Schwere Vorwürfe nach internen Ermittlungen

Gil Ofarims Anwalt stellt vom Hotel finanzierten Bericht infrage

28. Oktober 2021 - 8:36 Uhr

Fall Gil Ofarim: Was ist in der Lobby des Leipziger Hotels "Westin" wirklich passiert?

Wer sagt die Wahrheit im Davidstern-Skandal? Nach einem internen Untersuchungsbericht einer Rechtsanwaltskanzlei stützt kein Zeuge die Behauptung Gil Ofarims, in der Lobby des Hotels "Westin" in Leipzig antisemitisch beleidigt worden zu sein. Schlimmer noch: Er soll den Mitarbeitern des Hotels sogar gedroht haben, ein Video hochzuladen, das "viral gehen" werde. Jetzt schlägt Ofarim mit einem Schreiben seines Anwalts zurück, das RTL vorliegt. Alle weiteren Erkenntnisse in diesem Fall erfahren Sie oben im Video.

Im Video: So schilderte Ofarim erstmals den Vorfall

Interner Bericht diene nicht der Wahrheitsfindung

Gil Ofarims Anwalt stellt den "sogenannten Untersuchungsbericht des Hotels" in einer Mitteilung von Mittwoch infrage. Der Musiker habe mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft von Anfang an verabredet, dass er nicht einer vom Hotel beauftragten Untersuchung zuarbeiten werde.

"Nach meiner Auffassung sollten die Ermittlungen auch weiterhin der verantwortlichen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vorbehalten bleiben, die sehr engagierte Arbeit leisten", heißt es in dem Schreiben.

"Ein vom Hotel bezahlter Untersuchungsbericht wird genauso wie zuvor an die Medien gespielte unvollständige Videosequenzen kein Beitrag zur Wahrheitsfindung sein", so Anwalt Markus Hennig. Die Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Antisemitismus erfordere eine ernsthafte Auseinandersetzung.

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Im Video: Drohte Gil Ofarim dem Hotel mit "Viral-Video"?

Bericht weckt Zweifel an Ofarims Schilderung

Vor rund zwei Wochen sorgte der Vorfall in der Lobby des Hotels "Westin" in Leipzig für einen Skandal, der international für einen Aufschrei sorgte. Ofarim soll dort aufgefordert worden sein, seine Davidsternkette wegzustecken, andernfalls dürfe er nicht im Hotel einchecken. Das behauptete er in einem emotionalen Video auf Instagram.

Das betroffene Hotel engagierte daraufhin die Rechtsanwaltskanzlei Pauka & Link, die interne Ermittlungen eingeleitet hat. In einem jetzt veröffentlichten 118 Seiten langem Abschlussbericht, der der "Zeit" vorliegt, werden Zweifel an Ofarims Schilderungen laut.

Demnach berichten Augenzeugen, dass nicht etwa der Davidstern um Ofarims Hals für Auseinandersetzungen gesorgt haben soll, sondern Ofarims Unmut darüber, der Hotelmitarbeiter würde andere Gäste bevorzugt behandeln. Den Zeugenaussagen nach, habe Ofarim daraufhin gedroht, ein Video hochzuladen, das viral gehen und dem Hotel schaden werde. Auch ein Überwachungsvideo, das RTL vorlag, diente den internen Ermittlern.

Staatsanwaltschaft liegen mehrere Anzeigen zum Fall vor

Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen derzeit einige Anzeigen in diesem Fall – auch die des beschuldigten Hotelmitarbeiters. Er wirft Ofarim Verleumdung vor. Auch der Musiker stellte Anzeige gegen den Mitarbeiter.

Laut Staatsanwaltschaft sei nicht abzusehen, wie lange sich die Ermittlungen noch hinziehen werden. Ofarim will jedenfalls auf das Ergebnis warten, wie sein Anwalt mitteilte. (mor)