Hoffnung nach Milliarden-Pleite von NorthvoltIst er der Retter? US-Investor wirbt für Neuanfang in Heide mit Lyten

Lyten-Chef Dan Cook und Minister Claus Ruhe Madsen sprechen über die Zukunft der Batteriefabrik in Heide nach der Northvolt-Pleite.
Lyten-Chef Dan Cook und Minister Claus Ruhe Madsen sprechen über die Zukunft der Batteriefabrik in Heide nach der Northvolt-Pleite.
Frank Molter/dpa
von Katharina Steinhöfel und Nele Hasselbusch

Die Hoffnung eines ganzen Bundeslandes liegt auf seinen Schultern.
Dan Cook, Chef des US-Startups Lyten, ist auf Rettungsmission in Schleswig-Holstein. Nach dem gescheiterten Milliarden-Projekt Northvolt will der Amerikaner jetzt das Unmögliche möglich machen und eine neue Ära der Industrie einläuten.

Das 1.000-Job-Versprechen

In der Staatskanzlei in Kiel herrscht seit langem mal wieder vorsichtiger Optimismus. Eine gute halbe Stunde lang sitzt Lyten-Chef Dan Cook mit Ministerpräsident Daniel Günther, Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und Umweltminister Tobias Goldschmidt zusammen hinter verschlossenen Türen. Das Ergebnis dürfte die Region aufatmen lassen: rund 1.000 Arbeitsplätze sollen in der ersten Phase entstehen.

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„Diese Woche sind wir hier, um Regierungsvertretern und anderen Interessensgruppen den von Lyten vorgeschlagenen Plan zur Entwicklung des Standorts Heide vorzustellen, der zu einhundert Prozent mit erneuerbarer Energie und Lyten-Batteriespeichersystemen betrieben werden soll“, sagt Dan Cook im Interview mit RTL. Das Konzept ist breiter gefächert als das des gescheiterten Vorgängers. „Unser Plan sieht vor, Batterien für ein breites Anwendungsspektrum herzustellen, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge“, so Cook weiter.

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Vom Milliarden-Traum zur Brache – und jetzt der Neustart?

Für Daniel Günther steht viel auf dem Spiel. Der Spatenstich des schwedischen Unternehmens Northvolt im März 2024 war ein Prestigeprojekt. Die Firma wollte in Heide eine riesige Fabrik mit rund 3.000 Arbeitsplätzen bauen. 600 Millionen Euro Fördergelder flossen – dann folgte die bittere Insolvenz. Jetzt sieht er Licht an Ende des Tunnels: „Dass dort bis zu 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten können, dass das schon auch ein großes Projekt ist an dieser Stelle.“

Leere Fläche statt Zukunftsprojekt: Nach der Northvolt-Pleite liegt die Baustelle in Heide brach. Jetzt soll Lyten neuen Schwung bringen.
Leere Fläche statt Zukunftsprojekt: Nach der Northvolt-Pleite liegt die Baustelle in Heide brach. Jetzt soll Lyten neuen Schwung bringen.
RTL

Jetzt will Lyten genau hier neu anfangen. Der Plan: Baustart 2027, erste Batterien 2028. Die Regierung will Lyten vor allem bei der enormen Energieversorgung unterstützen, die auch für geplante Rechenzentren und KI-Anwendungen nötig ist.

Bürgermeister zwischen Hoffnung und Skepsis

Doch bevor die Bagger wirklich rollen, muss Cook die Menschen vor Ort überzeugen. In den Gemeinden Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof ist man nach dem Northvolt-Debakel vorsichtig. Kai Tange, Bürgermeister von Lohe-Rickelshof, zeigt sich nach dem ersten Treffen jedoch angetan vom US-Besuch. Cook sei „normal, ruhig, fast schon bisschen dröög. Und damit nicht unpassend“, sagt Tange im RTL-Gespräch.

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Sein Kollege Kay Evers aus Norderwöhrden stellt klare Bedingungen. Er erinnert an die Macht der kleinen Gemeinden: „Lyten darf kommen, wenn es genau die Pläne umsetzt, die wir Northvolt erlaubt haben“, stellt er klar. Sollte Lyten zu stark von den alten Plänen abweichen, droht ein bürokratischer Rückschlag: „Wir fangen wieder bei Null an.“

Dan Cook zieht derweil weiter zur Bundesregierung nach Berlin. Sein Trumpf im Ärmel: Er will das Projekt vorerst mit privatem Kapital stemmen. Wenn alles glattgeht, rollen 2028 die ersten Batterien „Made in Heide“ vom Band.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche