht, ist Angela Merkel nur noch Teil der Geschichtsbücher. Soviel steht fest. In den letzten Tagen, Wochen und Monaten bleibt vor allem die durchwachsene Corona-Politik in Erinnerung. In 16 Jahren im Kanzleramt hat Angela Merkel einiges erlebt, viele Gipfel verhandelt und einige große Entscheidungen getroffen.

Aber was hat Merkel Deutschland gebracht? Wie geht sie in die Geschichtsbücher ein – und welche Baustellen kommen jetzt auf uns zu?

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Amtszeit von Merkel - Die nackten Zahlen

In diesem Herbst wird eine Ära zu Ende gehen. Vor allem jüngere Deutsche kennen nur einen Fußball-Bundestrainer, einen Jury-Kopf bei Deutschlands erfolgreichster Castingshow DSDS und eben auch nur eine Bundeskanzlerin. Aber alle drei Personalien werden sich im Herbst zwangsläufig ändern.

Eins ist schon jetzt klar: Merkels Amtszeit hat einige Rekorde zu bieten.

  • Mit 16 Jahren im Kanzleramt hält Merkel zusammen mit Helmut Kohl den Rekord für die längste Amtszeit
  • Als sie 2005 Kanzlerin wird, ist sie erst 51 und damit die jüngste Bundeskanzlerin der Geschichte
  • Sie ist die erste ostdeutsche Bundeskanzlerin
  • Seit dem 26. März 2014 ist sie die am längsten amtierende Regierungschefin der Europäischen Union

Angela Merkel als Bundeskanzlerin: Meilensteine ihrer Amtszeit

Aber Angela Merkels Amtszeit ist mehr als Rekorde. Denn die Bundeskanzlerin hat sich in ihrer Amtszeit vor allem auch durch lange Verhandlungsnächte und eine klare Marschrichtung einen Namen gemacht. Ob in Verhandlungen über EU-Finanzhilfen für Griechenland oder die monatelangen Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen nach der Bundestagswahl 2017, Merkel gilt als harte Verhandlungspartnerin.

Und meistens setzt sie ihre Vorstellungen auch durch. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie als Folge des Atomunglücks in Fukushima und ihrem fast schon legendärer Satz "Wir schaffen das" in der Flüchtlingskrise setzt Merkel neue Maßstäbe in der Politik.

Besonders in der CDU gilt sie bis 2018 als unangefochtene Parteivorsitzende und Wahlkämpfe der Partei werden exakt auf sie als Person zugeschnitten. Das Bild von "Mutti Merkel" entsteht.

Aber die Kritik an ihr wächst. Während viele Merkel dafür feiern, dass sie in der Flüchtlingskrise 2015 mehr als eine Million Geflüchtete in Deutschland aufgenommen hat, sind andere voller Hass und verschaffen u.a. der AfD große Zugewinne bei den darauffolgenden Wahlen. Als die Union bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern dramatische Verluste einfährt, kündigt sie ihren Rückzug an – ihre unangefochtene Macht bröckelt.

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Corona: Merkels Pandemie-Kurs

Als 2020 die Corona-Pandemie Deutschland erreicht, verfolgt Merkel bei den immer wiederkehrenden Corona-Sitzungen mit den Ministerpräsidenten der Länder eigentlich ihren alten klaren Kurs. Sie will eher vorsichtig agieren und lieber mehr Einschränkungen beschließen, um das Virus schneller in den Griff zu bekommen. Aber die Entscheidung liegt nicht allein in ihrer Hand und sie muss sich der Meinung vieler Kritiker auch unter den Ministerpräsidenten beugen. Die Entscheidungen, die sie hat, gibt sie aus der Hand und lässt den Bundesgesundheitsminister und die EU-Kommission vor allem in Sachen Impfstoff agieren.

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Während des vergangenen Corona-Gipfels schien es so, als wollte Merkel zu ihrer alten Verhandlungstaktik zurück und eine klare Marschrichtung vorgeben. Sie scheiterte mit ihrem Vorschlag zur Osterruhe aber an der Umsetzbarkeit und der Kritik der Wirtschaftsverbände. Es ist ein Rückschlag – ein weiterer. Es folgt ein denkwürdiger Auftritt, bei dem sie sich bei allen Deutschen für die Osterruhe entschuldigt und alle Schuld auf sich nimmt.

Nach der Bundestagswahl Wie geht es ohne Merkel weiter?

All das zehrt an Angela Merkel. Im exklusiven Interview mit RTL sagt sie: "Ich wache auch schon mal nachts auf und denke über Dinge nach. Ich meine, das ist auch für mich eine schwierige Zeit. Ich möchte bei den Entscheidungen die Sachen auch gut durchdacht haben."

Aber Angela Merkel wäre nicht Angela Merkel, wenn sie nicht bis zum letzten Tag ihrer Amtszeit versuchen würde, die Pandemie in den Griff zu bekommen. "Wir müssen etwas tun. Es nützt nichts den ganzen Tag zu kritisieren", sagte Merkel in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag. Was genau sie aber tun will, bleibt genauso offen, wie die Frage, ob sie sich dabei gegen die 16 unterschiedlichen Herangehensweisen der Länder durchsetzen kann.

Geht es allerdings um ihre Nachfolge im Kanzleramt - sollte die CDU das Rennen machen - ist die Sache für die Deutschen ziemlich klar. Wie eine repräsentative RTL-Forsa-Umfrage herausgefunden hat, würden 35 Prozent der Deutschen Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder zum Kanzler wählen. Im Vergleich: CDU-Chef Armin Laschet kommt nur auf 18 Prozent.