Vier Monate alter Sohn stirbt auf Sylt

Baby Filip totgeschüttelt: Vater (52) nach sechs Jahren endlich vor Gericht

Vater soll Sohn auf Sylt zu Tode geschüttelt haben.
Der angeklagte Vater soll seinen Sohn 2016 auf Sylt zu Tode geschüttelt haben.
RTL Nord

von Kai Ziemen und Nicole Ide

Sechs Jahre musste die Mutter des verstorbenen Filips warten bis der Kindsvater sich für den Tod ihres Sohnes vor dem Landgericht Flensburg verantworten muss. Seit Dienstag läuft der Prozess gegen den zur Tatzeit 46-jährigen Polen. Verdacht auf Totschlag lautet die Anklage. Bereits im September 2016 soll er seinen vier Monate alten Sohn zu Tode geschüttelt haben.

Schreiendes Baby – genervter Vater

Die Mutter ist als Zeugin geladen. Sie sitzt weinend im Gerichtssaal und meidet den Blickkontakt mit dem Kindsvater Krzysztof P.. Seit 2015 kennen sich beide. Wie Krzysztof P. stammt auch sie aus Polen, deshalb helfen Dolmetscher im Prozess. Die Mutter erzählt, sie habe in Westerland auf Sylt 2016 als Reinigungskraft gearbeitet. Das Paar habe damals beengt in einer 1-Zimmer-Wohnung in Westerland auf Sylt gelebt. Am 11. Mai des Jahres wird dann ihr gemeinsamer Sohn Filip geboren. Aber es sei immer öfter zu Konflikten gekommen. Das Kind soll insgesamt viel geweint und unter Koliken gelitten haben. Das soll den Vater, der als Bauarbeiter tätig war, manchmal genervt haben.

Im Video: Warum eine Mutter trotz Schüttel-Vorwurf zum Vater hält

Mutter des Babys hält zum Vater Baby totgeschüttelt?
01:32 min
Baby totgeschüttelt?
Mutter des Babys hält zum Vater

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Vater jähzornig und gewalttätig

Im Gerichtssaal beschreibt die Mutter unter Tränen den Kindsvater als jähzornig und ihr gegenüber gewalttätig, deshalb sei sie auch kurz nach der Geburt ausgezogen. Der Vater habe sich nur gelegentlich um den gemeinsamen Sohn gekümmert und sollte im mutmaßlichen Tatzeitraum vom 4. bis zum 6. September 2016 allein auf den Kleinen aufpassen. Sie hätte arbeiten müssen und ihr Babysitter hatte so kurzfristig keine Zeit.

Lese-Tipp: Baby zu Tode geschüttelt: 8 Jahre Haft wegen Totschlags für Vater

Todesursache des Babys zunächst unklar

Damals, am 6. Mai 2016, sorgten sich beide um den Kleinen und haben laut damaliger Mitteilung der Polizei über einen Bekannten den Krankenwagen gerufen. Trotz der sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen sei der Junge in der Klinik gestorben. Weil die Ärzte die Todesursache nicht klären konnten, wurde eine Obduktion bei der Rechtsmedizin Kiel angeordnet. Seitdem war klar: Es gab Hinweise auf Gewalteinwirkung. Die Mordkommission Flensburg nahm die Ermittlungen auf. „Diese richten sich gegen den 46-jährigen Kindesvater“, hieß es damals in der Mitteilung weiter.

Lese-Tipp: Oft handeln Eltern im Affekt – Warum Schütteln bei Babys so gefährlich ist und wo es anfängt

Vater taucht in Polen unter

Sechs Jahre hat es bis zum Prozessstart in Flensburg gedauert. Erst im Juli 2022 hat die Polizei Krzysztof P. in Polen festgenommen. Der Haftbefehl wurde im März erlassen, weil dem Angeklagten Ladungen unter seiner Anschrift in Polen nicht mehr zugestellt werden konnten. Der Angeklagte, der zurzeit in der JVA Flensburg einsitzt, äußert sich am Dienstag zu den Vorwürfen nicht. Er wirkt während der Zeugenaussage seiner Ex-Freundin niedergeschlagen, blickt zu Boden und muss mit den Tränen kämpfen. Für den 10. Januar ist ein weiterer Verhandlungstermin geplant.

Was kann ich tun, wenn ich mit dem schreienden Baby überfordert bin?

Wenn Sie sich überfordert fühlen, empfehlen die Experten folgendes Vorgehen:

  • Legen Sie Ihr Baby sicher ab
  • Holen Sie sich Unterstützung oder rufen Sie jemanden an
  • Atmen Sie tief durch
  • Schauen Sie wieder nach Ihrem Baby
  • Machen Sie sich immer bewusst, dass Schütteln keine Lösung ist und töten kann.

Außerdem gibt es eine permanente Telefon-Hotline für Eltern, die durch das Schreien ihrer Babys akut gestresst sind und akut Hilfe brauchen: 0152 22 89 52 61.