Hannover: Prozess um 33-Jährigen

Baby zu Tode geschüttelt: 8 Jahre Haft wegen Totschlags für Vater

14. Januar 2022 - 18:09 Uhr

Urteil im Prozess gegen einen Vater, der sein Baby zu Tode geschüttelt haben soll: Der Angeklagte wurde zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor diese Strafe gefordert.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann aus Hildesheim seinen knapp drei Monate alten Sohn im März so stark schüttelte, dass das Kind massive Hirnblutungen erlitt und wenig später im Krankenhaus starb.

Vor den Plädoyers am Landgericht Hildesheim wurden am Freitag zwei medizinische Gutachter gehört. Ein Pharmakologe und ein Immunologe erklärten nach Angaben des Gerichtssprechers, dass es keinen Anhaltspunkt für Hirnschäden aufgrund der Impfung des Babys am Vortag gebe. Der 33 Jahre alte Angeklagte bestritt bis zuletzt, seinen kleinen Sohn getötet zu haben. Auch seine Verlobte glaubte ihm.

Junge erlitt massive Hirnblutungen

Ende März soll der 33-Jährige den knapp drei Monate alten Jason so stark geschüttelt haben, dass der Säugling massive Hirnblutungen erlitt. Die Mutter des Kindes war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Der kleine Jason soll blau angelaufen sein, sodass der Vater den Notarzt rief. Der Junge starb fünf Tage später.

Die Verteidigung forderte Freispruch, erkennt aber an, dass es ein Schütteltrauma war und nur der Vater dafür in Frage kommt. Er sei ein liebevoller Vater gewesen. "Wenn ich das irgendwie beweisen könnte, würde ich das tun, dass ich meinem Sohn das nicht angetan habe", sagte der Angeklagte, als er sich noch selbst äußern durfte.

Familie hielt zum Vater trotz Gutachten

Das Paar ist überzeugt: Ihr Sohn habe sich beim Milchtrinken verschluckt. Außerdem sei der Kleine einen Tag vor seinem Tod geimpft worden. Doch drei unterschiedliche Gutachter kamen zu einem Ergebnis: Es muss ein Schütteltrauma gewesen sein. Nicht nur der Abriss der Brückenvene, sondern auch Nervenzellschäden, Hirnblutungen, Sauerstoffmangel und Einblutungen im Rückenmark würden das zeigen. Eine der Rechtsmedizinerinnen hob außerdem noch eine bandförmige Verletzung zwischen Kinn und Lippe hervor. Das sei nicht einem Zusammenstoß zuzuordnen, "es sieht mehr aus wie eine Quetschung." (dpa/lth)