Ärzte ohne Grenzen behandeln Kriegsverletzte in der Ukraine

"Viele verlieren erstmal den Lebensmut und schämen sich für ihre Verletzungen"

"Viele verlieren erstmal den Lebensmut und schämen sich" Kriegsverletzte in der Ukraine
04:15 min
Kriegsverletzte in der Ukraine
"Viele verlieren erstmal den Lebensmut und schämen sich"

von Nele Balgo

Komplexe Knochenbrüche, Schussverletzungen oder Wunden durch Bombeneinschläge gibt es in der Ukraine täglich. Dazu kommen Minen im Boden. Wenn Zivilisten oder Soldaten versehentlich auf sie treten, verlieren sie dabei oft Gliedmaßen, weiß Birgit Schönharting von Ärzte ohne Grenzen. Sie hat in der Ukraine Physiotherapie-Standorte für Kriegsverletzte aufgebaut. Wie ihr Team Amputierten hilft und was die Patienten erzählen, verrät sie im Interview im Video.

Lese-Tipp: Alle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Ukrainerin verliert Bein beim Sammeln von Feuerholz

In Erinnerung geblieben ist Birgit Schönharting die Geschichte einer Patientin aus der Region Charkiw. Monatelange habe sich die Ukrainerin in einem Keller vor den russischen Soldaten versteckt. Als die Truppen dann abgezogen sind, habe sie in der Nähe ihres Hauses Feuerholz gesammelt. Dabei sei sie auf eine Mine getreten und hat ihr halbes Bein verloren. Durch ihre Therapie habe sie neuen Mut geschöpft und eine Prothese bekommen.

Neben Zivilisten werden auch Soldaten an der Front getroffen. Ob sie nach ihrer Behandlung wieder in den Kriegsdienst zurückkehren, hänge von der Verletzung ab. „Manche möchten tatsächlich, manche haben genug von dem, was sie erlebt haben“, so Schönharting.

Diese ukrainische Frau hat einen Teil ihres Beins verloren.
Diese ukrainische Frau hat einen Teil ihres Beins verloren.
MSF/Nadiia Voloboieva

„Manchmal war es so, dass jemand zusammengezuckt ist, weil ein Vogel am Himmel sichtbar war."

Neben physischen Wunden kümmert sich das Team von Ärzte ohne Grenzen auch um seelische Unterstützung. Der ständige Luftalarm oder die Angst um Verwandte und Freunde, zu denen plötzlich der Kontakt abreißt, lassen die Ukrainer nicht los. „Manchmal war es so, dass jemand zusammengezuckt ist, weil ein Vogel am Himmel sichtbar war und man nicht wusste, also das getriggert hat, ob es vielleicht eine Drohne sein könnte“, so Schönharting. Solche Assoziationen können einen oft Jahre begleiten. Deshalb werde auch medizinisches Personal in der Ukraine geschult, um auch in ferner Zukunft Angebote bereitzustellen.

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