Oft handeln Eltern im Affekt

Warum Schütteln bei Babys so gefährlich ist und wo es anfängt

Schütteln tötet! Dafür wollen die API-Kinder- und Jugendstifung, das UKE und die Stadt Hamburg Eltern sensibilisieren.
Schütteln tötet! Dafür wollen die API-Kinder- und Jugendstifung, das UKE und die Stadt Hamburg Eltern sensibilisieren.
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04. November 2021 - 16:13 Uhr

Säuglinge und Eltern am Ende ihrer Kräfte

Wenn Babys nicht mehr aufhören zu weinen oder zu schreien, dann kommen Eltern auch mal an ihre Grenzen. Frust, Wut und Hilflosigkeit machen sich breit - dann kann es zu der Kurzschlussreaktion kommen, das Kind zu schütteln. Doch die gesundheitlichen Folgen sind für die Kleinen katastrophal.

Ab wann sprechen Ärzte von Schütteln?

"Schütteln bedeutet: Ich nehme in der Regel das Kind am Oberarm oder am Brustkorb und bewege es so kräftig und so stark, dass der Kopf des Kindes pendelt", erklärt Dr. Dragana Seifert, Oberärztin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). "Es gibt Studien, die sagen, danach hat man im Oberarm Schmerzen als wenn man Kraftsport gemacht hat." Ein Kind langsam hoch nehmen und es leicht wippen sei hingegen in Ordnung, erklärt Seifert weiter.

Was passiert, wenn man ein Baby schüttelt?

Rechtsmediziner Prof. Benjamin Ondruschka zeigt, was mit dem Gehirn passiert, wenn man es schüttelt.
Rechtsmediziner Prof. Benjamin Ondruschka zeigt, was mit dem Gehirn passiert, wenn man das Baby schüttelt.
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"Es kommt zu Blutungen, die Gefäße können reißen und sogar der Augennerv kann reißen", erklärt die Ärztin. Säuglinge können ihren Kopf noch nicht selbst halten und durch das gewaltsame Schütteln wird das Gehirn im Schädel hin- und hergeworfen. Zehn bis 30 Prozent der Kinder sterben sogar an den Folgen.

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Was kann ich tun, wenn ich überfordert bin?

In Hamburg werden Eltern ab sofort in allen 160 Kinderarztpraxen der Stadt bei der U3-Vorsorgeuntersuchung über Schütteltrauma aufgeklärt. "Wir wollen erreichen, dass Eltern, die ausflippen, sich andere Möglichkeiten suchen, Aggressionen auszuleben und nicht am Körper des Kindes", so Dr. Stefan Renz vom Berufsverband der Kinderärzte. Wenn Sie sich überfordert fühlen, empfehlen die Experten folgendes Vorgehen:

  • Legen Sie Ihr Baby sicher ab
  • Holen Sie sich Unterstützung oder rufen Sie jemanden an
  • Atmen Sie tief durch
  • Schauen Sie wieder nach Ihrem Baby
  • Machen Sie sich immer bewusst, dass Schütteln keine Lösung ist und töten kann.

Außerdem gibt es eine neue permanente Telefon-Hotline für Eltern, die durch das Schreien ihrer Babys akut gestresst sind und akut Hilfe brauchen: 0152 22 89 52 61. (anr)