Union vor Bundestagswahl

Armin Laschet: Unbeliebt wie nie? So läuft der Wahlkampf für den CDU-Kanzlerkandidaten

Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union
Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union
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26. September 2021 - 9:04 Uhr

Armin Laschet: Kann der NRW-Ministerpräsident noch Kanzler werden?

Hätte er es besser seingelassen? Mit aller Macht setzte sich Armin Laschet im Frühjahr gegen Markus Söder durch, als es um die Frage ging, wer der Kanzlerkandidat der Union wird. Schon damals stand es um die Beliebtheit des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten im eigenen Bundesland nicht besonders gut – nur wenige trauten ihm die Kanzlerkandidatur zu. Die CDU-Spitze entschied sich dennoch für Armin Laschet als neuen Kanzlerkandidaten. Knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl steht die Union so schlecht da wie lange nicht mehr. So lief es für Laschet im Wahlkampf bisher.

+++ LIVESTREAM am 29.08. ab 20:08 Uhr: Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz im Wahl-Triell bei RTL +++

Armin Laschet gegen Markus Söder: Der lange Streit zwischen CDU und CSU

Armin Laschet (l), CDU-Kanzlerkandidat, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, begrüßen sich Corona-konform.
Wollen Einigkeit demonstrieren: Armin Laschet und Markus Söder. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus?
© dpa, Kay Nietfeld, nie fdt

Acht Tage lang dauerte der Zoff um die Kanzlerkandidatur der Union. Schlussendlich setzte sich Armin Laschet gegen Markus Söder durch. "Wenn Sie sich daran erinnern, dass die SPD ein halbes Jahr gebraucht hat, um Parteivorsitzende und dann auch einen Kanzlerkandidaten zu finden, finde ich acht Tage in Ordnung", konterte Armin Laschet auf Nachfrage von RTL.

"Wir wollen keine Spaltung, sondern eine geschlossene Gemeinschaft", betonte Söder nach der Entscheidung in der K-Frage. Kurz vor der Bundestagswahl scheint die Union aber alles andere als geschlossen. Eine aktuelle Umfrage zeigt sogar: 70 Prozent der Unterstützer von CDU/CSU wünschen sich, dass Armin Laschet gegen Markus Söder ausgetauscht wird.

Nicht nur das setzt Laschet unter Druck. Zeitgleich überholte die SPD die Union erstmals seit 2006 in den Umfragen. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, läge Olaf Scholz mit den Sozialdemokraten mittlerweile vor Laschet und der CDU.

Armin Laschet und der Lacher bei der Flut

Kurzzeitig sah es im Frühsommer so aus, als könne sich Laschet mit der CDU von den Grünen absetzen. Nach anfänglicher Beliebtheit ging es mit der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bergab, die CDU konnte sich leicht absetzen. Nun geht es seit Wochen für den CDU-Kanzlerkandidaten und die Union bergab.

Sicherlich ein Faktor: Laschets Auftreten rund um die Flutkatastrophe. Erst empörte er mit einem Interview kurz nach den Ereignissen, in dem er sagte: "Entschuldigung, junge Frau, weil jetzt ein solcher ein Tag ist, ändert man nicht die Politik". Bei seinem Besuch im Krisengebiet fiel der Ministerpräsident von NRW dann erneut negativ auf. Während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier feixte und lachte Laschet im Hintergrund. Zwar entschuldigte er sich, doch sein Verhalten hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Kichern in der Katastrophe? Voll daneben, findet auch RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome.

Auch seitens der betroffenen Flutopfer hagelte es Kritik für Laschet. Nicht nur, wegen seines geschmacklosen Auftritts vor Ort, auch, weil versprochene Hilfen nicht ankamen.

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Armin Laschet und Afghanistan

Eine eher unglückliche Figur gab Armin Laschet ebenfalls in der Frage um die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan ab. Nachdem die Taliban die Hauptstadt Kabul übernahmen, versuchten Menschen verzweifelt das Land zu verlassen. "Ich glaube, dass wir jetzt nicht das Signal aussenden sollten, dass Deutschland alle, die jetzt in Not sind, quasi aufnehmen kann", sagte Laschet. "Die Konzentration muss darauf gerichtet sein, vor Ort, jetzt diesmal rechtzeitig - anders als 2015 - humanitäre Hilfe zu leisten." Kritik kam anlässlich dieser Aussage vor allem aus dem Lager der Grünen. Der Co-Vorsitzende der Grünen in NRW, Felix Banaszak, bezeichnete Laschets Aussagen als "unanständig" und "unchristlich".

Zerstört Rezo die CDU und Laschet?

In einem gut 28-minütigen Video hat sich der Youtuber Rezo "Politiker, die sich Fehlverhalten geleistet haben" vorgenommen. Mit dabei: Armin Laschet. Nicht nur sei sein Verhalten im Rahmen der Flutkatastrophe "inakzeptabel auf einem anderem Level", Rezo unterstellte dem CDU-Chef auch, er würde entweder das eigene Wahlprogramm nicht kennen oder bewusst lügen. Laschet hatte nämlich in einem Interview behauptet, das CDU-Wahlprogramm sehe vor, dass Klein- und Mittelverdiener steuerlich entlastet werden sollen. Im CDU-Programm stünde aber, dass Unternehmen diese Entlastung behalten sollen. Bereits 2019 hatte Rezo in seinem Video "Die Zerstörung der CDU" Politik und Verantwortliche der Union heftig kritisiert.

CDU: Das Wahlprogramm zur Bundestagswahl

Einen "Modernisierungsschub für Deutschland" – das sehen CDU und CSU im Wahlprogramm der Union für die Bundestagswahl. Im Juni stellten Armin Laschet und Markus Söder die gemeinsamen Ziele der Schwesterparteien vor. "Wir verbinden konsequenten Klimaschutz mit wirtschaftlicher Stärke und sozialer Sicherheit", sagte Armin Laschet. Alle wichtigen Punkte des Wahlprogramms haben wir hier für Sie zusammengefasst.

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Armin Laschet im TV: Auftritte bei RTL, ARD und ZDF

Im Wahl-Triell bei RTL schaltete Armin Laschet Ende August auf Angriff. Konfrontierte beispielsweise Olaf Scholz mit einer möglichen Koalition der SPD und den Linken. Überzeugen konnte der CDU-Chef bei den Zuschauern dennoch nicht. Eine Umfrage kurz nach der Sendung zeigte: Armin Laschet liegt in der Frage nach dem Gewinner des Triells auf dem letzten Platz – Nur 25 Prozent der Zuschauer sahen den CDU-Mann vorne. Gewinner des Triells: Olaf Scholz (36 Prozent) vor Annalena Baerbock (30 Prozent).

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Auch das zweite Triell von ARD und ZDF am 12. September konnte Armin Laschet erneut nicht für sich entscheiden, Olaf Scholz lag wieder auf Platz 1. Gleichzeitig konnte Laschet sich in der Endbewertung der Zuschauer im Gegensatz zum ersten Triell an Annalena Baerbock vorbeischieben und landete immerhin auf Platz 2, wenn auch deutlich hinter Scholz.

Klartext: Laschet und die Frage um die Ehe für alle

Kritik gab es für Armin Laschet auch für seinen Auftritt in der ZDF-Sendung "Klartext". Eine Frau aus dem Publikum konfrontierte den CDU-Chef mit seiner Einstellung zur Ehe für alle. Laschets Antwort: "Ich hätte dafür gestimmt, aber man kann auch dagegen stimmen." Bei Twitter folgte prompt ein Shitstorm gegen Laschet. User deckten Aussagen des Kanzlerkandidaten aus der Vergangenheit auf, auch aus dem Jahr der Abstimmung um die Ehe für alle im Bundestag 2017. "Dem Antrag der SPD hätte ich wie Merkel nicht zugestimmt, weil er auch verfassungsrechtlich nicht in Ordnung ist", wird aus einem Spiegel-Interview zitiert.

In einem Interview mit dem Magazin "Fresh" sagte der CDU-Chef noch 2021: "Ich hätte es so gemacht wie Angela Merkel – nicht nur bei der Abstimmung, sondern auch zuvor: Sie hat den Fraktionszwang aufgehoben." Laschets klare Haltung zu dem Thema bleibt also weiter offen.

(kmo)