Infektion statt Impfung!?

Leberkäspartys: Wie Ungeimpfte in Bayern feiern, um sich extra anzustecken

In Bayern stecken sich einige Menschen aktuell mit dem Coronavirus auf sogenannten Leberkäspartys an.
In Bayern stecken sich einige Menschen aktuell mit dem Coronavirus auf sogenannten Leberkäspartys an.
© mediaphotos

25. November 2021 - 15:53 Uhr

Gefährlicher Trend macht vor allem in Bayern die Runde

Seit fast zwei Jahren wird vor einer Infektion mit dem Coronavirus gewarnt. Um sich zu schützen, gibt es nicht umsonst Hygienemaßnahmen und die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Obwohl schon viele Deutsche dieses Angebot wahrgenommen haben, gibt es immer noch Unschlüssige, Skeptiker und all diejenigen, die eine Impfung gänzlich ablehnen.

Zu letzteren dürften womöglich auch die Personen zählen, die Coronapartys und sogenannte "Leberkäspartys" in Bayern besuchen, von denen immer wieder berichtet wird. Dort treffen sie sich, um sich absichtlich mit Covid-19 zu infizieren. Denn: Danach gelten sie als genesen, sind nicht mehr so stark eingeschränkt und müssen sich vorerst nicht mehr impfen lassen. Dass Ungeimpfte mit einer gezielten Infektion jedoch ihre Gesundheit riskieren, liegt auf der Hand.

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Partys sind Corona-Hotspots

Über die RTL-Zuschauerpost hat uns eine Nachricht einer Person erreicht, die im südlichen Bayern lebt und im privaten Umfeld schon einiges über die Leberkäspartys in bestimmten Landkreisen gehört hat. An sich handele es sich dabei um eine Mottoparty, wo es an dem Abend Leberkäse zu essen gibt; ähnlich der "Spritzenparty" im oberbayerischen Münsing, wo Jugendliche Alkohol aus Spritzen ausgeschenkt haben.

Wie der Zuschauer weiter berichtet, sollen zum Beispiel Jugendliche, die viel unterwegs sind, immer wieder von diesen Partys erzählen, es werde im Privaten viel darüber gesprochen. Handelt es sich dabei etwa um Corona-Partys, um echte Hotspots, wo Corona-Infektionen weiter gegeben werden?

Auch die Münchner Abendzeitung hat schon von den kuriosen Partys berichtet. In einem Interview spricht der Landrat des Kreises Miesbach, Olaf von Löwis, über die Absurdität der Feiern. Besonders der Landkreis Miesbach ist von der aktuell vorherrschenden vierten Corona-Welle stark betroffen und hat eine Inzidenz von über 700 (Stand: 24. November). Der 67-Jährige erzählt der Zeitung: "Wir haben bereits von Corona-Partys in unserem und auch in anderen Landkreisen gehört. Nun wurde mir berichtet, dass es die sogenannten Leberkäspartys gibt, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Es soll so ablaufen, dass eine Person, die Corona hat, zur Leberkäsparty einlädt, und die anderen, die bisher nicht infiziert waren, kommen, um sich zu infizieren." Er selbst finde das furchtbar.

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Sich absichtlich infizieren zu wollten bringt einen selbst und auch andere in Gefahr

Ein Teenager schaut in die Kamera und trägt eine Mund-Nasenschutz-Maske.
Sich absichtlich mit Covid-19 zu infizieren ist gefährlich.
© imago images/Westend61, Jan Tepass via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wer genau hinter dem Organisieren der Leberkäspartys steckt, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen. Es wird jedoch stark vermutet, dass die Partyteilnehmer womöglich gegen eine Corona-Impfung sind und sich lieber infizieren wollen, um danach den Status eines Genesenen zu erhalten. Denn dann wären sie erst einmal sechs Monate lang von allen Corona-Maßnahmen befreit. Dies erzeuge allerdings den Eindruck, "dass sich mit Corona zu infizieren eine ganz leichte Angelegenheit sei, was natürlich überhaupt nicht der Realität entspricht", sagt Olaf von Löwis weiter. Man riskiere dadurch nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die der Familien und Angehörigen. Dass auch andere Menschen dadurch gefährdet werden, finde von Löwis "unverantwortlich und rücksichtslos. Man sollte keinesfalls mit so einer Leichtfertigkeit auf Corona zugehen."

Wie es im ohnehin gebeutelten Landkreis Miesbach weitergeht, wird sich zeigen. Der Landrat wünscht sich jedoch, "dass die Leute nicht nur auf Verordnungen von oben warten, sondern gesunden Menschenverstand walten lassen." Und dazu gehört, sich nicht auf Leberkäspartys rumzutreiben, um sich dort mit Covid-19 zu infizieren. Gegenüber RTL erklärt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, dass das Phänomen der Partys zwar bekannt sei, ihnen aber bisher keine polizeilichen Fälle geläufig sind. Auch eine Pressesprecherin des Landratsamt Miesbach wiederum erklärt auf RTL-Anfrage, dass ihnen "keine bestätigten Informationen zu derartigen Partys bekannt sind." Trotzdem machen Informationen über die Leberkäsparty weiter die Runde.

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Auch Dr. Zinn hat bereits von den Partys gehört

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, hat von dem "Phänomen" gehört und eine klare Meinung dazu: "Ja, das ist ja mittlerweile ein fester Ausdruck, dass besonders junge Leute sich extra für solche Partys in Bayern, in Süddeutschland verabreden, um sich anzustecken. Das ist meines Erachtens ziemlich gefährlich." Im letzten Sommer schon gab es solche Ansteck-Feten unter Studenten in den USA, wo es sogar zu einigen Todesfällen gekommen ist. "Es ist wahnsinnig gefährlich für einen selbst, andererseits kann man natürlich auch Freunde und Familie anstecken und – last but not least – selbst schwerst an Corona erkranken." Dr. Zinn fasst das Ganze RTL gegenüber als "großen Unsinn" zusammen. Sich absichtlich mit Covid-19 infizieren zu wollen, davon könne man nur jedem abraten.

"Noch mehr macht feiern Spaß, wenn man doppelt geimpft ist. Zumal das auch dabei hilft, dass die Pandemie irgendwann mal zu Ende ist und wir alle zusammen feiern können." Der Appell des Mediziners lautet also: "Leberkäspartys sind saugefährlich und Unsinn. Bitte impfen lassen stattdessen!" (vdü)

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