Bundesnetzagentur warnt: "Ohne Strom funktioniert unser Leben nicht“

Droht uns im Winter ein kompletter Blackout wegen Heizlüftern?

Hersteller reagieren mit Innovationen auf Stromteuerung Energieeffizienz auf IFA Thema Nr. 1
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Energieeffizienz auf IFA Thema Nr. 1
Hersteller reagieren mit Innovationen auf Stromteuerung

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Die ersten Regentage kündigen den Herbst an und bei vielen Deutschen wächst du Sorge vor hohen Heizkosten im Winter. Wie praktisch, wenn man einen sogenannten Radiator oder Heizlüfter zu Hause hat. Strom statt Gas – das klingt angesichts der hohen Gaspreise doch vernünftig. Doch die Bundesnetzagentur warnt: Wenn alle Deutschen jetzt auf Elektro-Heizen umstellen, könnte das zu großflächigen Stromausfällen führen.

Experte: Blackout, "theoretisch ja!"

Blackout. Dieser Begriff hat im Bewusstsein der Deutschen fast einen ähnlich schlimmen Klang wie „Super-GAU“. Aber kann es im Winter zu so einem flächendeckenden Stromausfall – einem Blackout – kommen. „Theoretisch ja“, sagt Frank Umbach, Energieexperte am Cassis Institut für Sicherheitsfragen der Universität Bonn. „Die Gefahr ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen“, so Umbach. Wenn tatsächlich alle 600.000 in Deutschland vorhandenen Heizlüfter gleichzeitig eingeschaltet würden, könne das zu Versorgungsengpässen führen.

Das größte Problem sei, so Umbach, dass zusätzlich zur Gasknappheit auch die verbleibenden Atomkraftwerke – zumindest vorerst – vom Netz gingen. Damit greift der Experte auch die Kritik der Opposition im Deutschen Bundestag auf. Die Union fordert nämlich schon länger eine Laufzeit-Verlängerung der verbliebenen drei deutschen Atomkraftwerke über Dezember 2022 hinaus.

Umbach: Es muss viel zusammenkommen

Aber kann die Nutzung von 600.000 Heizlüfter wirklich dazu führen, dass 82 Millionen Menschen im Dunkeln sitzen? „Nein, nicht die alleine“, stellt Energieexperte Umbach klar. „Es hängt immer auch davon ab, wie viel Strom die Nachbarstaaten zur Verfügung haben, wie viel Strom Deutschland auch an seine Nachbarstaaten exportieren muss.“ Es muss also schon mehr zusammenkommen.

Umbach zeichnet aber im RTL-Interview ein Szenario, das nicht völlig ausgeschlossen ist. „Nehmen wir mal ein Szenario mit einem ungewöhnlich kalten Winter und wir haben im Januar, wie oft im Januar, eine so genannte Dunkel-Flaute, wo wenig Windstrom (und Solarstrom, Anm. der Radaktion) gar nicht ins Netz kommt (...) Wenn dann 600.000 Heizlüfter relativ gleichzeitig eingeschaltet werden, kann es zu solchen Problemen kommen.

Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur hält einen Blackout zwar für möglich, aber auch für sehr unwahrscheinlich. Trotz der hohen Gaspreise seien Heizlüfter bedeutend teurer im Verbrauch als Gasheizungen.
RTL

Bundesnetzagentur: Heizlüfter sind ineffizient

Ein flächendeckender Blackout ist also eher unwahrscheinlich. Der Sprecher der Bundesnetzagentur Fiete Wulff, also der Überwacher der Strom- und Gasnetze in Deutschland, wird sogar noch deutlicher. „Dass viele Menschen gleichzeitig ihren Heizlüfter einsetzen, ist ein Szenario, das es regional, in Stadtteilen, in bestimmten Netzbereichen zu Ausfällen kommt. Sie sind regional begrenzt und keine lang anhaltenden Ausfälle.“

Ganz sorgenfrei ist aber auch die Bundesnetzagentur mit Blick auf den kommenden Winter nicht. Es gebe zwar Grund zur Sorge, weil Gas im Winter tatsächlich knapp sein könnte. „Heizlüfter seien aber die falsche Antwort“, so Wulff. Sie seien zudem im Verbrauch auch erheblich teurer als das Heizen mit Gas – selbst bei den aktuell hohen Gaspreisen. „Es wird (außerdem) immer darum gehen sicherzustellen, dass private Haushalte heizen können (...) Private Haushalte sind da geschützt.“

"Legen Sie Vorräte an"

Trotzdem rät der Energie- und Sicherheitsexperte, sich vorzubereiten. Denn auch ein regional begrenzter, länger andauernder Stromausfall könne „drastische Auswirkungen“ haben, so Umbach.

Deshalb rät der Experte: Legen Sie Vorräte mit Dingen an, die Sie sonst auch täglich brauchen.

Die Checkliste des Experten

  • Kerzen
  • Taschenlampen und Batterien
  • ein nicht-digitales Radio (mit Batterien)
  • Mindestvorrat an nicht verderblichen Nahrungsmitteln
Denn trotz des unwahrscheinlichen Szenarios macht Experte Umbach deutlich: „Ohne Strom funktioniert unser Leben nicht. Wir sollten Respekt vor einem möglichen Blackout haben.“ (sst)

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