Bürgermeister von Berlin-Mitte steckt sich angeblich bewusst an

Ist es sinnvoll, sich absichtlich mit dem Coronavirus zu infizieren?

04. April 2020 - 18:50 Uhr

Was hilft im Kampf gegen das Coronavirus?

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Die Grünen), ist an Covid-19 erkrankt. Doch seine Infektion sei angeblich bewusst gewesen, wie der Grünen-Politiker in einem rbb-Interview zugibt. Auch der Motorsportberater des Formel-1-Teams von Red Bull, Helmut Marko, hat vorgeschlagen, die Fahrer absichtlich mit dem Coronavirus zu infizieren, damit sie zu Saisonbeginn wieder fit und immun sind. Doch was genau steckt hinter dieser Idee? Sind solche Äußerungen sinnvoll oder nicht doch eher gefährlich? Wir haben mit mehreren Experten gesprochen.

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Absichtlich mit Corona infizieren - fahrlässig oder gefährlich?

Grundsätzlich klingt die Idee plausibel: Sich bewusst mit dem Coronavirus anstecken und darauf warten, dass man danach immun ist. An und für sich würde eine solche Herdenimmunität - sei es durch Infektion oder durch Impfung - gegen einer massive und exponentielle Ausbreitung des Coronavirus helfen. "Das ist das Szenario, was wir irgendwann erreichen werden und damit ist der Ausbruch dann auch vorbei", erklärt der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit. 

Doch was in der Theorie plausibel klingt, bringt in der Praxis bedeutsame und gefährliche Probleme mit sich. Prof. Schmidt-Chanasit hält eine absichtliche Infizierung für unethisch und warnt vor dem nicht einkalkulierbaren Risiko möglicher Todesfälle. Denn auch junge und scheinbar gesunde Menschen können schwerwiegend an Covid-19 erkranken oder sogar sterben.

"Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, aber man gefährdet durch eine Ansteckung auch andere", mahnt Prof. Schmidt-Chanasit. "Man weiß nicht, wann die Erkrankung ausbricht und wann man infektiös ist. Das ist hochriskant." Denn mit einer bewussten Ansteckung bei Jüngeren würde sich automatisch auch das Risiko für Ältere und andere gefährdete Gruppen erhöhen.

Eine Immunisierung der Gesellschaft findet aktuell so oder so statt

Neben Patienten mit Symptomen gibt es zahlreiche Infektionen, die unbemerkt verlaufen. Beim Kampf gegen das neuartige Coronavirus geht es darum, Neuinfektionen weitestgehend abzubremsen. Ansonsten könnte die Anzahl der Menschen, die eine intensive medizinische Behandlung benötigen, rasant ansteigen und unser Gesundheitssystem überlasten. Dies gilt es zu vermeiden. Experten sprechen dabei von "flatten the curve".

Bin ich definitiv immun, wenn ich mich einmal angesteckt habe?

Wenn wir uns mit dem Coronavirus infiziert haben, sind wir für eine gewisse Zeit immun. Viele Experten und auch Prof. Schmidt-Chanasit gehen davon aus, dass die Immunität mindestens mehrere Monate, wenn nicht sogar ein bis zwei Jahre anhält. Und auch nach dieser Zeit wäre eine erneute Infektion für die Betroffenen weniger gefährlich, da der Körper eine Teilimmunität entwickelt habe. "Schwere Verläufe bei einer sequentiellen Infektion - also einer weiteren Infektion - bleiben aus", bestätigt Prof. Schmidt-Chanasit.

AUDIO NOW-Podcast: "Wir und Corona"

Zerstört das Coronavirus Europa? Was geschieht in unseren Nachbarländern – vor allem in Frankreich, Deutschlands wichtigstem Partner und was heißt jetzt Solidarität? In der siebten Folge von "Wir und Corona", dem gemeinsamen Podcast von Stern und RTL, spricht Host Florian Güßgen mit dem Journalisten, Autor und Frankreich-Kenner Ulrich Wickert. Er beschreibt, wie genau die Ausgangssperre in Frankreich gehandhabt wird, schildert die Reaktionen seiner französischen Freunde, spricht über Europa – und darüber, wie ältere Menschen jetzt Solidarität zeigen können.

​RTL.de-Doku: Stunde Null - Teil 2: Wie besiegen wir Corona?!

Welcher Weg führt am schnellsten aus der Krise? Wie können wir das Corona-Virus bekämpfen? Damit beschäftigt sich der zweite Teil der TV NOW-Dokumentation "Stunde Null – Wettlauf mit dem Virus".