Ein Vokabeltrainer mit Video-Muttersprachlern oder ein durchgeplanter Grammatikkurs – bei Memrise und Babbel triffst du auf zwei komplett gegensätzliche Lernphilosophien. Die eine App wirft dich mitten in echte Gespräche, die andere führt dich Schritt für Schritt durch einen Lehrplan wie im Sprachkurs. Welche der beiden zu deinem Lerntyp passt, klärst du in diesem Vergleich.
Memrise startete 2010 in London mit der Idee, Sprachen so zu lernen, wie sie im echten Leben klingen – über Tausende Videoclips von Muttersprachlern. Babbel ist mit Gründungsjahr 2007 in Berlin einer der Pioniere der Branche und setzt bis heute auf klassisch aufgebaute Lektionen mit Grammatik-Fokus. Wir zeigen dir, wo beide Apps stark sind, was sie kosten und für welchen Lerntyp sich welche App eignet.
Memrise oder Babbel: Die wichtigste Frage zuerst
Kurz gesagt: Willst du eine Sprache über authentische Videoclips und kurze Wiederholungseinheiten aufsaugen, ist Memrise dein Match. Willst du Grammatik systematisch verstehen und mit klarem Lehrplan lernen, liegst du bei Babbel richtiger. Wer beides will, kombiniert am besten beide Apps.
Memrise vs. Babbel im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Apps auf einen Blick – von der Anzahl der Sprachen bis zum Preis.
| Kriterium | Memrise | Babbel |
|---|---|---|
| Gründung | 2010, London | 2007, Berlin |
| Sprachen insgesamt | 34+ | 14 |
| Sprachen ab Deutsch | 9 | 14 (alle, in einem Abo) |
| Erreichbares Niveau | bis A2/B1 | bis B2, teils bis C1 |
| Lektionsdauer | 3–5 Minuten | 10–15 Minuten |
| Kernmethode | Video-Immersion mit Muttersprachlern, Spaced Repetition | Strukturierter Grammatikkurs, dialogbasiert |
| KI-Feature | MemBot (Chat-Simulation) | Babbel Speak (Ausspracheanalyse) |
| Kostenlose Nutzung | Eingeschränkte Gratis-Version | Erste Lektion pro Kurs gratis |
| Jahresabo | ab 6,99 €/Monat | ab 8,99 €/Monat |
| Lifetime-Zugang | 249,99 € | 299,99 € |
| Geld-zurück-Garantie | Über App-Store-Richtlinien | 20 Tage |
Auffällig: Bei der reinen Sprachanzahl liegt Memrise weit vorn, doch das gilt nur, wenn Englisch deine Ausgangssprache ist. Startest du von Deutsch aus, bietet Babbel sogar mehr nutzbare Sprachen – und das mit deutlich mehr Kurstiefe bis Niveau B2.
Memrise: Sprache lernen wie im echten Leben
Hinter Memrise stecken der Gedächtnisweltmeister Ed Cooke, der Neurowissenschaftler Greg Detre und der Unternehmer Ben Whately, die die App 2010 in London an den Start brachten. Ihre These: Sprache lernst du am besten dort, wo sie tatsächlich gesprochen wird – im Café, auf der Straße, im Alltag. Statt Vokabellisten und Grammatikregeln setzt Memrise auf Immersion pur, unterstützt von einem ausgeklügelten Wiederholungssystem.
Eine Lektion dauert bei Memrise selten länger als fünf Minuten. Zuerst lernst du fünf bis acht neue Wörter per Karteikarte, danach siehst du sie in kurzen Videoclips – echte Menschen sprechen die Begriffe in realen Alltagssituationen aus. Anschließend festigst du das Gelernte per Multiple-Choice, Zuordnung oder Texteingabe. Im Hintergrund arbeitet Spaced Repetition: Wörter, die dir schwerfallen, tauchen häufiger auf, bekannte Begriffe seltener.
Seit 2023 ergänzt der KI-Chatpartner MemBot das Angebot – ein simulierter Gesprächspartner für risikofreies Üben, ganz ohne Lampenfieber. Dazu kommen eine solide Spracherkennung fürs Aussprachetraining, ein Offline-Modus im Premium-Abo sowie Gamification-Elemente wie Streaks, Punkte und Bestenlisten, die dranbleiben leichter machen.

Beim Sprachangebot punktet Memrise mit über 34 Sprachen, darunter ausgefallene wie Mongolisch oder Yoruba – allerdings nur, wenn du Englisch als Ausgangssprache wählst. Startest du von Deutsch aus, bleiben neun Sprachen übrig: Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch, Russisch und Türkisch. Für alles darüber hinaus brauchst du einen Umweg über Englisch.
Preislich ist Memrise der günstigere Einstieg: 17,99 € im Monatsabo, rund 6,99 € pro Monat im Jahresabo (84 € gesamt) oder 249,99 € für lebenslangen Zugriff. Eine kostenlose Version mit eingeschränktem Funktionsumfang gibt es ebenfalls, Videos und MemBot bleiben dort aber gesperrt. Einen Familientarif sucht man vergeblich.
Grammatik-Erklärungen? Fehlanzeige. Wer Regeln verstehen statt erahnen will, kommt bei Memrise nicht auf seine Kosten – auch die Kurstiefe endet meist bei A2/B1. Am besten eignet sich Memrise für alle, die eine Sprache für die Reise oder den Alltag aufsaugen wollen, kurze Lerneinheiten bevorzugen und Wert auf echten Sprachkontakt statt Theorie legen.
Babbel: Der strukturierte Grammatikkurs
Babbel gilt als einer der Pioniere unter den Sprachlern-Apps: 2007 in Berlin gegründet, mittlerweile mit mehr als 25 Millionen verkauften Abos. Statt auf Immersion setzt Babbel auf klassische Didaktik – über 200 Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler entwickeln die Kurse, die sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen orientieren. Das Ergebnis erinnert an guten Sprachunterricht, nur eben aufs Smartphone gebracht.
Eine typische Lektion dauert 10 bis 15 Minuten und folgt immer demselben Muster: Neue Vokabeln führst du im Kontext ein, danach folgen Dialogübungen, Lückentexte und Hörverständnis-Aufgaben. In einer Lektion zum Thema Restaurantbesuch lernst du zunächst die passenden Begriffe, hörst einen Dialog zwischen Gast und Kellner und bildest anschließend eigene Sätze. Grammatikregeln blendet Babbel dabei kurz und verständlich ein, etwa als Konjugationstabelle mitten in der Übung.
Auch Babbel nutzt Spaced Repetition, allerdings über einen eigenen Wiederholungsmanager, der dich gezielt an Vokabeln erinnert, bevor du sie vergisst. Seit 2025 ergänzt „Babbel Speak” das Angebot – eine KI-gestützte Funktion, die deine Aussprache analysiert und Feedback gibt. Einen klassischen KI-Chatpartner für freie Konversation bietet Babbel bislang nicht.

Mit 14 Sprachen ist Babbels Angebot deutlich kleiner als das von Memrise – dafür sind seit Oktober 2025 alle 14 Sprachen in jedem Abo enthalten, und zwar durchgehend bis Niveau B2, bei Englisch und Spanisch sogar bis C1. Eine Studie der CUNY und der University of South Carolina bestätigt: Babbel-Einsteiger erreichten nach nur 15 Stunden das Niveau eines College-Semesters Spanisch.
Preislich bewegt sich Babbel etwas über Memrise: 53,97 € im 3-Monats-Abo, 83,94 € im 6-Monats-Abo, 107,88 € im Jahresabo (8,99 €/Monat) oder 299,99 € als Lifetime-Zugang, der häufig stark reduziert angeboten wird. Eine 20-tägige Geld-zurück-Garantie nimmt dir das Risiko beim Einstieg.
Wer spielerische Motivation über Highscores und Streaks braucht, wird bei Babbel weniger fündig – Gamification spielt hier nur eine Nebenrolle. Am besten eignet sich Babbel für alle, die eine Sprache wirklich systematisch aufbauen wollen, sei es für den Beruf, eine Prüfung oder einfach, um Grammatik zu verstehen statt nur zu erahnen.
Für wen lohnt sich Memrise, für wen Babbel?
Die Entscheidung hängt stark von deinem Lernstil ab. Memrise passt zu dir, wenn du kurze Lerneinheiten für zwischendurch suchst, gern über echten Sprachkontakt statt Regeln lernst und dich für ausgefallene Sprachen interessierst. Reisende und Hobby-Lerner, die schnell einsatzfähiges Alltagsvokabular wollen, profitieren besonders von den Videoclips und der spielerischen Aufmachung.
Babbel lohnt sich, wenn du eine Sprache ernsthaft und strukturiert lernen willst – etwa für den Beruf, eine Prüfung oder einen längeren Auslandsaufenthalt. Die klar aufgebauten Lektionen, die Grammatik-Erklärungen im Kontext und der wissenschaftlich fundierte Lehrplan machen Babbel zur besseren Wahl für alle, die tatsächlich ein hohes Sprachniveau erreichen wollen.
- Memrise passt zu dir, wenn: du kurze, spielerische Einheiten magst, exotische Sprachen lernen willst oder vor allem dein Hörverständnis trainieren möchtest.
- Babbel passt zu dir, wenn: du Grammatik verstehen willst, ein höheres Sprachniveau anstrebst oder für Beruf und Prüfung lernst.
Ein Tipp aus der Praxis: Viele Lernende kombinieren beide Apps. Babbel liefert die Struktur und Grammatik, Memrise sorgt für Hörverständnis und Alltagsvokabular durch echte Sprecher. Zusammen kosten beide Jahresabos rund 15 € im Monat – ein fairer Preis für ein nahezu komplettes Lernpaket.
Häufig gestellte Fragen zum Vergleich Memrise vs. Babbel
Beide Apps eignen sich für den Einstieg, doch der Ansatz unterscheidet sich stark. Babbel führt dich Schritt für Schritt durch einen Lehrplan und erklärt Grammatik verständlich – ideal, wenn du dich an die Hand nehmen lassen willst. Memrise wirkt dagegen spielerischer: Kurze Lektionen mit Videoclips motivieren schneller zum Dranbleiben, dafür bleibt die Grammatik auf der Strecke. Wer sich nicht entscheiden kann, startet am besten mit den kostenlosen Testversionen beider Apps.
Memrise ist im Jahresabo mit rund 6,99 € pro Monat günstiger als Babbel mit 8,99 € pro Monat. Beim Lifetime-Zugang liegt Memrise mit 249,99 € ebenfalls unter Babbels regulären 299,99 €, wobei Babbel häufig Rabattaktionen mit deutlich reduzierten Preisen anbietet. Dafür bekommst du bei Babbel automatisch Zugriff auf alle 14 Sprachen gleichzeitig – bei Memrise ist der Umfang je nach Ausgangssprache eingeschränkter.
Mit Deutsch als Ausgangssprache bietet dir Babbel alle 14 verfügbaren Sprachen, seit Oktober 2025 sogar in einem einzigen Abo. Bei Memrise stehen dir von Deutsch aus nur neun Sprachen offen: Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch, Russisch und Türkisch. Für das komplette Angebot von über 34 Sprachen brauchst du bei Memrise Englisch als Ausgangssprache.
Babbel, eindeutig. Die Kurse reichen bis Niveau B2, bei Englisch und Spanisch sogar bis C1. Memrise deckt in der Regel nur A2 bis B1 ab, danach fehlt schlicht der Inhalt. Wer ein Sprachzertifikat wie DELE oder DELF anstrebt oder wirklich flüssig sprechen möchte, sollte zusätzlich auf Live-Unterricht setzen, etwa über Lingoda oder Preply.
Ja, und viele erfahrene Sprachlerner tun genau das. Babbel liefert die Struktur, erklärt Grammatik und baut systematisch auf, während Memrise mit seinen Muttersprachler-Videos das Hörverständnis und den Alltagswortschatz stärkt. Die Kombination gleicht die jeweiligen Schwächen aus – trockene Theorie bei Babbel und fehlende Grammatik bei Memrise.
Memrise setzt auf Immersion: Du lernst über Tausende Videoclips echter Muttersprachler und ein cleveres Wiederholungssystem, ganz ohne klassische Grammatikerklärungen. Babbel dagegen liefert einen durchdachten Sprachkurs mit klarem Lehrplan, entwickelt von Sprachwissenschaftlern. Kurz gesagt: „Sprachgefühl durch Kontakt“ gegen „Struktur durch Didaktik“.
Fazit: Memrise oder Babbel – unsere Empfehlung
Memrise und Babbel lösen dasselbe Problem auf komplett unterschiedliche Weise. Memrise bringt dich schnell und unterhaltsam in Kontakt mit echter Sprache, verzichtet dafür aber auf Grammatikerklärungen und bleibt bei den meisten Sprachen auf niedrigerem Niveau. Babbel braucht etwas mehr Geduld pro Lektion, liefert dafür einen klaren Lehrplan und führt dich bis zu einem soliden Mittelstufenniveau.
Unsere Empfehlung: Willst du schnell ins Reisevokabular einsteigen oder eine seltene Sprache lernen, ist Memrise die richtige Wahl. Willst du eine Sprache wirklich beherrschen – für Job, Prüfung oder Auslandsjahr –, führt an Babbel kaum ein Weg vorbei. Am unkompliziertesten testest du beide Apps einfach selbst und findest heraus, welcher Lernstil zu dir passt.
